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Hygrophila polysperma und die Otocinclus

Inhaltsverzeichnis

1. Hygrophila polysperma wächst schlecht

Ich bekam einige Stengel H. polysperma und pflanzte sie als Kontrast zu meinen roten Cabomba furcata dekorativ in Beckenmitte. Zunächst wuchsen sie auch an, dann bemerkte ich aber etwas später, daß sich winzig kleine Löcher auf den Blättern bildeten. Mit fast jedem Tag wurden die Löcher größer und der Pflanzenwuchs ließ zusehends nach. Erstaunlich war, daß diese Erscheinung nur an dieser Pflanze im Becken auftrat. Ich holte mir Rat und es schien, als läge hier ein Düngerproblem vor, getippt wurde auf Kaliummangel. Daher setzte ich mir eine Kaliumlösung an und dosierte 14 Tage lang jeden 2. Tag vorsichtig eine geringe Menge Kalium.

Der Erfolg blieb aber aus, im Gegenteil, die Pflanzenblätter sahen inzwischen wie ein Sieb aus, und die Pflanze kümmerte. Dann wurde ich darauf aufmerksam gemacht, daß es sich hier wohl nicht um ein Düngerproblem handeln würde, sondern daß die Löcher durch Fischfraß entstünden. Das war eine neue Situation, an die ich bisher nicht gedacht hatte. Ich hatte zudem auch nie beobachten können, daß sich Fische hier eine Mahlzeit holen würden. In Betracht kamen, wenn überhaupt, nur meine Otocinclus, von denen ich eine Herde im Becken pflege. Und, so wurde mir weiter mitgeteilt, wären diese Erscheinungen häufiger zu beobachten, wenn nicht genügend "Gemüse", sprich Spinat, Brokkoli usw. für die Otos im Becken wäre. Es erwuchs nun mein Ehrgeiz, diese Behauptung auch zu verifizieren.

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2. Schutzhaube für H. polysperma

Ich dachte darüber nach, wie man einen ordentlichen Pflanzenwuchs ohne Einwirkung der Otos im gleichen Becken realisieren könnte. Ein Drahtgitter über die Pflanze gestülpt wäre eine Lösung gewesen, eine andere der Einsatz einer Plastikfolie. Ich entschied mich jedoch für eine Plastikflasche, die ich entsprechend präparierte. Grundbedingung war, das Material mußte lichtdurchlässig sein, ebenso mußte ein Wasseraustausch innerhalb der Haube sicher gestellt sein. Die Otos kurzfristig aus dem Becken zu verbannen war keine Alternative.

Pflanze unter SchutzhaubeBild 1: Schutzhaube über Pflanze

Ich nahm also eine 1 Liter-Plastik-Flasche aus durchsichtigem Material, wie man sie auch für Getränke benutzt. Etwa in der Mitte sägte ich die Flasche durch und behielt den unteren Flaschenteil mit dem Boden. Diese Flaschenhälfte wollte ich nun über die Pflanze stülpen, Licht bekam sie durch das transparente Material. Damit nun auch Nährstoffe zu der eingesperrten Pflanze kommen konnten, habe ich eine Vielzahl von Löchern , ca. 8 mm im Durchmesser, in den Flaschenmantel gebohrt. So vorbereitet, stülpte ich den Flaschenteil über einen "jungfräulichen" Stengel H. polysperma, den ich neu eingepflanzt hatte. Bild 1 zeigt die Anordnung der Schutzhaube über der Pflanze. Die Aufnahme entstand ca. 14 Tage später, nachdem ich die Haube eingesetzt hatte. Die Pflanze ist während dieser Zeit unter der Schutzhülle so gut gewachsen, daß sie schon oben am Flaschenboden angekommen ist.

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3. Was passierte nun?

Zunächst etwas völlig Unerwartetes. Am nächsten Morgen schwamm ein kleiner Heterandria formosa in der Flasche herum , nicht aufgeregt, aber doch an der Wandung nach einem Auslaß aus seinem Gefängnis suchend. Er war offenbar durch eines der Löcher in die Flasche geschwommen und fand nun nicht mehr den Weg hinaus. Häufig war er direkt neben einem Loch, doch er konnte wohl nicht das Loch als Ausgang identifizieren. Nach ein paar Stunden Beobachtung ließ ich ihn dann aus der Flasche entweichen.

Die Zeit verging; nach einer Woche begann die Pflanze in der Flasche zu wachsen und wurde immer größer. Die Blätter entwickelten sich wunderbar, hellgrün und ohne irgendwelche Löcher. Ab und zu saugten sich außen an der Wandung Welse oder auch Otos fest und begannen die Außenhaut zu bearbeiten. Nach 2 Wochen war die Pflanze so groß geworden, daß sie die ganze Flasche nahezu ausfüllte und oben am Deckel des Gehäuses angekommen war. Ich entschloß mich daher, die Pflanze wieder frei zu geben. Das war um die Mittagszeit.

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4. Die Stunde der Wahrheit

Da von 12 - 15 Uhr meine Beckenbeleuchtung routinemäßig abgeschaltet wird, die Pflanze aber im Vordergrund des Beckens stand, konnte ich sie auch im abgedunkelten Zustand beobachten. Es dauerte keine 15 Minuten, da kam ein Oto, setzte sich auf ein Blatt und fing an zu raspeln. Und er hörte nicht auf zu raspeln, wechselte ab und zu das Blatt, blieb aber auf der Pflanze und ließ es sich schmecken.

Otocinclus beim FressenBild 2: Ein Oto läßt sich die H. polysperma schmecken

Nach knapp einer Stunde waren schon die ersten Fraßspuren, eben diese kleinen Löcher in den Blättern, zu sehen. Und wenn ich es nicht selbst mitverfolgt hätte, ich hätte es nicht geglaubt: Am Abend sah die halbe Pflanze schon aus wie ein Sieb. Am nächsten Morgen war das Ergebnis perfekt. Es gab fast kein Blatt mehr an der Pflanze, das nicht total durchlöchert war. Das war der Beweis: Kein Düngermangel, sondern der gute Appetit der Otos war die Ursache der löcherigen Blätter! Obwohl zu diesem Zeitpunkt genügend Gemüse im Becken war, ziehen es die Otos offenbar vor, frisches Grün direkt beim Erzeuger zu fressen! Bild 2 wurde einige Stunden nach Fortnahme der Plastikhaube aufgenommen. Die Blätter des unteren, linken Stengels sind schon ziemlich durchlöchert, rechts oben im Bild ist ein Oto beim Fressen zu sehen.


Zerfressene PflanzenblätterBild 3: Einzelne Stengel mit zerfressenen Blättern

Wie man auf Bild 3 sieht, ist fast jedes Blatt zerfressen. Die Aufnahme wurde am nächsten Morgen gemacht, nachdem tags zuvor die Schutzhaube entfernt wurde. Das Wachstum begann anschließend zu stocken. Weitere 14 Tage später sind sehr kleine Ansätze von neuen Blättern zu erkennen. Jetzt gibt es 2 Alternativen, wie es weitergehen kann. Auf keinen Fall werde ich die Otos zugunsten der Pfanze aus dem Becken verbannen, dafür aber nachdenken, entweder auf die H. polysperma mit den schönen grünen Blättern zu verzichten oder gerade wegen der Otos die Pflanze weiter zu pflegen. Somit brauchten sie nicht auf ihre Leckerbissen zu verzichten. Ich glaube, ich wähle letzteren Fall. ;-)

 

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