Bürgerinitiative zur Kontrolle der GSB e.V. Sonderausgabe 1/2003
Umweltgifte - Wieviel ist genug?
"Dioxine" und "Furane" sind Sammelbegriffe, die eine ganze Anzahl untereinander ähnlicher Verbindungen wie Chlor, Brom, Fluor (=> Halogene) oder auch Stickstoff bzw. Stickstoffverbindungen enthalten.
Eine der Hauptquellen für Dioxine/Furane sind die Luft-Emissionen bei der Müll- und Sondermüllverbrennung.
Alle Dioxine und Furane werden als mehr oder weniger giftig, auch krebsauslösend, keim- oder erbgutschädigend eingeschätzt. Das bekannteste und am besten erforschte Dioxin ist das berüchtigte Sevesogift. Es ist krebserregend und erzeugt wie die anderen Substanzen der Gruppe eine Reihe von Krankheiten (Übelkeit und Atemreizungen bis hin zur Blutbildschädigung).
In der Dioxin-Studie der EPA (amerikanische Umweltbehörde) wird vorgeschlagen, Dioxine und Furane als " krebserregend für Menschen" einzustufen. Entwicklungsstörungen, Effekte auf das Immunsystem und auf die Reproduktion (Unfruchtbarkeit, Zeugungsunfähigkeit) treten nach deren Erkenntnissen bereits bei sehr viel geringeren Konzentrationen ein, als bisher vermutet. Da sie die Zellmembran stören, erleichtern sie anderen Giften den Angriff.
Menschen - am Ende der Nahrungskette - reichern Dioxine und Furane vor allem durch Lebensmittel, Milch (-produkte), Fische, Salate oder Fette an. Gespeichert werden sie hauptsächlich im Fettgewebe. Besonders gefährdet sind Säuglinge, da sie die Gifte mit der Muttermilch aufnehmen.
Symptome und Folgen einer chronischen Vergiftung durch Dioxine und Furane:
Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hirnstoffwechselstörungen (z.B. Nervenschäden, Depressionen), Immunschäden, Schilddrüsenfunktionsstörungen.
Langzeitfolgen: Krebserkrankungen der Weichteile, Lymphome, Sarkome, Arteriosklerose.
Die krebserregende Wirkung von Dioxinen ist nicht von der Hand zu weisen. Bereits kleinste Konzentrationen können Körperzellen verändern und damit langfristig - über 20 bis 25 Jahre -Krebs auslösen.
Quelle: "Vergiften wir unsere Kinder" Eine Reportage von Ammermann/Witzke
"Gifte im Alltag" von Max Daunderer
Aus gehabtem Schaden nichts gelernt
Nichts beschreibt treffender die derzeitige Situation bei der GSB als dieser Textteil aus einem alten Schlager.
Genau wie 1999 dachte auch diesmal niemand auch nur im Traum daran, die von einer dreifachen Dioxinüberschreitung betroffenen Ofenlinie 2 sofort bis zur Klärung der Schadensursache abzuschalten.Wieder dauerte es erst einmal Wochen, bis das Ergebnis überhaupt vorlag und wieder versucht man so wie damalsgeplant , nach dem Sauberfahren der Anlage mit Heizöl durch ein neues „gutes" Messergebnis vom eigentlichen Problem abzulenken.
Chronologie eines zweiten Dioxinskandals
Vom 2. bis zum 5. 12.2002 wurden Dioxinmessungen durchgeführt. Erst am14.01.2003 lagen diese offensichtlich aus der Sicht der GSB nicht sonderlich eiligen Messergebnisse vor und ergaben bei der Linie 2 eine Überschreitung um das dreifache (0,3 ng)des Grenzwerts von 0,1 ng am ersten Tag der Messung. Der Wert am zweiten Tag von 0,11ng wurde von der GSB bereits als Nichtüberschreitung (wegen der zul. Messtoleranz) bejubelt.Der dritte Wert lag mit 0,034ng wieder unter dem Grenzwert
Die Propagandaabteilung der GSB leidet offensichtlich unter Gedächtnischwund und verbreitet umgehend eine Pressemitteilung mit der Überschrift:
Dioxinmessungen zeigen
erstmals Überschreitung
Die „kleine Panne" aus dem Jahr 1999 bei der VA 1 hat bei der GSB ganz
offensichtlich keine nennenswerten Eindrücke hinterlassen....
