Wie alles begann......
Der für das "Turnen" urgeschichtliche Ausgangspunkt scheint der Tanz als Kultritual gewesen zu sein. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die Rituale zahlreicher Naturvölker auf der ganzen Welt hin zur Darbietung vor Publikum. Der Zuschauer gewann an Bedeutung und damit auch die bewusste Zurschaustellung von "Kunststücken". Der geschichtliche Ausgangspunkt war das Bodenturnen.
Die ältesten Zeugnisse stammen u.a. aus Ägypten und Griechenland. In Abbildungen zeigt sich das turnerische Bewegen durch die Jahrhunderte und Jahrtausende auf Vasenmalereien, Kalksteinscherben und Höhlenzeichnungen in Form von Brücken, Handständen und Überschlägen. Im Altägyptischen hat das Wort hbj die Bedeutung von Tanz und wird auch für die gymnastisch-turnerische Übung der "Brücke" benutzt, die ab 2000 v. Chr. mehrfach dargestellt wird.
Aber auch "Turnübungen" an
Geräten sind zu finden.
Bei den verschiedensten Naturvölkern gibt es jahrhundertealte Zeugnisse von
Turnübungen an Geräten. Die Eskimos drückten Bilder ihrer Kultur in
Elfenbein- und Knochenschnitzereien aus. Auch eine silhouettenartige Darstellung
von Boden- und Reckturnern ist dabei gefunden worden. Sie turnten an einem
rechähnlichen Gerät mit Lederseilen einen Auf- oder Umschwung. Wahrscheinlich im
Tanz ein Tier darstellend wird am Boden ein Kopfstand oder eine Rolle vorwärts
abgebildet.
Auch von Mikronesien, einer Inselgruppe im nordwestlichen Ozean, wird vom Reckturnen berichtet. Auf einer Zeichnung einer alten persischen Gymnastik um 1800 in Zurchana sind Handstände im Raum - als Wandhandstand am Brett, das vom Rücken eines Partners gestützt wird - abgebildet. In Japan malte Hokusai (1770-1849) eine "Reckübung" an einem Bambusstab.
Kinder scheinen sich im freien Bewegungsleben schon immer "turnerisch" bewegt zu haben. Eindrucksvoll bezeugt dies ein Bild von 1556 mit dem Titel "Kinderspiele" vom niederländischen Maler P. Bruegel der Ältere (um 1530-1569), der Kinder u.a. im Kopfstand, Kniehang, bei der rolle und beim Bockspringen malte. Um die gleiche Zeit schrieb der Italiener Archange Tuccarro das erste methodische Bodenturnbuch der Welt.
Die Entwicklung schwieriger akrobatischer Übungen wurde im Mittelalter allmählich zur Domäne von Leuten, die als Berufsakrobaten ihre Kunst und Geschicklichkeit auf Jahrmärkten und an Königshöfen vorführten. Auch J.W. v. Goethe beschreibt in seinem um 1796 erschienenen Werk "Wilhelm Meisters Lehrjahre" im 2. Buch/4. Kapitel mit bewundernden Worten die Künste der Seiltänzer, Springer und Tänzer. Die zunehmend anspruchsvolleren Darbietungen der akrobatischen Gaukler - der ersten "Profiturner" - waren nur über eine zielgerichtete "turnerische" Ausbildung möglich
Voraussetzungen für erfolgreiches Geräteturnen
Geräteturnen wird in allgemeines Turnen und wettkampfbezogenes Turnen unterschieden, wobei sich beides nur in der Art des Trainings unterscheidet.
Im allgemeinen Turnen werden Beweglichkeit, Ausdauer, Kraft und Koordination gefördert.
Beim Wettkampf-Turnen stehen die Gerätetechnik und Akrobatik im Vordergrund, was wiederum Beweglichkeit, Ausdauer, Kraft und Koordination voraussetzt.
Die koordinativen
Fähigkeiten sind nicht angeboren, sie müssen
erlernt, gefestigt und weiterentwickelt
werden.
Zwischen dem
7. und 12. Lebensjahr ist eine
besondere Lernfähigkeit im Bereich der koordinativen
Fähigkeiten gegeben.
Der Grund
dafür ist die in diesem Alter beschleunigte Ausreifung grundlegender Funktionen
des
Zentralnervensystems
sowie der
Analysatoren. Hinzu
kommen biologische Reifungsprozesse im Zusammenhang mit einem starken
Bewegungsbedürfnis.
Die motorischen Grundeigenschaften stehen in wechselseitiger Beziehung zueinander und treten als sportspezifische Anforderung oft in Kombination auf (z.B. Schnellkraft, Schnelligkeitsausdauer etc.) und hängen auch mit koordinativen Aspekten zusammen.
Unter HELFEN wird im allgemeinen ein aktives Unterstützen des Bewegungsablaufes verstanden. Bewegungsunterstützung ist damit ein zielgerichtetes, aktives, eingreifendes Verhalten.
Von BEWEGUNGSBEGLEITUNG wird
gesprochen, wenn die Hände den Bewegungsablauf am Körper begleiten, ohne die
Zielsetzung einer ständigen, aktiven Unterstützung. Ein begleitendes Verhalten
orientiert sich am Prinzip:
SO VIEL WIE NÖTIG - SO WENIG WIE MÖGLICH!
Das SICHERN wird dagegen als ein lediglich abwartendes Verhalten beschrieben, als Bereitschaft zum wirksamen Eingreifen, wenn es zu Problemen bei der Bewegungsrealisierung kommt. Es dient im Ernstfall zum Verhüten von Unfällen.