Homepage Kurt Scheuerer - Region Ingolstadt
Quellen und Felsen
- magische Orte im Wald?

Exkursion des Stadtmuseums Ingolstadt am Sonntag, 29.08.99, 9 bis 14 Uhr
Organisation Kurt Scheuerer

Kraft-Orte rund um Nassenfels
Esoterik und Geologie

Aufsprudelnde Quellen mitten im Sumpf,
Näpfchensteine im dichten Wald,
hochstrebende Monolithen auf einem Hügel:

Magische Orte für den Kontakt zur Anderswelt?
Heilige Stätten für Christen und Neuheiden?

Auch das Unbegreifliche findet verständliche geologische Erklärungen.

Dieser Ausflug wird gemeinsam mit der Gesellschaft für Archäologie in Bayern durchgeführt.
Ort: Stadtmuseum; Treffpunkt: Museumskasse; Unkostenbeitrag 5 DM, Kinder bis 15 Jahre frei;
Beginn: 9.00 Uhr, Dauer: ca. 5 Stunden.
Um Voranmeldung unter der Tel.Nr. 0841/305-1880 oder 0841/305-1885 wird gebeten.
Auskunft unter 0841 1468 oder 0171 4546159
Gefahren wird mit den eigenen Autos der Teilnehmer.


Lechner-Plastik. Foto: Kurt Scheuerer
Was ist ein Kraft-Ort?

Wir beginnen unseren Ausflug vor dem Stadtmuseum
Ingolstadt. Dort befindet sich mitten in der Wiese eine
Plastik des Bildhauers Alf Lechner. Sie stellt einen Kreis
mit zwei Tangenten aus Edelstahl dar.

Nun nehmen wir eine beliebige Person unserer Wahl
(niemand darf jedoch dazu gezwungen werden!)
und gehen mit ihr Hand in Hand durch den Ring hindurch.
Nun wissen wir, was ein "Kraft-Ort" ist.


Die Karst-Quellen am Jurarand

Nassenfels, Schloss-Teich. Foto: Welker.

Nun fahren wir nach Nassenfels.
Im Schuttertal sehen wir schon von weitem das Schloss,
welches im 13. Jh. vom Bischof von Eichstätt auf einem
ausgedehnten, im Sumpfland gelegenen Felsen erbaut
wurde. Das Schloss wird seit den Grabungen von 1982
wieder privat bewohnt und ist daher möglicherweise
versperrt.
Links vor dem Haupteingang sehen wir den derzeit algen-
überwucherten Schloss-Teich. Vor einigen Jahren war das
Wasser noch frei und man konnte die von unten aufstei-
genden Wasserströmungen darin sehen.
Nun haben sich die Quellen zum Teil verlagert.
Auf der Rückseite des Schloss-Bereichs entspringt seit
langem unmittelbar neben dem Schuttertal-Entwässerungs-
graben eine kleine Quelle.
Und vor einigen Wochen erst bildeten sich im Keller des neu-renovierten Hauses rechts hinten im Hof erste Wassertropfen an der Kellerwand, seither nimmt dort die Stärke der neuen Quelle zu. Bei den Ausgrabungen war damals festgestellt worden, dass sich genau an dieser Stelle außerhalb des Kellers eine versinterte Mittelalterschicht auf dem Stein befand.
Das Tiefenwasser aus den Karst-Schichten steht unter Druck und steigt innerhalb der Klüfte des Massenkalk-Gesteins hoch.
Siehe auch: Geologische Animation zur Entstehung dieser Quellen.


Quellen als Stätten der Begegnung

Mitten im ausgedehnten Sumpfland liegt dieser, frisches Quellwasser führende "nasse Stein".
Und dieses sicherlich auch schon zur Zeit der Neandertaler, die diesen Ort bereits als Lagerplatz genutzt hatten. Ebenso lebten hier auch Jäger und Fischer der waldreichen nacheiszeitlichen Periode des Mesolithikums und die frühen Bauern der Bandkeramik.
Dass Quellen als Treffpunkt der Menschen und als Ort des Zusammenseins dienen, zeigt auch das chinesische Schriftzeichen für Quelle oder Brunnen #, welches wohl von der rechteckigen Einfassung durch vier Balken abgeleitet ist. Es hat auch die Bedeutung des miteinander Sprechens, der sozialen Zusammenkunft.
Hierzu gibt es auch vielfältige Beispiele aus der Bibel.


Quellen als Stätten der Weisheit

Ein Kraft-Ort ist ein Ort, dem wir auf Grund unserer Erfahrung, Erziehung, Kultur oder auch Religion eine besondere Bedeutung beimessen. Wohl schon immer galten Quellen als solche Orte.
Das lebenspendende Wasser steigt aus unbekannten Tiefen empor, in der Antike ein Symbol für die Fürsorge, welche die jenseitigen Mächte uns Menschen zukommen lassen.
Im vorgeschichtlichen Europa sind Quellen oft von Quellnymphen oder Nixen bewohnt. Diese sind den Menschen durchwegs freundlich gesonnen und zeigen sich ihnen gelegentlich. Durch ihr hohes Alter besitzen sie große Weisheit. Manche verfügen über die Fähigkeit, zukünftige Dinge zu sehen (Hagen am Brunnen von Ettling), manche gewähren Heilung und Genesung.
Von einigen sind uns ihre Namen überliefert: Seine = Sequana, Altmühl = wohl "Alkmoi" und Schutter = wohl "Scutara".