Nach einer Intervention des 1. Vors.der BI erklärt man (hinter)listig, man habe
sich natürlich auf die beiden neuen Ofenlinien bezogen.Die Vermutung, man habe
sich einfach auf das schlichte Gemüt der Anwohner verlassen ,ist natürlich
reine Spekulation.
Aller schlechten Dinge sind drei.
Als Ursache für die Überschreitung vermutet man eine Fehlfunktion des
Gewebefilters.10 Tage vor der Messung war die Anlage nach einer Revision wieder
in Betrieb genommen worden.Dabei sei möglicherweise Feuchtigkeit in den Filter
gelangt, was zu Verklumpungen geführt habe.
Anstatt das zu tun, was wohl jeder andere Betrieb gemacht hätte, nämlich eine
Anlage mit dermassen gravierenden Fehlfunktionen erst einmal abzustellen,
kündigt man eine neue Messreihe für den 16.Jan. an, die wegen eines Ausfalls
des Meßinstruments für unverbrannten Kohlenstoff ( C ) auf den Freitag
verschoben werden muß.
Bedauerlicherweise gibt das gleiche Meßinstrument in der Nacht zum 17. zum
zweiten und während des Vormittags zum dritten Mal für Stunden den Geist auf
., was aber diesmal niemand daran hindert, gegen 13:00 Uhr den
Meßzyklus fortzuführen, die deshalb an sich wertlose Messung ergibt,wen
wunderts, einen Wert von 0,0006ng .In der Nacht zum 18.01. gibt das
Messinstrument dann endgültig den Geist auf
Mahnwache am 17.Januar
Am 17.01. hielt die Vorstandschaft zusammen mit etwa weiteren 50 Teilnehmern eine spontane Mahnwache wegen der Dioxinüberschreitung vor den Toren der GSB.In zum Teil hitzigen Debatten machte die Geschäftsleitung keinen Hehl daraus, dass sie nicht im geringsten daran denke, wegen des unsicheren Messgeräts den erneuten Dioxinmeßzyklus zu verschieben , geschweige den desolaten Ofen vorerst abzuschalten. Stattdessen gab es für eine um ihre Gesundheit besorgte Bürgerin den „guten" Rat, sie möge doch ganz einfach wegziehen.Das ist Zynismus pur. Den gleichen Rat hat übrigens Frau Staatsekretärin Görlitz, die wie man weiß, für das Ressort Gesundheit tätig ist, einer Bürgerin ebenfalls schon einmal erteilt....
Am 24.01.läuft dann die VA2 noch ein paar Stunden im Müllbetrieb, gegen
10:00 Uhr gibt dann zur Abwechslung der Gewebefilter erneut den Geist auf, was
zum endgültigen Heizölbetrieb führt. Am 24.01. Nachmittag enden zunächst
einmal bei beiden Ofenlinien alle Internetaufzeichnungen der Messwerte
(Stand:26.01).
Verständnis für diese unverantwortliche Untätigkeit kann man wohl von der
Bevölkerung um die GSB nicht verlangen.
Dioxinüberschreitungen
für BI keine Überraschung
Seit Jahren verfolgt die Bürgerinitiative die Messungen in den Graskulturen rund um die GSB mit Sorge. Insbesondere ist am Meßpunkt 1, der nach den Ausbreitungsberechnungen ausschließlich durch die Schornsteine der GSB beeinflusst wird, seit Jahren ein erhöhter Dioxineintrag beobachtet worden. Dabei handelt es sich nicht um Peanuts, sondern es wurde jeweils der Futtermittelgrenzwert für Dioxine der Europäischen Union überschritten. Nachdem aber an den Kaminen der GSB immer sagenhaft niedrige Dioxinkonzentrationen gemessen wurden, lag ein Erklärungsbedarf für diese unerklärlich erhöhten Werte vor, die Anlass zur Vermutung geben, dass die GSB mehr Dioxin ausstößt, als die Messwerte zeigen.
Wer das Geschehen schon länger verfolgt, dem kommt das alles ohnehin sattsam bekannt vor. War doch auch zu Zeiten des alten GSB-Ofens die Diskrepanz zwischen exorbitant hohen Bodenwerten (12,5 ng/kg) und sagenhaft niedrigen Kaminwerten zunächst nicht erklärlich. Das Ende vom Lied war schließlich, dass doch ein erhöhter Dioxinausstoß am alten Ofen bewiesen wurde, und dieser abgeschaltet werden musste.
