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Wenn ein Aquarium erst einmal gut im Zimmer steht, und das schon jahrelang, gibt es eigentlich keine Gründe, es abzubauen und wieder neu einzurichten. So dachte ich auch. Dann wurde aber mit der Zeit der Teppichboden in dem Zimmer schlechter, und es nahte der Zeitpunkt, wo der Entschluß zur Renovierung fiel.
Da das Becken, 375 L Typ (1,5 m lang) mit aufgesetztem Lichtkasten und eingebautem Mattenfilter, in meinem Arbeitszimmer auf einem Unterschrank steht, gab es auch keine Diskussion über die Art des neuen Fußbodens: Beckengerecht sollte ein Fliesenboden gelegt werden, der nahezu ideal für den Wasserwechsel war. Doch wie das Ganze durchführen?
Es gab zwei Möglichkeiten:
1. Das Becken stehen lassen und es bis zum Rande des Schranksockels "einfliesen".
Vorteile:2. Das Becken abbauen und den ganzen Raum fliesen, also auch unter dem Unterschrank.
Vorteile:Ein Verschieben des entleerten Beckens einschließlich des Unterschrankes ist aus Gewichtsgründen mit normalen Mitteln nicht durchführbar.
Ich tendierte zur 1. Lösung, wo das Becken stehen bleiben kann. Nachdem ich alles Material für die Erneuerung besorgt hatte (alle handwerklichen Arbeiten werden von mir selbst ausgeführt), sollte es eigentlich losgehen, wenn da nicht immer der Gedanke in meinem Kopf gewesen wäre, ob es nicht besser und "professioneller" sei, den ganzen Boden zu fliesen. Für diesen Fall machte mir die Unterbringung der Fische und Pflanzen Kopfzerbrechen.
Wenn schon die Lösung 2 infrage kam, dann sollten gleichzeitig auch noch diverse andere Arbeiten (Elektroinstallation) mit durchgezogen werden. Das würde die Fertigstellung weiter verzögern, war andererseits aber eine einmalige Chance. Ich hatte einen Zeitbedarf von ca. einer Woche für alle diese Arbeiten eingerechnet. Wohin aber mit den Fischen und Pflanzen in dieser Zeit? Gut, bei den Fischen hätte ich mir eine provisorische Herberge in einer großen Wanne vorstellen können. Was aber mit den Pflanzen? Da ich sehr großen Wert auf ihr (ungestörtes) Wachstum lege und der größte Teil aus sehr lichtbedürftigen roten Pflanzen besteht, stand eine Unterbringung in einem Eimer nicht zur Debatte.
Ich will es kurz machen, ich habe mich letztendlich für Lösung 2 entschieden. Zu klären war jetzt, wie erfolgt die Unterbringung von Fischen und Pflanzen während der Demontagezeit des Beckens.
Bild
1: Fertiger Fliesenboden bis vor den Unterschrank
Das Becken sollte so lange stehen bleiben, bis alle anderen Tätigkeiten im
Zimmer erledigt waren. Das bedeutete, daß der Fußboden bis zur vollen Fliese vor
dem Unterschrank fertig sein mußte, einschließlich der Verfugung (Bild
1). Für die Resttätigkeiten hatte ich eine Zeitspanne von max. einer
Woche eingeplant, ich wollte mich aber nicht unter Druck setzen lassen. Die Lösung
einer Zwischenherberge für Fische und Pflanzen war dann bald gefunden, die
Badewanne mußte herhalten. Damit es bei länger dauernden Restarbeiten
den neuen Bewohnern der Badewanne nicht schlecht gehen sollte, verwandelte ich
die Wanne in ein komplettes Aquarium.
Bild
2: Badewanne mit Folie und Sandboden
Dem Problem mit Seifenrückständen in der Wanne entging ich, indem
ich die Wanne komplett mit einer dicken Folie auslegte. Dann holte ich mir Quarzsand
und baute einen mehreren Zentimeter hohen Bodengrund ein. Die Folie verhinderte
auch, daß Kratzer durch den Sand in der Wanne entstanden, und sie gestattete
später einen leichteren Ausbau des Sandes (Bild 2). Der
weitere Verlauf entsprach dem einer Neueinrichtung eines Beckens. Die Wanne wurde
ca. 1/3 mit dem Original-Aquarium-Wasser gefüllt. Dann wurden nach und nach
die Pflanzen aus dem Becken entnommen, leicht gekürzt und in den Wannen-Bodengrund
gepflanzt. Anschließend konnte die Wanne bis kurz vor den Rand mit Wasser
gefüllt werden.
