Bürgerinitative zur Kontrolle der GSB

Das Wetter und die GSB


Sie werden sich sicher fragen, was hat denn eigentlich das Wetter und die Geographie mit der GSB zu tun?

Um das gemeinsam herauszufinden, machen wir zunächst einen kleinen Ausflug in die geographische Heimatkunde.

Die GSB liegt südlich von Ingolstadt in Ebenhausen-Werk auf ca. 368 m ü. NN im Ingolstädter Becken. Ihre Kamine, soweit sie diesen Namen überhaupt verdienen, sind 28 m niedrig, das macht 396 m.ü.NN. Das Donautal wird im Süden von ca. 400-480 m.ü.NN hohen Moränenhügeln begrenzt. Im Norden steigen die Ausläufer der Fränkischen Alb bis kurz vor dem Altmühltal auf ca 500 m an. Das heißt, die mickrigen Kaminchen der GSB ragen nicht über das Donautal hinaus.

Und da taucht schon die nächste Frage auf: warum hat denn die GSB eigentlich diese kümmerlichen Stumpen? Das kann nur an der überaus "geschickten" Standortwahl liegen. Alleine dafür müßte man den verantwortlichen Planern und Genehmigern ein Denkmal setzen, denn zur

 Verantwortung ziehen kann man diese

  Das Donautal bei Nebel

sogenannten "Experten" sowieso nicht. Leider ist nämlich 3 km östlich der GSB ausgerechnet der Aufsetzpunkt einer der größten Landebahnen Deutschlands. Was wiederum zur Folge hat, dass die Kamine nicht in den Himmel wachsen dürfen. Aber das macht ja nix, denn nur deswegen sind die Filteranlagen der GSB besonders gut ausgefallen (so sprach der damalige Leiter der technischen Geschäftsführung Herr Dipl.Ing. B.Fürmaier anläßlich einer Veranstaltung bei der Jungen Union in Ingolstadt!! Und sinngemäß steht es so auch in einer Festschrift von 1994 der GSB). Herr Dr. Decker, sein Nachfolger, wollte übrigens anläßlich seines ersten Gesprächs mit der BI bei seinem Amtsantritt allen Ernstes mit mir darüber diskutieren, ob die GSB in einem Tal liegt oder nicht.!

Doch nun zurück zur eingangs gestellten Frage. Die Geographie haben wir, bleibt das Wetter. Das wird einfach, denn vom Wetter verstehen wir alle was, oder??. Zunächst ein paar Anmerkungen zum Wind. Die beiden häufigsten Richtungen sind der West-und der Ostwind, hierbei treten auch die höheren Geschwindigkeiten auf. Bei Ostwind ist u.a. die Gemeinde Karlskron besonders stark betroffen.

Aber gerade bei den südlichen und nördlichen Richtungen mit den geringeren Geschwindigkeiten trifft es z.B. bei nördlichen Richtungen die nahegelegenen Orte wie Baar-Ebenhausen u. Reichertshofen. Auch bei Windstille oder schwachen umlaufenden Winden wird durch die Kürze der Kamine die nähere Umgebung stärker betroffen. (Windstille oder schwacher umlaufender Wind z.B. 1961-1965 19,2%)

Da wäre als nächstes der Nebel. Jeder der das Vergnügen hat, hier schon einige Jahrzehnte zu leben, kennt die oft tage und wochenlangen Nebellagen besonders im Herbst. (Im Jahr 1996 z.B. an 28 Tagen Nebel d.h. an 7,4% der Tage des Jahrs). In den Oktobermonaten der Jahre 1961-1965 war im Mittel ca. 15% der Zeit Nebel (Jahresschnitt 5,8%).