Von Nassenfels aus fahren wir nun in Richtung Neuburg und biegen dann auf der alten Römerstraße nach Attenfeld ab. Bevor wir in den Ort kommen, sehen wir links die große Lehmgrube von Attenfeld, eine wichtige Fundstelle des Altpaläolithikums.
Im Ort fahren wir an der romanischen Wehrkirche vorbei und folgen dem mit "Willibaldsruh" ausgeschilderten Weg bis zum Waldrand. Nach wenigen Metern zu Fuß sehen wir dann linker Hand bereits die Kapelle stehen.

Karte. 19. Jh.


Quellen als Stätten der Hilfe

Stein an der Willibaldskapelle. Foto: Welker

Die in Privatbesitz befindliche Kapelle wurde im 19. Jh.
zu Ehren des Hl. Willbald, des Gründers des Bistums
Eichstätt, errichtet.
1987, als dessen 1200. Todestag feierlich begangen wurde,
war die Kapelle - jetzt Willibaldsruh genannt - ein Ort
feierlicher Verehrung. Noch im Folgejahr kamen am
Patronatstag, dem 7. Juli, etwa 1000 Pilger dorthin, wobei
auch ein Kind dort getauft wurde.
Um den Stein neben der Kapelle ranken sich verschiedene
Sagen. Zum einen soll sich der Hl. Willibald auf einer
Wanderung dort mit seinem Esel am Wasser erquickt, zum
anderen aber soll sein Pferd durch Hufschlag die Löcher im
Stein - und damit eine nie versiegende Quelle - geschaffen
haben.
Im Attenfelder Forst befinden sich noch weitere solcher Steine, deren Löcher u.a. durch die, durch Laubfall hervorgerufene humose Säure geschaffen wurden.
Siehe auch:
Weitere Beispiele zum Schlagen von Quellen - aus der Bibel und der Ingolstädter Region
Geologische Erklärung der Löcher


Der Hohe Stein

Wir fahren nun zurück und biegen vor Nassenfels links nach Meilenhofen ab. Nach wenigen hundert Metern finden wir auf der Hügelkuppe rechts eine Nebenstraße bergaufwärts. Dieser folgen wir bis zu einem leichten Knick am Waldrand.

Karte. KS.

Dort gehen wir in den Wald hinein und halten uns dann halblinks immer bergaufwärts.
Nach fast einem Kilometer sehen wir links ein von einem Dachs bewohntes Hügelgrab und rechts, gleich dahinter, eine große und tiefe Doline. Hier ist früher einmal ein unterirdischer Hohlraum eingebrochen, was in unserem Kalkgebirge sehr häufig ist.
Wenige hundert Meter weiter kommen wir zu einer Felsgruppe, genannt Hoher Stein.

Mit dem Ende der Jurazeit war das Meer verschwunden, das Kalkgestein war in der unteren Kreidezeit der starken Verwitterung des Landklimas ausgesetzt. Es bildeten sich in einer Karstlandschaft vor 140 bis 100 Millionen Jahren viele Spalten, in welche dann Sedimante von Flüssen eingeschwemmt wurden, z.T. vom Bayerischen Wald, z.T. von Keupergebieten im Norden. Diese Sedimente verfestigten sich und bildeten den heutigen Quarzit aus.
Mit fortschreitender Verwitterung verschwand der umschließende Jurakalk, nur die widerstandsfähigeren Quarzite blieben als sogenannte Härtlinge stehen (selektive Verwitterung).
Auf unseren Hügelrücken befinden sich noch weitere derartige Felsbildungen aus Kreidequarzit.


Monolithen als Stätten der Verehrung?

Stonehenge, Südengland
Wir wissen nicht viel über Stonehenge.
Die Steine wurden wohl im frühen dritten
Jahrtausend v.Chr. gesetzt.
Ihre mögliche Bedeutung gab zu vielen
Spekulationen Anlass. Vermutlich war es
ein Ort der Zusammenkunft mit einer Zeitanzeige für die Mittsommer-Sonnenwende. Ob und wie dieser Tag dann feierlich begangen wurde und ob das mit religösen Zeremonien einher ging, entzieht sich unserer Kenntniss. In letzter Zeit wird auch über eine mögliche Überdachung spekuliert.


Durchgänge zum Jenseits

Hoher Stein. Foto: Welker.
Nach heutigem Empfinden könnte man sich durchaus
vorstellen, dass solche markanten Landschaftspunkte
eine vermittelnde Funktion zu den Mächten der jenseitigen
Welt (Anderswelt, wie sie im keltischen Britannien genannt
wurde) gehabt haben könnten. Auch das leicht zu durch-
schreitende große Loch, welches durch den oben natürlich
eingekeilten Stein gebildet wird, erinnert an spätere
Schlupfsteine in christlichen Kirchen.
Es gibt allerdings bisher keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass
es sich bei dem Hohen Stein um eine irgendwie geartete
vorgeschichtliche religöse Stelle handelt.
Dass dieses von einigen Bewohnern der Gegend heute
doch angenommen wird, ist nach deren Aussage auf die
in der Nähe liegende Viereckschanze der keltischen Latènezeit (um 100 v.Chr.) zurück zu führen.
Diese rechteckigen Wall-Anlagen hatten in Bayern wohl teilweise religösen Charakter, in Südwestdeutschland dagegen scheinen sie eher als Bauernhöfe genutzt worden zu sein.

Quellen, Höhlen und Löcher sind in der Bronzezeit im 2. Jahrtausend v.Chr. oftmals als Opferplätze genutzt worden. Sie stellten, wie auch Beispiele aus der griechischen und keltischen Mythologie zeigen, Zugänge zur "Anderswelt" dar.
Dass dieser Platz in seiner Stille und Naturschönheit den Besucher in einer besonderen Weise anrührt, ist erkennbar. Und in dieser Beziehung stellt er - ganz im Sinne des Eingangsbeispiels - einen Kraft-Ort dar.

Kurt Scheuerer, 1999



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