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Kurt Scheuerer:
Die Legende der heiligen Katharina von Alexandrien

 
Foto: Kurt Scheuerer
Die Hl. Katharina zählt zu den 14 Nothelfern. Ihr Jahrestag ist der 25. November, ihre Symbole ein zerbrochenes Rad und ein Schwert. Sie gilt als die Patronin der Wagner, Müller, Jungfrauen, Mädchen, Studenten, Schüler, Bibliothekare und der Gelehrten.
Mit dem Katharinentag beginnt die Zeit des Advents, für die früher ein striktes Tanzverbot bestand: »Sankt Kathrein stellt den Tanz ein.«
Die meisten Wetterregeln beziehen sich auf diesen Aspekt: »Kathrein lässt den Winter ein.« (nach: Konrad Held, Eichstätt)

Glasbild der Artistenfakultät der bayerischen Landesuniversität im Stadtmuseum Ingolstadt. Foto: Kurt Scheuerer.

Aus historischer Sicht ist eine Märtyrerin Katharina nicht nachweisbar.
Nach der Legende soll sie als junge und gebildete christliche Frau während einer Christenverfolgung - wohl des römischen Kaisers Maximinus (305-313) - in einem Glaubens-Disput fünfzig Philosophen widerstanden haben. Daraufhin habe sie der Kaiser rädern und enthaupten lassen.

Ihr Leichnam soll von Engeln zum Berg Sinai gebracht worden sein. Dort entstand Mitte des 6. Jhs ein Katharinenkloster.
Disput und Tod der Katharina sollen sich etwa 310 n.Chr. in Alexandrien zugetragen haben. Die Heiligenlegende dürfte wohl zwei Jahrhunderte später am Berg Sinai ihren Ursprung genommen haben. Im Abendland verbreitete sich ihre Verehrung schnell im 11. und 12. Jahrhundert.

Die Legende der Katharina hat durchaus Anklänge mit derjenigen der Hypátia, einer neuplatonischen Philosophin in Alexandrien. Diese war Lehrerin des Bischofs Synesios und wurde 415 vom christlichen Pöbel, wohl wegen eines Konflikts mit dem hl. Kyrillos, ermordet.

Beide waren gelehrte Frauen, beide wurden wegen ihres Glaubens in Alexandrien angeblich zerstückelt, Katharina durch ein mit Spitzen versehenes Rad, Hypatia mit Glasscherben.
Denkbar, dass sich Generationen später im Kloster Sinai das Geschehnis um Hypatia mit den Berichten über die noch weiter zurückliegenden Christenverfolgungen vermischte und mit einer Umkehrung der Verhältnisse unbewusst das Bedrückende der christlichen Heidenverfolgungen aufgehoben werden sollte. (KS)


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