Logo KS Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Archäologie in Bayern
C.-M. Hüssen, M. Leicht und S. Sievers
Neue Ausgrabungen im Oppidum von Manching

 

Zu den Ausgrabungen von 1996

Manching, Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm, Oberbayern

Im Oppidum von Manching, mit 380 Hektar Ausdehnung eine der größten keltischen Anlagen, wurde im Zuge einer Bebauungsmaßnahme die archäologische Untersuchung eines nahezu sechs Hektar umfassenden Areals im Nordwesten der Keltensiedlung notwendig. Das im Vergleich zu den bisher ergrabenen Flächen (11 ha) große Gebiet muß innerhalb von vier Jahren freigelegt werden. Dabei ergibt sich zum einen die Möglichkeit, erstmals einen größeren zusammenhängenden Ausschnitt in diesem Teil des Oppidums aufzudecken, zum anderen dürfte die an dessen Ost-West-Achse angrenzende Fläche wichtige Aufschlüsse zur Siedlungsentwicklung liefern. In Zusammenarbeit des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege mit der Römisch-Germanischen Kommission wurde in der Zeit vom 1. April bis 20. Dezember eine erste Teilfläche von ca. einem Hektar untersucht.

Eine geologische Vorerkundung durch M. Trappe, Universität Eichstätt, ergab, daß eine Kulturschicht nicht vorhanden war.

Schon beim maschinellen Abzug des Oberbodens wurde die Fläche mit dem Metallsuchgerät sondiert, das auch anschließend regelmäßig im Einsatz war. Die Aufnahme der Befunde erfolgte mit dem eigens für unsere Zwecke konfigurierten digitalen Pantographen TRIGOMAT® der Firma Ha-Be Soft, Clausthal-Zellerfeld. In Bereichen mit geringerer Befunddichte kam auch ein mit der gleichen Software verknüpftes Tachymeter zum Einsatz. Auf diese Weise konnten schon im Gelände Übersichtspläne im frei wählbaren Maßstab erstellt werden. Als besonders erschwerend bei der Beurteilung der Baubefunde erwies sich der Umstand, daß der Westteil der Grabungsfläche durch unzählige rezente Bodeneingriffe von Kleingärtnern massiv verunklart war. Darüber hinaus zeichnen sich auch mehrere Abfallgruben ab, die amerikanische Truppen nach dem Krieg angelegt hatten. Deutlich ist auch ein den nördlichen Teil der Fläche querender Entwässerungskanal im Planum zu erkennen.
Erwartungsgemäß dünnt der spätkeltische Befund nach Norden hin aus und wird durch einen mehrere Meter breiten und noch ca. 0,8 m tiefen Graben, in dem sich ein Teilskelett fand, begrenzt. Nördlich davon konnten lediglich Reste einer latenezeitlichen Körperbestattung beobachtet werden. Die Masse der ansprechbaren Pfostenverfärbungen befindet sich im südlichen bzw. südöstlichen Teil der Grabungsfläche. Viele der hier herauszulösenden Gebäudegrundrisse, darunter ein in Manching seltenes Grubenhaus, sind aus anderen Bereichen des Oppidums bekannt. Es ist zu erwarten, daß die Befunddichte in Richtung Süden, also zum Zentrum hin, ansteigen wird. Ein Nord-Süd verlaufendes Gräbchensystem teilt die Fläche in zwei Bereiche: der östliche ist interessanterweise grubenfrei, gleichwohl im Süden dichte Pfostenstellungen und Grubenverfärbungen eine Mehrperiodigkeit erkennen lassen. Die Gruben lassen sich in flachere Vorratsgruben, Erdkeller und Brunnen mit hölzernen Einbauten unterteilen. Einen Einblick in Aspekte des wirtschaftlichen Lebens erlauben die im äußersten Südosten der Grabungsfläche aufgedeckten basalen Reste eines eingetieften Ofens mit horizontal liegendem Schürkanal und vorgelagerter Feuerungsmulde, von dem nicht ausgeschlossen werden kann, daß er der Herstellung von Keramik diente. Überreste einer Kuppel haben sich in Form von massiven verbrannten Lehmbrocken erhalten. Das Fundgut spricht für eine Verfüllung mit Abfallmaterial aus der Umgebung.

Unter den Funden der Kampagne 1996 sind vor allem drei Stempel zur Herstellung von Münzen hervorzuheben. Die beiden rundstabigen Stempel aus Eisen zeigen jeweils ein negatives Münzbild. Nach einer ersten Autopsie durch B. Ziegaus, Prähistorische Staatssammlung, diente einer zur Prägung von Vierundzwanzigstelstateren aus Gold (Typ Manching) , der andere zur Prägung von Kleinsilber mit Kreuzmotiv.

Ungewöhnlich ist der dritte Stempel aus Bronze. Die Bildseite zeigt im Positiv einen stilisierten Kopf, wie er uns auf den Vorderseiten silberner Kreuzquinare des Typs Schönaich begegnet. Bei diesem Bronzestempel handelt es sich nicht um einen Prägestempel, sondern um die gegossene Patrize aus Buntmetall, mit der das Münzbild auf mehrere Eisenstempel (Matrizen) übertragen werden konnte. Bei diesem Vorgang, der wahrscheinlich durch Einschlagen in rotglühendes Eisen erfolgte, dürfte unser Stempelschaft zerbrochen sein.

Weitere Funde, die mit der Münzherstellung in Verbindung gebracht werden können, sind Teile von zwei bronzenen Feinwaagen, die man zur Überprüfung des Gewichts der Münzrohlinge oder zur Qualitätskontrolle von Münzen verwenden konnte.

Die Fundlage der Stempel, der Feinwaagen sowie eines Halbfabrikats aus Bronze in der Verfüllung des Süd-Nord ziehenden Grabensystems und in Gruben im Umfeld des Grubenhauses gibt einen möglichen Hinweis auf die Prägestätte.

Wie üblich kamen auch in dieser Grabungskampagne Tierknochen und Keramik in großen Mengen zutage. Das Spektrum der Fibel- und Glasfunde reicht von der Stufe Latene CI - mit wenigen Funden belegt - bis in den Horizont der Nauheimer Fibel (DIa).

Funde, die einen gehobenen Lebensstandard kennzeichnen (Spiegel, Sporen, Campana, qualitätvolle bemalte Keramik), scheinen sich in der Südwest-Ecke der Grabungsfläche zu konzentrieren, während sich im Südost-Teil handwerkliche Aktivitäten abzeichnen (Münzprägung, Relikte eines Steinhauers, Reste eines Ofens) . Die Grabungen der kommenden Jahre werden hoffentlich zur Klärung funktionaler Fragen beitragen. Dies gilt auch für den West-Ost verlaufenden Graben, der eine Grenze nach Norden hin darstellt.
Der Teilskelettfund, zahlreiche weitere Menschenknochen sowie die Deponierung von Teilen eines Pferdes zusammen mit einem vollständig erhaltenen Gefäß auf der Sohle eines Brunnens werfen schließlich ein Schlaglicht auf kultische Riten, für die es in Manching besonders vielfältige Belege gibt.
Die Fläche wird 1997 zum Rand der "Dürre Au" im Norden und nach Osten hin erweitert.

C.-M. Hüssen, M. Leicht und S. Sievers. 1996.
Bearbeitung: Kurt Scheuerer


Siehe auch:


Impressum - Nachricht hinterlassen: Kurt Scheuerer, D 85049 Ingolstadt
Zur Auswahl Archäologie
Zur Hauptauswahl Kurt Scheuerer