Logo KS Kurt Scheuerer - Materialsammlung zum Brauchtum
Samonis - Samhain - Halloween
Totenfest - Neujahr - Gespenstertreiben

 
Kürbis. Foto: Kurt Scheuerer
Samhain ist ein alter irischer Volksbrauch, welcher etwa 1840 von Auswanderern, die vor den großen Hüngersnöten flohen, nach Amerika gebracht wurde.
Dort wandelte er sich allmählich zum heutigen Halloween um.
Seit einigen Jahren ist dieser Brauch auch bei uns in Mitteleuropa eingetroffen.


Antike

Mit dem Ende der schönen Oktobertage und dem Einsetzen der Morgennebel endete das keltische Sommerhalbjahr und das Winterhalbjahr mit seinen nun erkennbar kürzeren Tageslängen begann.
Dieser Wechsel der Jahreszeiten steht im Empfinden des Menschen in enger Beziehung zum immerwährenden Kreislauf des Werdens und Vergehens, von Geburt und Tod.
In dieser Zeit ist man für Gedanken an den Tod empfänglicher als sonst. Daher auch das allgemeine Totengedenken seit antiker Zeit. Heute stellt man bei uns Lichter auf die Gräber und hält dort dann Zwiesprache mit den verstorbenen Angehörigen.

Das altkeltische samonis war ehedem Neujahrs- und wohl auch Totenfest.
An samonis besuchte man vermutlich die Gräber der Toten und hielt Zwiesprache mit ihnen. Der Brauch des Grabbesuchs am Jahrestag des Verstorbenen ist uns aus der antiken Welt der Griechen und Römer überliefert.


Neuzeit

Samhain, der Beginn des neuen Jahres, wurde im alten Irland in der Nacht zum 1. November gefeiert. Samhain war aber nicht nur ein Neujahrsfest, sondern auch ein Totenfest. Man konnte mit seinen Lieben in Berührung kommen, denn im Volksglauben hielt man in diesen Tagen die Grenze zwischen den Welten für sehr dünn, man glaubte, unter Umständen zwischen den Welten wechseln zu können, zwischen unserer Welt des Anfassbaren und der Anderswelt der Geister, Feen und Verstorbenen.
Dies wurde wohl auch bildlich dargestellt. Man verkleidete sich als Gespenst mit Rübenkopf (Jack-o-the-lantern), woraus in Amerika dann der Kürbis wurde.

Im Zuge der frühchristlichen Inkulturation wurden wohl, wie in so vielen anderen Fällen auch, diese Bräuche ins mehrtägige Allerseelenfest eingebunden, welches im 9. Jh. in den kirchlichen Kalender Aufnahme fand.
Allerheiligenspitz. Foto: Kurt Scheuerer
Aus dieser Zeit soll auch der Brauch des Erbittens von Seelenkuchen stammen, einem besonderen Gebäck, welches heute noch in Bayern als Allerheiligenspitz in Gebrauch ist. Die armen Leute zogen von Haus zu Haus und versprachen, als Gegenleistung für die Speise, ein Gebet für die armen Seelen des Hauses zu sprechen. Damit konnte deren Fegefeuerzeit abgekürzt werden.

Heute begibt man sich am Vormittag von Allerheiligen auf den Friedhof und besucht die in den Vortagen geschmückten Gräber. Dort spricht man ein Gebet für die Verstorbenen und ehrt sie durch Sprühen mit Weihwasser. Viele Vereine ehren ihre verstorbenen Mitglieder durch Niederlegen eines Kranzes, auch Gemeinden zeichnen auf diese Weise ihre Ehrenbürger aus.

KS/2001

 


Anmerkungen:


 
Dr. Koch, Wien, Oktober 1999:

Halloween-Dekoration. Foto: Kurt Scheuerer
Ich habe soeben eine e-Mail von einem meiner entfernter anverwandten Kids erhalten, in der von "Helloween" die Rede ist. Ich denke mir, das schreibt sich doch nicht so, stürze zum Bücherregal und krame meinen Schul-Langenscheidt von 1961 hervor und finde dort: NICHTS. H*lloween gibts nicht. Na ja, ich mußte noch very british english lernen. So ändern sich offensichtlich die Zeiten. 1961 wurde Halloween auf der kontinentalen Insel "nicht einmal ignoriert" und 40 Jahre später gibt es plötzlich im gesamten deutschsprachigen Raum Halloweenparties en masse.

Wenn ich mir vor Augen halte, wie lange es gedauert hat, bis Krampus, Nikolo und das Christkind zu einem übergewichtigen, rotgesichtigen und hoho rufenden Greis, der durch den 30 x 30 cm breiten Schornstein kriechen soll, mutierten, so dauerte das sicher Jahrzehnte. Halloween gab es in Österreich bis vor ein paar Jahren meiner Ansicht nach nicht (und wie man oben sieht, hat sich auch noch keine einheitliche Schreibweise eingebürgert ;-)

 

Kurt Scheuerer, Ingolstadt, November 2000:

In ein paar Jahren wird sich das Halloweenfeiern hier bei uns auch durchgesetzt haben. Heute sah ich schon einen leuchtenden Kürbis in einem Vorgarten stehen. Sonst waren alle Häuser dunkel.
Moment, draußen läutet es ...
Fünf kleine Gespenster stehen vor der Türe, eine Fackel in der Hand, der Hund bellt wie wild und die Buben sagen: "Süßes oder Streich, Herr Scheuerer!"
Und da steh ich nun und hab nichts für die Buben vorbereitet. Pfui!

 


 
Das irische Fest Samhain ist aus alten irischen Quellen aus christlicher Zeit überliefert. "oidche Samhain" bezeichnet die Nacht zum 1. November (Georges Dottin, Die Welt der Kelten, München-Berlin 1977, S. 85.).
 
