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Karner in der Oberpfalz


"Karner" ist der in Bayern und Österreich übliche Begriff für die "Beinhäuser", in denen die Gebeine aufgenommen werden, die bei Wiederbelegung von Gräbern entnommen wurden. Sie sind deshalb nur in mittelalterlichen christlichen Friedhöfen anzutreffen.

Greding Greding
Der Karner in Greding (Foto: Kurt Scheuerer)

Greding
Im Untergeschoß des Karners befinden sich Hunderte von menschlichen Schädeln und Gebeinen hinter einem hölzernen Gitter. Im Obergeschoß befand sich eine Kapelle, die zuletzt als Aussegnungshalle genutzt wurde.
Die Gredinger Stadtmauer ist im 14. Jh. angelegt worden. Der Vorgänger des Karners könnte eventuell ein Wehrturm gewesen sein. Um 1510 wurde das Beinhaus eingewölbt und das Obergeschoß mit Dachstuhl aufgesetzt. Der Gredinger Karner dürfte wohl der letzte der zweigeschoßigen Karner der Oberpfalz gewesen sein.

Perschen
Der Karner, ein zweigeschoßiger Rundbau wurde im 12. Jh. errichtet. Das Obergeschoß war vermutlich dem Hl. Michael geweiht. Das Untergeschoß liegt völlig unter dem Niveau des Friedhofs.

Rottendorf
Der Rundbau wirkt wie in den Boden abgesackt, was aber nicht der ursprünglichen Erscheinungsform entsprechen dürfte. Beide Geschoße sind eingewölbt. Der Gang durch die Friedhofsmauer zum Untergeschoß ist später eingebaut.

Allersburg
Nur noch der östliche Teil des Obergeschoßes ist erhalten. Er ist wohl seit dem 18. Jh. mit einer Schule verbunden. Aufgrund der Erkerapsis mit Konsole und originalem Fenster stammt er wohl aus dem frühen 13. Jh.

Roding
Heute ist der Karner eine Kapelle auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofs bei der Pfarrkirche. Er ist doppelgeschoßig und trägt die Merkmale eines runden Karners. Baulich wurde er stark verändert; ein Baudatum liegt nicht vor.

Chammünster
Die Ursprünge der Pfarrkirche liegen im frühen Mittelalter, der Karner stammt wohl aus der Mitte des 13. Jhs. Sein Untergeschoß ist rechteckig und hat eine Tonnenwölbung. Erschlossen wurde er über die östliche Schmalseite. Das Obergeschoß ist im 16. Jh, abgetragen worden.
1820 wurde das Untergeschoß entdeckt und freigelegt. Über 1000 Gebeine wurden gefunden und 1902 untersucht und geordnet. 1965 errichtete man darüber ein modernes Leichenhaus.

Lauterhofen
Der Karner liegt östlich der Pfarrkirche. Erbaut wurde er wohl im 12. bis frühen 13. Jh.
Vor 1711 wurde die Nutzung als Karner aufgegeben, seither dient er als Maria-Hilf-Kapelle. Das Untergeschoß wurde nur noch als Keller genutzt.

Pfaffenhofen
Der Karner liegt bei der Kirche Mariä Himmelfahrt, welche als Mittelpunkt der sog. Urpfarrei gilt. Erbaut wurde er wohl um 1200. Unter- und Obergeschoß sind kreuzgratgewölbt.

Regensburg, St. Emmeram
Der Karner wurde 1892 abgebrochen. Das Untergeschoß wurde in das neu errichtete Pfarrhaus integriert. Es handelte sich um einen längsrechteckigen Saalbau mit eingezogener Apsis im Osten. Das Untergeschoß war 8,5 Meter hoch und ragte nur wenig über das Geländeniveau hinaus.
Georg Hager kam angeregt von Befunden zu dem Schluss, daß das Untergeschoß sich mit Gebeinen gefüllt hatte, indem diese von der Empore aus hinabgeworfen wurden.
Für 1189 ist ein Weihedatum der Friedhofskapelle St. Michael überliefert.

Karner der Oberpfalz
"Die Karner in der Oberpfalz sind eine kunstgeographisch eigene Gruppe, die sich auch in ihrer kleinen Maßstäblichkeit und ihren bescheidenen Formen von denjenigen in Niederösterreich oder Tirol abheben. ... Sie sind durchwegs von der romanischen Architekturauffassung, die klare Baukörper bevorzugt und von der strukturierten Wand lebt, geprägt."
In Oberbayern wurden im 15. Und 16. Jh. kryptenartige Beinhäuser unter dem Chor oder der Sakristei von Pfarrkirchen gebaut.

Totenleuchte
"Zu einem gängigen Ausstattungsdetail von Karnern dürfte die Totenleuchte gehört haben, die ständig zu brennen hatte, und für die eigene Stiftungen errichtet wurden. Dadurch sollte das Gedächtnis an die Verstorbenen ausgedrückt werden. ...
Die tiefe Wandnische mit Rauchabzug im Gredinger Untergeschoß ist als solche Totenleuchte anzusehen. Dieselbe Bedeutung hatten die Lichterker von Perschen und Pfaffenhofen."

Patrozinium
Bezeichnend ist, dass die Patrozinien der Karnerkapellen durchwegs in Bezug zum Sterben stehen: Häufig St. Michael als Seelengeleiter, aber auch die hl. Katharina und die hl. Barbara als Patronin der Sterbenden.

Gekürzt von Kurt Scheuerer nach:
Braun, Emanuel
Der mittelalterliche Karner von Greding
Sbl. HV-Eichstätt 92./93., Eichstätt, S. 211-232.


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