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Dr. Erwin Keller:
Kelten und Römer in Raetien

 
Das Schicksal der einheimischen Bevölkerung und das Fortleben keltischer Traditionen


Alpenfeldzüge der Jahre 16/15 v.Chr.

"... das vindelikische Gebiet hat bisher kaum Bodenzeugnisse geliefert, die sich in die zweite Hälfte des 1. vorchristlichen Jahrhunderts datieren und mit jenen Völkern verbinden lassen, die Augenzeugen der römischen Okkupation geworden sein müssen. Im östlichen Südbayern gibt es einige wenige Grab- und Siedlungsfunde aus dieser Zeit, im Raum westlich der mittleren Isar kann man lediglich eine kleine Zahl von Einzelfunden aus den alpennahen Zonen Oberbayerns und Schwabens als Belege für eine Besiedlung des Landes in spätkeltischer Zeit anführen."

spätkeltische Besiedlung in Rätien

"Erst jüngst ist deshalb die Vermutung geäußert worden, daß sich hinter der von Caesar geschilderten Auswanderung der Helvetier aus Südwestdeutschland nach Südfrankreich im Jahre 58 v.Chr. eine Völkerbewegung verberge, die einen wesentlich größeren Raum umfaßt und möglicherweise zur Aufgabe selbst der mitteldeutschen und böhmischen oppida geführt habe. In Thüringen, Böhmen und Nordbayern könne man bald darauf Germanen nachweisen, im östlichen Südbayern dagegen eine aus dem Thüringer Becken zugewanderte keltische Bevölkerungsgruppe.
Das westliche Südbayern sei zur Zeit der römischen Okkupation nur am Rand und im unmittelbaren Vorland der Alpen durch verbliebene keltische Stammesreste bewohnt worden."

erste römische Plätze zwischen mittlerer Isar und Iller

Augsburg, Kempten, Epfach und Gauting, Gründung in augusteischer und frühtiberischer Zeit.
"Auf diesen Landstrich ist wohl auch die Nachricht von Cassius Dio über die Zwangsrekrutierung des größten Teils der wehrfähigen Männer auszudehnen, und aus diesem Landstrich stammen vermutlich auch Angehörige von Raetorum et Vindelicorum cohortes, die schon 16 n.Chr. am Kriegszug des Germanicus gegen Arminius den Cherusker teilnahmen."

Kempten, Gräberfeld von der Keckwiese

"Nach den Funden und Befunden hat man davon auszugehen, daß die Gründer der Landstadt von weither zuzogen: aus Transpadanien (Gegend um Mailand), Mittelitalien und Gallien, aus längst romanisierten Ländern also. Hinzu kommt eine kräftige germanische Komponente, so daß in Cambodunum während der frühen Kaiserzeit ein buntes Nationalitätengemisch vorausgesetzt werden darf. Was aber im Fundbestand fehlt, sind sichere Belege für die Integration einheimisch-keltischer Stammeselemente.

Auch die relativ häufig vorkommenden Tongefäße mit Streifenbemalung, die zweifellos spätlatènezeitliche Traditionen fortführen, kann man hierfür nicht in Anspruch nehmen, weil es übereinstimmende Ware auch in westlichen Reichsteilen gibt. Es wäre also auch möglich, diese Keramikgattung mit den von dort Zugewanderten in Verbindung zu bringen."


Kelten und Römer in Raetien
Keller, Erwin
Das Schicksal der einheimischen Bevölkerung und das Fortleben keltischer Traditionen
aus: Die Römer in Schwaben, 1985, S. 28-29.
gekürzt von Kurt Scheuerer


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