- Ein in mehrerer Hinsicht interessanter Weihestein, der vor nicht allzu langer Zeit in Augsburg ausgegraben wurde, überliefert in seiner Inschrift gleich zwei genaue Zeitangaben.
- Reliefs auf den Schmalseiten zeigen die Gottheiten Mars und Viktoria und weisen auf den militärischen Sieg hin, den die Inschrift anspricht.
- DIE VIII VII KAL MAIAR,
- 8 bzw. 7 Tage vor den Kalenden des Mai (24./25. April)
- hatte der raetische Statthalter M. Simplicinius Genialis die Juthungen geschlagen und tausende gefangene Italiker befreit.
- Den Stein setzte er
- III IDUS SEPTEMB IMP D N POSTVMO AVG ET HONORATIANO COS,
- 3 Tage vor den Iden des September unter dem Konsulat des Kaisers Postumus und Honoratianus (11. September 260).
- Auch hier wird die übliche Zeitrechnung nach den Consuln des entsprechenden Jahres verwendet.
Für diese am häufigsten gewählte Methode der Angabe können wir noch einige wenige Beispiele unter den römischen Inschriften aus Bayerns Boden anführen.
- Wenn wir aber nach weiteren Möglichkeiten der Datumsangabe suchen, fällt uns ein Weihealtar aus Untersaal, Lkr. Kelheim, der im Burgmuseum Grünwald ausgestellt ist, auf.
- Dort findet sich die Inschrift D L X K IVN L V.
- Damit begegnet uns ein Datum, das sich auf eine astronomische Erscheinung und auf einen bestimmten Wochentag bezieht.
Warum diese Wahl getroffen wurde, wissen wir nicht, doch können wir annehmen, daß ein bestimmter Sinn dahinter steht.
- Den Weihealtar stiftete Marcus Virius Marcellus, erster Zugführer der ersten Flavischen Reitereinheit mit Beinamen Severiana Alexandriana, zu Ehren des göttlichen Kaiserhauses für die Gottheiten Merkur und Fortuna Redux: am Montag, 10 Tage vor den Kalenden des Iuni, 5 Tage nach Vollmond.
Aus der Konstellation dieser Fakten läßt sich der 23. Mai 231 n.Chr. errechnen.
- Gisela Zahlhaas
- Mitteilungen der
- Freunde der Bayerischen Vor- und Frühgeschichte
- Nr. 93 vom 17.12.1999
- Bearbeitung: Kurt Scheuerer
- Siehe auch:
- Zeitbestimmung, Zeitmessung, Kalender - Von der Vorgeschichte bis zur Neuzeit
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