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Weihnachts-Bräuche
in Bayern und Österreich um 1950

 

Advent

Adventskranz 1998. Foto: Evi Scheuerer
Hier in Bayern (erzkatholisch!) hängt man am ersten Advent, das ist der vierte Sonntag vor Heilig Abend, einen Adventskranz auf und zündet die erste seiner vier Kerzen an.
An jedem Advents-Sonntag wird dann eine weitere Kerze angezündet.
Es war dies einmal die stille Zeit des Jahres.
Es gab keine Tanzveranstaltungen und man hat auch gefastet.
Heute ist es die hektische Zeit der Fest- und Geschenk-Vorbereitungen.

Am 6. Dezember kommt der Nikolaus.
Das ist ein Bischof mit einer Bischofsmütze, einem Bischofsstab, einem Buch und einem Sack.
Aus dem Buch liest er vor, was die Kinder angestellt haben, aus dem Sack zieht er die Geschenke:
Äpfel, Nüsse, Lebkuchen und Spielsachen.
Für die Bösen hat er den Krampus dabei, das ist eine Art "Wilder Mann", der schon auf der Straße mit Ketten rasselt. Böse Kinder werden mit der Rute, das sind dünne Birkenzweige, symbolisch geschlagen (leichte Streiche).

Christbaum 1998. Foto: Evi Scheuerer
Am Abend des 24. Dezember kommt das Christkind.
Die Mutter richtet das Zimmer mit dem Christbaum her (er heißt nicht Weihnachtsbaum!).
Dann ertönt ein feines Glöckchen
und das ist das Zeichen, dass das Christkind
da war und die Geschenke gebracht hat.

Andächtig und ehrfürchtig erschaudernd geht nun die Familie ins Weihnachtszimmer.
Nun wird etwas gesungen oder musiziert oder vorgelesen. Dann gibts Punsch und Plätzerl und es werden die Geschenke ausgepackt.

Der Christbaum bleibt bis Heilig Drei König, das ist der 6. Januar, stehen.
Dann muss er abgeräumt werden, denn nun beginnt der Fasching.

So war es in meiner Kindheit um 1950 herum. Und heute machen wir es noch genauso.

Kurt Scheuerer, Ingolstadt, 1998


Nikolaus in Österreich

Am 5. Dezember wird - oder besser gesagt wurde - der Krampus gefeiert (für die Bösen Buben), am 6. Dezember kommt dann der Nikolaus (für die braven Mädchen ;-)
Der eine sieht aus wie der Teufel, der andere hat die Attribute des Heiligen, bereichert um einige malerische Details: Bischofsmütze, Bischofsstab, rieeesengrooßer weißer Rauschebart, der traditionsgemäß nur die Nase und die Augenpartie freigibt, und vor allem die vorwiegend rote Bischofskleidung. Dazu eine würdevolle tiefe Stimme und eine gewisse Leibesfülle, welche auf ein ausgeglichenes Temprament schließen läßt.
Das wichtigste: ein enormer Sack mit Geschenken, einst vor allem Äpfel und Walnüsse, teilweise auch getrocknete Feigen und Aschantinüsse, später dann auch Schokolade, oft in Form kleiner (!) Nikolos (Nikoläuse ;-) und Kramperln (Krampusse).
Letztere wurden später immer größer (bis zu einem halben Kilo Schokolade), die kleineren Spezies erwiesen sich beim Auspacken oft als ehemalige Osterhasen, was einige Verwirrung stiftete, insbesondere was das Ablaufdatum der Schokolade betrifft. Heute verbirgt sich hinter der Stanniolverkleidung (die eigentlich aus Aluminium besteht) der Nikolos und Krampuse häufig eine neutrale drehsymmetrische Schokoladeform, etwa so wie ein übergewichtiger, pyknischer Kegel, wie man ihn vom Bowling her kennt.

Auch die Geschenke haben sich geändert:
Handys (in Italien liebevoll und weniger macho-betont "Telefonino" genannt), die Eltern nervende Nintendospiele (piep, piep ...) und anderes elektronisches Lärmzeugs. Äpfel und Orangen ißt sowieso keiner mehr (schadet den Zähnen wegen der Fruchtsäure und ähnliche faule Ausreden).

Die Geschenke der alten Art wurden nur an die "braven" verteilt, den schlimmen (immer Buben!) erteilte der sich zunächst hinter dem Nikolaus versteckende Krampus mit einer Reisigrute ein paar Schläge auf die "Erziehungsfläche" (sprich Hinterteil, das sich angeblich für pädagogische Erziehungsmaßnahmen der "alten Art" ideal eignet), anschließend gab es als Geschenk statt Äpfel und Nüsse nur ein paar Kohle- oder Koksstücke.
Aufgrund der lautstarken Gemütsäußerung der so Abgeurteilten, erweichte anschließend Nikolaus sein Herz - der böse Bub hatte ja seine Sünden abgebüßt - und gab ihm dann doch noch etwas aus seinem Sack. Das schon in der Bibel erwähnte "Heulen und Zähneknirschen" verwandelte sich allsbald in ein leises Schmatzen und um die Lippen bildete sich - wie bei den braven Buben, ein brauner, leicht feuchter Heligenschein zart schmelzender Schokolade.
Eigentlich waren die bösen Buben im Endeffekt besser dran, sie bekamen mehr: die gleichen Sachen wie die guten Buben und noch Kohlestücke ;-) Vielleicht ist das der Grund, warum viele brave Buben manchmal auch zu schlimmen wurden.

Dr. Rudolf Koch, Wien, 1998


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siehe auch:
  • Weihnachtliches Hamburg 2001
  • Christkindlmarkt in Ingolstadt 2001

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