Logo KS Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Antike
Veronika Ederer
Bestattungssitten der nordamerikanischen Indianer

 
Für den nordamerikanischen Kontinent lassen sich im allgemeinen vier Kategorien von Bestattungsformen unterscheiden. Es sind dies:
  • Erdbestattung
  • oberirdische Bestattung
  • Feuerbestattung
  • Wasserbestattung
Die restlichen Bestattungsformen seien der Vollständigkeit halber genannt. Dazu sind weitere Unterscheidungen zwischen Primär- Sekundär- und Tertiär-Bestattung zu treffen.


Beispiele für Bestattungen

Körperbestattung

Die Pima im Südwesten der Vereinigten Staaten schnürten um 1877 ihre Toten mit Seilen in eine sitzende Stellung und setzten sie in ein Loch von 2-3 Metern Tiefe. Anschließend wurde die Grube mit Steinen und Erdreich aufgefüllt und an der Oberfläche mit Baumstämmen gegen Aasfresser geschützt.
Die Saw-Indianer in der Gegend von New York legten nach einem Bericht von 1794 ihre Verstorbenen in ein Kanu, das sie mit ihm vergruben. Das Grab wurde gekennzeichnet, und die Hinterbliebenen brachten jedes Jahr Speisen zu dem Grab.
Die Muscogees in Carolina begruben um 1791 ihre Toten unter den Fußböden ihrer Häuser.

Mumifizierung

Die Küstenindianer Virginias häuteten ihre Toten und entfleischten die Knochen. Die Knochen ließen sie in der Sonne trocknen und packten sie dann wieder in die Haut. Die Zwischenräume wurden mit feinem weißen Sand aufgefüllt, so daß der Tote unverletzt aussah. Das Fleisch wurde ebenfalls getrocknet und zu dem Toten gestellt (Bericht um 1722).

Beisetzung in Urnen

In New Mexiko wurden um 1876 Tonurnen von 20-30 cm Höhe gefunden, die mit menschlichen Knochen gefüllt waren und auf eine Zweitbestattung hinwiesen. Diese Begräbnisform kann nicht eindeutig einer Ethnie zugeordnet werden, da zudem die Bestattung in Urnen sehr selten ist.

Oberflächenbestattung

Die Seminolen in Florida bestatteten um 1877 ihre Toten in hohlen Bäumen, die sie wieder verschlossen.
Bei den Omaha am Mississippi hatte der bekannte Maler George Catlin 1844 beobachtet, daß eine hochgestellte Persönlichkeit auf ihrem toten Pferd sitzend bestattet worden war.
Die Crees in Kanada legten ihre Toten in leichte Vertiefungen in der Erde und bedeckten diese mit Stämmen und Platten (um 1858).

Kremation

Kremation bei den Tolkotin
Bei den Tolkotin in Oregon wurde 1831 der Tote neun Tage lang aufgebahrt und am zehnten Tag verbrannt.
Der Scheiterhaufen wurde auf einem erhöhten Platz errichtet und entzündet, sobald der Tote darauflag.
Die Witwe des Toten war verpflichtet, so lange wie möglich bei dem Toten auszuhalten. Sie wurde von denen, die glaubten, sie habe ihren Ehemann nicht gut behandelt, immer wieder zum Scheiterhaufen gestoßen.

Die Achomawi in Californien praktizierten 1878 eine sogenannte Teilbestattung. Sie gruben den Verstorbenen stehend ein und schnitten ihm den Kopf ab. Der Kopf wurde verbrannt, und mit der Asche bemalten sich die Hinterbliebenen das Gesicht.

Hochbestattung

Eskimo Bestattung Bestattung bei den Dakota
Bei den Inuit wurde um den Toten, der auf einer Holzplattform lag, ein Zelt aus Holzstangen errichtet.
Die Dakota auf den Great Plains wickelten ihre Toten um 1854 in Lederhäute und legten sie mit ihren Beigaben auf ein Gestell aus Holz oder in die Astgabeln eines Baumes.

