Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Geschichte in Bayern
Damnatio memoriae
Die Tilgung des Gedenkens in der Neuzeit

 

"Damnatio memoriae" unter Stalin

Erzählt wird beiläufig "die Anekdote von den Abonnenten der Großen Sowjetischen Enzyklopädie, die mittels Rundschreiben einst aufgefordert worden seien, den Eintrag über (den 1953 in Ungnade gefallenen) Berija herauszuschneiden und durch einen beigefügten Artikel über die Beringstraße zu ersetzen."
(Aus einer Besprechung von H. Wallmann, SZ, 8.1.1994, über:
E. Carrère. Kleopatras Nase. Kleine Geschichte der Uchronie. 1993.)



"Damnatio memoriae" in der DDR

Foto: Opitz, Leipzig. Postkarte von Bild und Heimat, Reichenbach.
In der DDR wurde der Name der Stadt Chemnitz in
Karl-Marx-Stadt umgewandelt.
Ein DDR-Lexikon von 1965 verzeichnet unter dem
Schlagwort Chemnitz nur noch lapidar:
"siehe Karl-Marx-Stadt".
Auf einem sehr modern und großzügig gestalteten Platz ist
eine riesige Bronzebüste von Karl Marx aufgestellt worden.
(Homepage der Stadt Chemnitz.)
Nach der Wende kam es sehr schnell zur Rückbenennung in die alte Bezeichnung Chemnitz.


Hierzu ein kleiner E-Mail-Austausch mit einem geborenen Chemnitzer:

Hallo Kurt,

KS: Steht diese Marx-Büste eigentlich noch auf ihrem Platz?

Ja und sie ist die größte Sehenswürdigkeit der Stadt ;-)).
Der "Nischel" wird jetzt sogar nachts angestrahlt und touristisch vermarktet: "Chemtz - Die Stadt mit Köpfchen".

KS: Wie verdrängt war denn der Name Chemnitz innerhalb der Bevölkerung zur DDR-Zeit?

Weiß ich leider nicht so genau, ich gehöre einer Generation an, für die es nur Gor-Morgs-Stoadd war und Chemtz war ganz frieher, vor dem Krieg und alles war finster und dreckig (Ruß-Chamtz) und nun war alles hell und schön ;-)).
Bei älteren, die noch in Chamtz aufgewachsen waren, sah es vielleicht anders aus - zumindest in den ersten Jahren.

In der Stadt selbst hat man sich sehr schnell an den neuen alten Namen gewöhnt nach der Rückbenennung (nach Abstimmung), da er allgegenwärtig war (Zeitungen, Nahverkehr ...).
Aber wenn Du in das weitere Umland fährst, hört man oft noch Gor-Morgs-Stoadd.
Ich hab z.B. 1994 in Reichenbach in Vogtland gearbeitet und die dortigen ABM-er haben mich immer gefragt, ob ich nach Gor-Morgs-Stoadd fahre, wenn ich zu meinen Eltern bin - nicht um mich hochzunehmen, sondern es war einfach so drin.
Nun sind ja aber auch schon wieder 4 Jahre ins Land gegangen.

R.G. 1999



"Damnatio memoriae" in Ingolstadt

Verschiedene Namen eines Platzes:
Von Süden kommend und die Donaubrücke überquerend traf man in Ingolstadt auf den Salzmarkt. Dort wurde das von Reichenhall kommende Salz umgeschlagen und im Salzstadel gelagert.
Foto: Stadtarchiv Ingolstadt Foto: Stadtarchiv Ingolstadt
In Verbindung mit der Errichtung der bayerischen Landesfestung im 19. Jh. wurde der Salzmarkt in Gouvernements-Platz und der NS-Zeit dann in Adolf-Hitler-Platz umbenannt. Diese Benennung wurde selbstverständlich nach der Kapitulation 1945 widerrufen. Seither heißt er Rathausplatz. (Fotos: Stadtarchiv Ingolstadt.)
Siehe auch: Bilder aus der Zeit vorher und nachher.

Kurt Scheuerer, 1999


siehe auch:


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