Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Antike
 
Amun-Tempel, Widderallee. Foto: D. Wildung Die Stadt Amun-Tempel, Widderallee. Foto: D. Wildung
in der Steppe
 
Grabungen des Ägyptischen Museums Berlin im Sudan

 
Eine Sonderausstellung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
im Stadtmuseum Ingolstadt
9. April - 18. Juli 1999


Aktive Beteiligung an der archäologischen Feldforschung hat beim Ägyptischen Museum Berlin eine lange Tradition. Die Ägypten-Sudan-Expedition von Richard Lepsius 1842-1845 und die Grabungen von Ludwig Borchardt bei den Pyramiden von Abusir und in Amarna, gipfelnd im Fund der Nofretete-Büste, sind Sternstunden der Ägypten-Forschung.

An diese Tradition knüpft das neue Projekt des Ägyptischen Museums an. Es hat sich die Freilegung einer antiken Stadt zum Ziel gesetzt, die um 300 v. Chr. in der Wüste nordöstlich von Khartum im Sudan gegründet wurde und mehr als ein halbes Jahrtausend bestanden hat. Diese Stadt Naga ist seit der Antike unberührt geblieben.

Die Berliner Expedition, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), arbeitet seit 1994 alljährlich von Januar bis März im Sudan. Neben einer kartographischen Aufnahme des Stadtgebietes als Vorstufe für spätere Ausgrabungen konzentriert sich das Projekt auf die Freilegung und Dokumentation von zwei Tempelanlagen.

Der Löwentempel, von König Natakamani, Herrscher des Reiches von Meroe, erbaut, der ein Zeitgenosse des römischen Kaisers Augustus war, ist ausgegraben und architektonisch erfaßt worden. Dabei kamen Inschriften in der noch nicht entschlüsselten meroitischen Sprache zum Vorschein, außerdem Fayence-Fliesen von der Wandverkleidung.

Die aktuelle Arbeit gilt dem Amun-Tempel, der wichtigsten Anlage der Stadt Naga. Auch dieser Tempel wurde von König Natakamani um 10 v. Chr. - 15 n. Chr. erbaut. Die Berliner Expedition hat die Allee aus zwölf Widderstatuen wieder aufgebaut, die unter dem Wüstensand vergraben war. Von den Königsfiguren des Natakamani, die vor den Widderstatuen standen, sind mehrere Exemplare im Tempelareal wiedergefunden worden.

Natakamani, Sandstein.
Zwei Königsfiguren und die Köpfe von zwei weiteren Statuen des Natak-
amani sind in der Sonderausstellung in Ingolstadt als Leihgaben der suda-
nesischen Altertümerverwaltung zu sehen. Sie bilden den Mittelpunkt einer
Dokumentation über das Berliner Projekt und den Auftakt zu einer Aus-
stellung, die mit Originalen des Ägyptischen Museums Berlin die Geschichte
des antiken Sudan von der römischen Kaiserzeit zurück bis ins Neolithikum
des 5. Jahrtausends v. Chr. nachzeichnet.

Der geographische Hintergrund der Ruinenstätten des Sudan eröffnet sich in der Ausstellung in den
Großfolio-Tafeln aus dem Monumentalwerk von R. Lepsius "Denkmäler aus Ägypten und Äthi-
opien".
Die großen historischen Texte der antiken Geschichte des Sudan, die Stelen Sesostris' III. (1850 v.
Chr.), des Piye (750 v. Chr.) und des Nastasen (350 v. Chr.) sind als Repliken der Originale aus-
gestellt.

Armreif, H. 4,6 cm
Eine terra incognita der Alten Geschichte tritt in dieser Aus-
stellung ans Licht und gewinnt strahlenden Glanz im Gold-
schatz der meroitischen Königin Amanischacheto, der
Vorgängerin des Natakamani. Der Schatzfund aus dem
Besitz des Ägyptischen Museums Berlin steht im Zentrum
der Ausstellung als Bindeglied zwischen der Grabungs-
dokumentation und dem Gang durch die antike Geschichte
dieses afrikanischen Königreiches.

Natakamani, Sandstein, H. ca. 35 cm.
Die Botschaft der Ausstellung ist eindeutig: Eine der Wurzeln der alt-
ägyptischen Kultur liegt in Afrika. Der antike Sudan ist die Brücke zwischen
der Mittelmeerwelt und dem schwarzen Kontinent.
Natakamani, schwarzhäutiger König des Reiches von Meroe, des südlichen
Nachbarn Ägyptens, war Zeitgenosse und Widersacher des römischen
Kaisers Augustus.
Mehrere Statuen dieses antiken afrikanischen Königs sind von einer
Expedition des Ägyptischen Museums Berlin in der Wüstenstadt Naga
ausgegraben worden. Als Leihgaben des Sudan sind sie im Stadtmuseum
Ingolstadt in der Sonderausstellung "Die Stadt in der Steppe" zu sehen.

Natakamani, Sandstein, H. ca. 35 cm. 10 v. Chr. - 15 n. Chr.
Nationalmuseum Khartum, Sudan.


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