Gräber von Meroe. Foto: D. Wildung Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Archäologie
Gräber in Nubien

 

3. und 2. Jahrtausend v.Chr.

Tumulus-Grab der C-Gruppen-Kultur. (nach W. Adams)
In Unternubien entsteht, getragen von einer vermutlich aus den südwestlichen Steppengebieten eingewanderten Bevölkerungsgruppe die sogenannte C-Gruppen-Kultur. Die Träger der Kultur bleiben offenbar in erster Linie in offenen Weilern siedelnde Rinderzüchter.

Die Toten werden als Hocker in Grabgruben bestattet, welche von einem runden Tumulus aus Steinplatten mit Kiesfüllung überdeckt sind. Gelegentlich werden kleine Figuren aus gebranntem Ton (Frauen, Rinder, Schafe) beigegeben.

In Obernubien hat sich dagegen nach 2800 v. Chr. aus einem sehr nahestehenden Kulturhorizont die Kerma-Kultur entwickelt.
Kennzeichnend sind Häuptlingssitze als Zentren des sozialen Lebens, eine zunehmende soziale Differenzierung, die sich u. a. durch Menschenopfer in den Häuptlingsgräbern äußert.

Die Entwicklung gipfelt nach 1750 v. Chr. in der Entwicklung eines Staates mit dem Zentrum Kerma, deren "Fürsten von Kusch" auch Unternubien erobern.
In der Zeit der größten Machtentfaltung entstehen riesige Grabtumuli der Fürsten von bis zu etwa 75 m Durchmesser, in denen dem Toten bis zu 400 Menschen als Begleiter ins Jenseits beigegeben waren.


1. Jahrtausend v.Chr.

Ab 1500 stand Nubien unter ägyptischer Herrschaft. Um 1100 v.Chr. war die nubische Kolonie und ihr Vizekönig noch ein bedeutender innenpolitischer Machtfaktor in Ägypten. Bald danach ist wenigstens Obernubien aufgegeben worden.
Spätestens Anfang des 9.Jh. v.Chr. ist Kurru in der Nähe von Napata Zentrum eines Fürstentums, dessen Träger entweder aus diesem Bereich oder aus dem Raum um Meroë (Sitz der Herrscherfamilie seit spätestens 750 v.Chr.) stammen.
Die Fürsten gehen enge Verbindungen zu den alten ägyptischen Kultzentren ein - Amun von Napata wird Reichsgott - und gewinnen bis etwa 750 v.Chr. die Oberhoheit über den gesamten nubischen Raum.
Gräber von Meroë. Foto: D. Wildung
Die Kultur des Hofes zeigt, gefördert durch Beziehungen zu Oberägypten (Theben), zunehmend ägyptische Züge: das einheimische Tumulusgrab der Fürsten weicht Pyramiden in Anlehnung an die ägyptischen Beamtengräber des Neuen Reiches. Um 750 v.Chr. haben sich ägyptische Bestattungssitten durchgesetzt.


Die Königsgräber in Meroë

Grab-Pyramide von Meroë. Foto: D. Wildung
Die Gräber der Könige des Reiches von Kusch und ihrer nächsten Angehörigen sind seit etwa 800 v.Chr. steilwandige Pyramiden. Die größte rekonstruierbare Höhe betrug etwa 64m.
Errichtet waren sie zumeist aus einer Schale von behauenen Steinen, die eine Schuttfüllung umgab.
Erst gegen Ende des Reiches finden wir Pyramiden mit einem Mantel aus Ziegeln oder unbehauenen Steinen.
Die Flächen des Mantels sind glatt oder haben schwach zurückspringende Steinlagen, die durch Stuckauftrag in glatte Flächen verwandelt wurden. Ein aufwendiger Bautyp ließ die Mantelstufen sichtbar, die Ecken hatten dann aber zumeist eine glatte Kante, im oberen Teil waren die Flächen glatt und die Ecken als Rundstäbe gestaltet. Für späte Pyramiden ist eine Bemalung der Fläche etwa mit einem Fries von Sternen am Sockel nachgewiesen.
Grab-Pyramide der Amanishakheto. Foto: D. Wildung
In die Fläche sind öfters Dekorationen aus Fayenceplatten eingesetzt worden, eine Reihe von Pyramiden haben an der Ostseite unter der Spitze Nischen mit einer Umrahmung wie ein ägyptisches Temelportal.
Hinter einem solchen Fenster, einem Scheinportal, lag bei der Pyramide der Amanishakheto eine kleine Kammer, in der unter einem hölzernen kapellenförmigen Schrein ihr Grabschatz gefunden wurde. Es sollte wahrscheinlich die Wohnstätte der Seele der Toten (ihres Ba) sein.
Auf der Spitze der Pyramiden saß möglicherweise eine Abbildung des Ba in Vogelgestalt mit Menschenkopf oder eine runde Keramikplatte als Sonnenscheibe.

Die ein bis drei unterirdischen Grufträume lagen unter oder vor der Pyramide und waren durch nach der Bestattung verschüttete Treppen zu erreichen.
Als Bestattungsbeigaben sind vereinzelt Menschenopfer nachgewiesen.
An der Ostseite war eine Kultkapelle an die Pyramide angebaut, wie ein ägyptischer Tempel von einem zweitürmigen Pylon abgeschlossen, davor häufiger noch ein Hof mit einem zweiten Pylon oder eine offene Säulenhalle.
Die Reliefdekoration an den Innenwänden zeigt Szenen des Totenkultes, die Pylonfront war wie bei den Tempeln mit den Bildern des triumphierenden Herrschers geschmückt.
In einer Nische an der Westwand der Kapelle war eine Stele oder ein Bild des Toten angebracht, inmitten der Kapelle lag auf einem steinernen Unterbau die Obertafel.

Bearbeitung: KS
nach Texten von Dr. Sylvia Schoske
zur Ausstellung
Naga - Stadt in der Steppe
im Stadtmuseum Ingolstadt 1999


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