Bürgerinitative zur Kontrolle der GSB

Sondermüll


Was ist Sondermüll?

Sondermüll besteht in erster Linie aus den Produkten und Produktionen der chemischen Industrie, der sog. Chlorchemie. Seit den 30er Jahren werden immer mehr Kunststoffe und chemische Verbindungen in der Welt erzeugt. Derzeit kommen pro Jahr ca. 10.000 (Prof.Scholz) neue, völlig ungeprüfte Verbindungen hinzu. In amerikanischen Seen kann man im Sediment seit 1930 ständig steigende Dioxinniederschläge feststellen. Beispiele für Sondermüll sind etwa Getriebeöle mit Schwermetallzusätzen, blausäurehaltige Autositzpolster, Batterien, Abfallprodukte der chem. Industrie, Lacke, Säuren, Laugen und dergleichen mehr. Dr. Decker, der technische Geschäftsführer der GSB hat bezeichnenderweise erklärt: Sondermüll ist alles, was wegen chemischer Beschaffenheit, unklarer Zusammensetzung oder wegen zu großer Menge nicht in der Hausmüllverbrennungsanlage verbrannt werden kann. So ist ein halber Liter Lösungsmittel Hausmüll, zwei Tonnen Lösungsmittel Sondermüll. Der Anteil in den Häusern privat produzierten Sondermülls ist außerordentlich gering, wird aber immer hochgespielt, um in jedem von uns ein schlechtes Gewissen zu erzeugen und die Akzeptanz von Sondermüllverbrennungsanlagen zu erhöhen.

Wie im Hausmüll auch, steckt im Sondermüll ein riesiges Vermeidungspotential. Ein Beispiel: In der PVC-Herstellung sind jahrzehntelang riesige Mengen an Dünnsäuren angefallen. Diese Dünnsäuren wurden in der Nordsee verklappt, d.h. einfach von Schiffen aus ins Wasser gelassen. Nachdem die Heringe in der Nordsee ausgestorben waren und an den Seehunden krankhafte Veränderungen festgestellt wurden, wurde die Dünnsäureverklappung verboten. Dies führte dazu, daß die chemische Industrie in kürzester Zeit ein Verfahren entwickelte, diese Dünnsäuren zu recyclen und wieder in der Herstellung von PVC einzusetzen.

Das größte Vermeidungspotential liegt aber darin, daß man PVC-haltige Bodenbeläge, Folien und Kunststoffe insgesamt vermeidet, und daß sie der Verbraucher nicht akzeptiert. So sind z.B. Holz, Linoleum und Kork als Fußbodenbeläge genauso strapazierfähig, genauso gut und auch nicht teurer als PVC, d.h., durch entsprechendes Verbraucherverhalten kann man die negativen Auswirkungen der PVC-Chemie weiterhin vermindern.

Wie gefährlich ist Sondermüll und die Sondermüllverbrennung?

Produkte aus der Chlorchemie sind uns allen bekannte und von uns allen verwendete Kunststoffe, die außerordentlich beständig sind und wenig mit er Umwelt reagieren. Ausnahme dafür sind Produkte, die mit sogenannten Weichmachern versetzt sind. Die Weichmacher sind flüchtige Substanzen die z. B. in Folien oder in Fahrradgriffen, in Bodenbelägen enthalten sind. Sie sorgen dafür, daß der Kunststoff elastisch und beweglich ist, gehen aber mit der Zeit in die Umgebung. Jeder hat schon die Erfahrung gemacht, daß ein Kunststoff der vorher besonders weich war, hinterher spröde war und zersprang. Man muß also davon ausgehen, daß ein Kunststoff, je weicher er ist (z.B. Deckel von Frischhaltedosen) um so mehr Schadstoffe an die Umgebung (z.B. unsere Wurst) abgibt. Gefährlich werden die Produkte der Chlorchemie erst, wenn sie aus ihren stabilen molekularen Verbindungen abgespalten werden und in die Atemluft freigegeben werden.

Diese ca. 100 anerkannt krebserregende Stoffe, wie polycyclische Aromaten, Heterocyclen und Chlorbenzole entstehen bei der Sondermüllverbrennung. Vor allem im Abluftkessel entstehen eine riesige Menge völlig unbekannter zusätzlicher Stoffe, die alle nie analysiert und gemessen wurden. Alle diese Stoffe sind anerkannt krebserregend und gesundheitsschädlich und werden in Ebenhausen-Werk freigesetzt. Die Konzentrationen, die in der Abluft einer Verbrennungsanlage akzeptiert werden, sind durch die Technische Anweisung Luft und durch das 17.Bundesimmissionsgesetz geregelt.

Die Bewertungsgrundlage für einen Einzelstoff ist dabei, daß er bei lebenslanger Aufnahme nicht zu einer Erhöhung des Krebsrisikos von mehr als 1 zu 1 Million führen darf, d.h. ein Einzelstoff wird dann in der Abluft als ungefährlich angesehen, wenn er lediglich einen Krebskranken pro 1 Million hervorruft. Natürlich sind alle diese Berechnungen außerordentlich schwammig und ungenau, weil niemand genau sagen kann, wieviel Kadmium beispielsweise in der Atemluft genau einen Krebskranken erzeugt. Es ist ja eine Fülle von verschiedenen Faktoren für die Entstehung von Krebs möglich und wie wir wissen, entsteht nicht ein einzelner krebserregender Stoff, sondern Tausende und aber Tausende von Substanzen, die nicht gemessen werden können und in ihrer Giftigkeit nicht eindeutig eingeschätzt werden können. Als Beispiel mag hier die Messung von Dioxin gelten, wo Hunderte von verschiedenen Dioxinen zusammen gezogen werden, zu dem sog. toxischen Äquivalent für Dioxin. In allen 3 Verbrennungsanlagen in Ebenhausen-Werk überschreitet bei einer Messung im Juli 96 das toxische Äquivalent für Dioxin den zulässigen Grenzwert von 0,1.

Eine Anfrage der Bürgerinitiative beim Umweltministerium, wieso denn dies zulässig sei und wieso da nichts unternommen würde, lautet: Die Werte werden immer nach unten gerundet, d.h. ein Meßwert von 0,144 ist noch akzeptabel, weil er ja sowieso auf 0,1 abgerundet wird. Die Messungen werden also, wie sie sehen, manipuliert und wenn Meßergebnisse herauskommen, die nicht ins Konzept passen, werden sie herunter geredet, oder aber auch nicht bekanntgegeben. Nur durch Zufall kommen wir von der Bürgerinitiative immer wieder auf derartige Ungereimtheiten.


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