Auch Caesar berichtet, dass die Kelten nicht die Tage sondern die Nächte zählten.

Der Tag des Winteranfangs wird auch Samain (irisch savin) genannt. Sagen und Bräuche zeigen, dass man glaubte, "dass die Menschen in diesen Stunden Zugang zur Welt der Geister finden könnten." (Bernhard Maier, Lexikon der keltischen Religion und Kultur, Stuttgart 1994, S. 282.)

 


 
Im Kalender von Coligny in Südostfrankreich, einer bruchstückhaft erhaltenen Bronzetafel aus dem wohl 2. Jh. n.Chr., ist der Tag SAMON(is oder -ios) erwähnt (Georges Dottin, Die Welt der Kelten, München-Berlin 1977, Abb. auf S. 84.), von welchem man wohl annehmen darf, dass er in dem späteren christlich-irischen Samhain weiter bestanden hat (KS).
Dieser Kalender bezieht sich auf die Einbindung der Monate (7 mal 30 und 5 mal 29 = 355 Tage) in das Sonnenjahr, was durch Einfügung eines Schaltmonats von 30 Tagen nach 30 Monaten, also einem zweieinhalbjährigen Zyklus, gelingt. Jeder Monat war in Hälften aus 15 + 15 oder 15 + 14 Tage unterteilt (Bernhard Maier, Lexikon der keltischen Religion und Kultur, Stuttgart 1994, S. 81/82.).

Der Kalender ist in gallischer Sprache geschrieben, allerdings über 200 Jahre nach der römischen Besetzung Galliens (KS).
Er ist angeblich schwer umzurechnen, den genauen Termin von samonis kann man offenbar nicht feststellen. Denkbar wäre an einen Neumond um Anfang November (Diskussion in der Liste der Keltologen der Universität Wien.).

Mit dem eingeschobenen Monat steht er in der Tradition der Griechen: Im Mondjahr mußte von Zeit zu Zeit ein Monat von 30 Tagen eingeschaltet werden. Dies wurde in den Städten Griechenlands verschieden und willkürlich gehandhabt. (Sontheimer, Dr. Walther, Stuttgart. Der Kleine Pauli Bd. 2, S. 1299-1301.)

 
In irischen und walisischen Texte ist oft die Rede von zwei Halbjahren, in Gesetzestexten auch von Vierteljahren (Georges Dottin, Die Welt der Kelten, München-Berlin 1977, S. 85.).

 


 
Die seefahrenden Griechen richteten sich nach der Beobachtung des morgendlichen Sternhimmels und bestimmten damit ihre Jahreszeiten:

Nach Hippokrates geht der Winter vom Frühuntergang der Plejaden bis zur Frühlingsnachtgleiche (4. Nov. bis 26. März), der Frühling bis zum Frühaufgang der Plejaden (20. Mai), der Sommer bis zum Frühaufgang des Arktur (20. Sept.), der Herbst bis wieder zum Frühuntergang der Plejaden (4. Nov.). (Sontheimer, Dr. Walther, Stuttgart. Der Kleine Pauli Bd. 2, S. 1299-1301.)

"Versunken ist der Mond, mit ihm die Plejaden ..." schreibt Sappho, nach 600 v.Chr., um damit wohl auf ihr Leben und - mit Erwähnung des Winters - auf ihr hohes Alter hinzuweisen.

Mit dem Einsetzen des Winterhalbjahres begannen die Stürme, welche die Seefahrt in der Ägäis beendeten. Auch hier also ein jahreszeitlich-klimatisch bedingter Beginn des Winterhalbjahres. So wie es bei uns die Frühnebel und die erkennbar kürzeren Tage sind.
 
"Zeus läßt es regnen,
Furchtbar vom Himmel
Weht des Winters Hauch ..."
(Alkaios, um 600 v.Chr.)

 


 
Zu beachten ist grundsätzlich, dass die irischen Bräuche nicht notwendig auf keltische Bräuche zurückgehen müssen, weil die irischen seit dem 5. Jh. christliche Grundlagen haben. Im 9. Jh. sind in Rom vom Papst die christlichen Feiertage eingeführt worden. Und da war auch Allerheiligen dabei. (KS).
Allerdings nehmen die meisten keltischen Religionswissenschafter heutzutage an, dass das Fest "samonis" nicht nur Neujahr, sondern bereits auch ein Totenfest war, an dem man die Gräber der Verstorbenen besuchte (Diskussion in der Liste der Keltologen der Universität Wien.).

Zu dem von manchen Leuten erwähnten "Totengott" kann ich nur sagen, dass dieser eine Erfindung des 18. Jhs ist. Vermutlich handelt es sich um eine Ableitung aus dem Dis Pater der Römer, der jedoch nicht so ohne weiteres auf keltische Verhältnisse übertragbar ist. Insbesondere ist ein Zusammenhang mit dem hier behandelten Fest reine Spekulation. (KS)

 


 
Gardenstone, 1999:
Das heidnische Deutschland feiert Samhain (sprich: Sauhenn), wo die Gelübde an Götter erneuert werden, wo Essen und Trinken für die herumwandernden Seelen bereit gestellt wird. In der Nacht von Samhain ist der 'Schleier' zwischen der Welt der Lebenden und derjenigen der Verstorbenen so dünn, dass er durchlässig ist.

 


 

Süßigkeiten. Foto: Kurt Scheuerer
Heuer (2001) habe ich eine Schale mit Süßigkeiten bereit gestellt.
Das war sehr nötig, denn es kamen erneut die Gespenster vom Vorjahr und erbaten sich "Süßes".

Das Hundchen hat ihnen aber nichts getan ;-)

 

Gespenster. Foto: Kurt Scheuerer

 


siehe auch:


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