Wie kommt es denn nun zu Nebel? Obwohl der Wasserdampfgehalt der Luft nur bei etwas über 0% im Winter bis ca 4% in den Tropen liegt (Mittel 1,3%), ist er von größter Bedeutung für unser Wettergeschehen und zwar u.a. deswegen, weil der maximal mögliche Wassergehalt extrem stark von der Temperatur abhängt. So können z.B. bei +30 Grad höchstens 30 g/m³, bei -30 Grad aber nur noch 0.5 g/m³ Wasserdampf enthalten sein. Wenn nun Luft mit einem bestimmten Wasserdampfgehalt abgekühlt wird z.B. durch nächtliche Ausstrahlung, wird sie irgendwann den Punkt der Sättigung (Taupunkt) erreichen (relative Feuchte 100%). Wird die Luft weiter abgekühlt, kann sie buchstäblich das Wasser nicht mehr halten und muß den Überschuß loswerden. Der überschüssige Wasserdampf kondensiert an kleinen Schwebeteilchen der Luft, den sog. Kondensationskernen und wird als Nebel sichtbar. Stark verunreinigte Luft verstärkt den Vorgang (im Winter Industrieschnee!). In extrem sauberer Luft kondensiert der Wasserdampf erst nach vielfacher Übersättigung an den Ionen der Luft (elektr. gel. Atome, wandernde Teilchen).

Und jetzt kommt die vielzitierte Inversion (Temperaturumkehr) ins Spiel. Normalerweise nimmt die Temperatur der Luft mit zunehmender Höhe ab. Erwärmt sich bodennahe Luft z.B. durch Sonneneinstrahlung, kann sie aufsteigen (Abkühlung um 1 Grad/100m, bis Wolkenbildung durch Kondensation erfolgt, dann nur noch Abkühlung um 0.5 Grad/100m, wegen der freiwerdenden Kondensationswärme). Es findet also ein Luftaustausch statt, weil die nach oben steigende Luft durch nachströmende Luft ersetzt wird. Wenn die Temperatur mit der Höhe nicht ab- sondern zunimmt, kann kein vertikaler Luftaustausch mehr stattfinden. Die Ursachen für so eine Temperaturumkehr sind vielfältig, eine davon ist zum Beispiel die nächtliche Abkühlung bodennaher Luftschichten, was häufig auch zu Nebel führt,der dann das ganze Donautal auffüllt.

Nun sind Inversionen nach der Aussage von Herrn Dr. Decker anläßlich eines Vortrags bei der VHS-Ingolstadt völlig harmlos. Begründung: sie treten sehr häufig, ja beinah täglich auf. Wie recht der Mann hat! (Eine Pistolenkugel an sich ist ja auch harmlos, solange sie sich nicht im Kopf eines Menschen befindet und sei es auch nur für kurze Zeit). Nur wie ist es denn mit den Auswirkungen einer Inversion?? Da schauts dann schon nicht mehr so gut aus. Die nimmermüden Stumpen der GSB blasen nämlich nun ihre ganze Ladung in die nähere Umgebung, zum Leidwesen der dort wohnenden Bevölkerung. Die Inversion wirkt wie ein Deckel auf dem Topf Donautal und verhindert einen Luftaustausch. Wohl nicht ohne Grund haben woanders normale Hausmüllverbrennungsanlagen höhere Kamine als unsere Sondermüllanlage mit 175000 to Kapazität!  Das Kraftwerk Irsching hat zum Beispiel bei einer Höhe der Anlage von 358 m ü.NN eine Kaminhöhe von 205m, das macht 563 m ü.NN, damit ragt er locker über das Donautal hinaus.

Fazit:
Der Standort der GSB ist aus geographischen und meteorologischen Gesichtspunkten eine einzige Katastrophe. Leider läßt sich daran nichts mehr ändern. Um die negativen Auswirkungen auf unsere Bevölkerung wenigstens im erträglichen Rahmen zu halten, bleibt also nur eine rigorose Kapazitätsbeschränkung auf die im Planfeststellungsbescluß aufgeführten 100 000 to im Jahr . Damit könnte man die gigantische und für unsere Bevölkerung so verheerende Fehlentscheidung der Vergangenheit wenigstens etwas mildern.


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