Bootsbestattung
Die Choctwas in Carolina legten ihre Toten auf einem Gestell aus und setzten die Knochen später in einem Beinhaus bei.
Die Chinook im Washington Territory setzen ihre Toten in einem Holzkanu bei, das auf einem Gestell ruht.

Wasserbestattung

Die genannten Chinook pflegten tote Kinder, die in ihrem Tragebrett gestorben waren, diese im Tragebrett auf dem Wasser auszusetzen. Verstorbene Sklaven versenkten sie im Wasser.


Bestattungsriten

Je nach gesellschaftlicher Sanktionierung und Jenseitsvorstellung wurden die Toten für ihren letzten Weg vorbereitet, wobei gewisse Formen der Trauer einzuhalten waren. In der Regel wurde der in seine besten Kleider gehüllte Verstorbene bemalt, erhielt Schmuck und die Insignien seines Ranges in der Gesellschaft. Man versah den Toten mit Grabbeigaben, Lebensmitteln und Opfergaben. Nicht selten wurde sein persönlicher Besitz vor der Bestattung rituell "getötet", das heißt zerschlagen oder unbrauchbar gemacht.
Die Trauer um einen Toten bedeutete zunächst den Verzicht auf die gewohnte Lebensweise. Es wurden Speise- und Verhaltenstabus befolgt, die Hinterbliebenen hatten Totenklagen durchzuführen und Zeremonien auszurichten. Andere Kriterien der Trauer waren Eigenverletzungen, Kasteiungen, Abschneiden der Kopfhaare und Vernachlässigung der Körperpflege. Eine deutliche Kennzeichnung des/der Trauernden war ebenfalls wichtig, so durch Kleidung, Bemalung oder Sprache. Nicht selten waren Hinterbliebene in ihrer Trauerzeit sozial ausgegrenzt und wurden nach Abschluß ihrer Trauerzeit erst nach Reinigungsriten wieder in die Gesellschaft eingegliedert.


Jenseitsglaube

In Nordamerika war der Glaube an eine jenseitige Welt durchaus verbreitet, er kann jedoch auf keinen Fall verallgemeinert werden. Entsprechend dem allgemeinen Stammesglauben variierten die Jenseitsvorstellungen in bezug auf Örtlichkeit und Aussehen. Das Totenreich der Irokesen lag im Himmel, das der Hopi unter der Erde. Außerdem wurde anhand des Ranges zu Lebzeiten, der Lebensführung oder der Todesart unterschieden, wer in dieses Totenreich gelangen konnte. Menschen, die den sog. "schlimmen Tod" gestorben waren, blieb der Eintritt in das Paradies verwehrt. Dazu gehörten zum Beispiel im Kindbett verstorbene Frauen, Selbstmörder, vom Blitz Erschlagene, Ertrunkene oder Tote, die man nicht ordentlich bestattet hatte.
Nicht unbeschwerlich war der Weg ins Jenseits. Oft hatte die Seele einen schweren und gefährlichen Pfad vor sich, auf dem sie versagen konnte und dann unrettbar verloren war. Ausschlaggebend war auch hierbei das diesseitige Leben. Die Milchstraße war für viele Stämme der Weg, auf dem die Seelen ins Jenseits gingen. Oft stellte man sich das Jenseits als eine Welt vor, in der es viel Wild und keinen Hunger, keinen Krieg und keine Katastrophen gibt.


Veronika Ederer, 1998

Die Abbildungen stammen in verkleinerter Form aus:
Dr. H. C. Yarrow, North American Indian Burial Customs

Literatur:
  • Schroeter, W.: Tod, Bestattung und Nachleben bei den postcolumbischen Indianern Nordamerikas 1-9;
    In: Magazin für Amerikanistik, Wyk auf Foehr; Heft 4/4. Quartal 1996 - Heft 4/4. Quartal 1998
  • Yarrow, H.C.: North American Indian Burial Customs. Ogden, Utah 1988


siehe auch:
  • http://www.indianer-welt.de/ von Antje Baumann

  • Impressum - Nachricht hinterlassen: Kurt Scheuerer, D 85049 Ingolstadt
    Zur Auswahl Antike
    Zur Homepage Kurt Scheuerer