Dieselbe Diskrepanz, nämlich sagenhaft niedrige Werte am Kamin (Emission) und hohe Werte am Aufschlagspunkt Graskultur (Immission), haben wir jetzt bei den neuen Öfen auch. Die möglichen Ursachen sind derzeit leider wieder einmal ein Rätsel , welches dringend der Lösung bedarf.
Es stellen sich viele Fragen ,unter anderem diese:?
Der erhöhte Messwert im Ofen 3 wurde in der ersten Woche nach Anfahren der Anlage festgestellt. Sind während der Anfahrphase der Anlage höhere Dioxinwerte vorprogrammiert? Sollte man nicht in dieser kritischen Phase mehr Messungen ansetzen? Interessant wäre natürlich auch eine Messung unmittelbar vor dem Abschalten der Anlage, wenn die Rauchgasreinigung ein knappes Jahr Dauerbetrieb hinter sich hat. Am besten wären natürlich kontinuierliche Messungen
Die GSB-Leitung hat also wieder einmal allerhand zu tun, um verlorenes Vertrauen wieder herzustellen.
Umweltgefahren in Neuburg
Im Industriegebiet Neuburg Grünau sind die Vorplanungen für eine Kunststoffverschwelungsanlage mit einem Durchsatz von 20.000 Tonnen pro Jahr angelaufen. Von der dortigen Bürgerinitiative haben wir erfahren, dass diese Anlage einen Prototyp in Deutschland und wohl in der ganzen Welt darstellt Die Verschwelung (Pyrolyse) von Schadstoffen hätte bestechende Vorteile. Durch die Behandlung der Schadstoffe unter Luftausschluß, hohem Druck und Temperaturen um 600° könnte man wertvolle Energie aus den Abfällen herausholen. Zurück bliebe ein Gas, das man in die Erdgasversorgung einspeisen und Koks, den man für Verbrennung oder als Aktivkohle einsetzen könnte.
1. Leider hat diese Angelegenheit einen großen Haken. Und der besteht darin, dass die Schadstoffe (Schwermetalle, Chlor, Flour, Dioxine und Furane) durch diesen Prozess ja nicht zerstört und auch nicht ausgefiltert werden würden, d.h. die Schadstoffe bleiben im Koks und im Gas zurück.
2. Die Anlage läuft unter hohem Druck, d.h. es sind Undichtigkeitsprobleme vorprogrammiert. Die Temperaturen zusammen mit Verunreinigungen in den Leitungen würden die Neubildung von Dioxinen begünstigen.
Die Bürgerinitiative wendet sich vehement gegen eine weitere Belastung unserer Region mit einer völlig unausgegorenen Anlage, die mit an Sicherheit zu einer weiteren Verseuchung unseres Donautales mit giftigen Bestandteilen führen wird. Wir haben der Bürgerinitiative in Neuburg unsere volle Unterstützung im Kampf gegen die Ansiedlung dieser Anlage zugesagt und bereits durch Vortragstätigkeit und beratende Tätigkeit geholfen.
Besuchen Sie die Seite der Bürgerinitiative BI
ND http://www.bi-nd.de
Zu guter Letzt möchte ich mich auf diesem Wege für alle Genesungswünsche anlässlich meines Unfalls recht herzlich bedanken
Helmut Stabhuber
Zu schlechter Letzt:
Wie begründet die Befürchtungen der BI wegen einer drohenden Privatisierung nach wie vor sind, macht eine Äußerung des bayrischen Finanzministers vom 18.03.03 vor dem Haushaltsauschuß deutlich :
" Ich bedauere heute, dass wir die GSB nicht ganz verkauft haben "
Denn was nicht ist, kann ja noch werden....
Dankenswerterweise hat Frau Staatssekretärin Erika Görlitz in einen Brief an den Minister deutliche Worte gefunden und erklärt, dass diese Äußerung bei der Bevölkerung und auch bei ihr selber auf völliges Unverständnis stößt. Darüberhinaus bekräftigt sie die Forderung, dass sich der Freistaat sich nicht aus der Verantwortung zurückzieht und erinnert an die Resolution der Mandatsträger des Landkreises ,wonach die Staatsbeteiligung nicht aufgegeben werden dürfe.