Bild 3: Bepflanzte Badewanne
Der mit Anubias völlig bewachsene Mattenfilter (unten in Bild
3) wurde in den schrägen Kopfteil der Wanne plaziert, allerdings
wurden ihm keine Filteraufgaben zugedacht. Diese wurden von einem größeren
Topffilter übernommen, den ich schon Tage vorher an einem anderen Becken
eingefahren hatte. Eine geregelte Heizung von 300 Watt wurde ebenfalls installiert.
Bild
4: Fertig eingerichtetes Behelfsaquarium mit Lichtkasten
Dann fing ich alle Fische aus dem Becken heraus und überführte sie schonend in ihr neues Zuhause. Damit aber nicht genug: Ich legte nun 2 Querlatten über die Wanne; darauf kam der Original-Lichtkasten zu liegen (Bild 4). Es traf sich, daß die Länge der bepflanzten Wanne etwa so lang war wie der Lichtkasten. Auch die automatische Steuerung der Beleuchtungszeiten wurde angeschlossen. Und als "Sahnehäubchen" installierte ich ebenfalls die CO2-Versorgung einschließlich Steuerung. Damit wurde die Badewanne zu einem vollwertigen Aquarium zweckentfremdet. Keine Angst, für meine Hygiene war es nicht nötig, den Fischen Gesellschaft zu leisten, es standen diverse Duschen zur Verfügung! Nach diesen Vorbereitungen konnte in kurzer Zeit der Restfußboden unter dem Becken gefliest werden, einschließlich aller notwendigen Zusatzarbeiten. Mit Nachbars Hilfe konnten dann Unterschrank und Becken wieder an die richtige Stelle platziert werden. Nun wurde das Becken gereinigt und der alte Sand gewaschen. Der neue Aufbau des Beckens erfolgte in gewohnter Weise. Interessant war die Beobachtung des Temperaments der Fische bei der erneuten Überführung ins alte Becken. Zum Beispiel verhielten sich Panzerwelse und Otos im Kescher völlig ruhig, dagegen waren die Rotkopfsalmler ein Ausbund von Unruhe. Sie sprangen und zappelten wie verrückt, und ich mußte die Hand über den Kescher halten, um sie vor dem Herausspringen zu bewahren.
Etwas hatte mich an der Filtermatte in letzter Zeit gestört, das wollte ich bei dieser Gelegenheit ändern. Durch den starken Anubias-Bewuchs auf der Beckenseite hatte sich die Matte ganz krumm gebogen, sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Richtung. Abhilfe hätte man mit einem grobmaschigen Sieb (Gitter) hinter der Matte schaffen können. Dies hätte dann als Stützgitter für die Matte gedient. So etwas in V4A-Ausführung stand mir aber nicht zur Verfügung.
Bild
5: V4A-Drähte stabilisieren die Filtermatte
Ich habe mir stattdessen V4A-Schweißelektroden besorgt, das sind ca. 3 mm dicke und 1 m lange Metallstäbe. Die habe ich in ca. 45 cm lange Stücke geschnitten und ein Ende zu einer Spitze angeschliffen. Dann habe ich die Matte auf eine plane Unterlage gelegt und die Stäbe seitlich in ca. 5 cm Abstand in die 5 cm dicke Matte geschoben, so, daß die Stäbe später senkrecht in der wieder eingebauten Matte standen (siehe Bild: 5). Die Drähte sind zum besseren Verständnis noch nicht ganz in die Matte eingeschoben, wie es beim unteren Draht der Fall ist. Da die Originalmatte zum Zeitpunkt der Fotografie nicht zur Verfügung stand, habe ich ein Mattenstück gleicher Qualität und Stärke für die Demonstration benutzt. Quer zur Senkrechten (im Bild nicht zu sehen) habe ich ebenfalls Drähte eingeführt, um eine Durchbiegung in der Horizontalen zu verhindern. Die so durch ein Korsett stabilisierte Matte habe ich wieder eingebaut, was ohne Schwierigkeiten gelang. In der Tat, nachdem das Becken wieder mit Wasser gefüllt ist, steht die Matte annähernd senkrecht und wird durch die Belastung der Pflanzen kaum noch beeinträchtigt. Eine Beeinflussung des Wassers durch die Metallelektroden ist nicht zu erwarten. Es sind die gleichen Elektroden, die auch beim Edelstahlbehälterbau für die Nahrungsmittelindustrie verwendet werden.