Logo KS Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Geschichte von Ingolstadt
Osterbrunnen in Ingolstadt

 
DONAUKURIER, 25.03.2002:

Das Fundament ist europäisch, die Krone bayerisch

Bürgermeister Amler eröffnete am Samstag das Brunnenfest / Bis Ostermontag Dult auf dem Paradeplatz

Ingolstadt (iso)
Diesmal haben Brigitte Fuchs und ihre 20 Helferinnen aus den Seniorengemeinschaften wirklich hart kämpfen müssen, bis Ludwig der Bayer und sein Brunnen auf dem Paradeplatz in vollster Eierpracht glänzen durften. Als sie am Freitagabend den Brunnen schmückten, stürmte der Wind, und...
DONAUKURIER, 25.03.2002.


Berichte zum Ingolstädter Osterbrunnen vom Jahr 2000:

 

Fränkisches Brauchtum hält Einzug in Oberbayern!

Osterbrunnen als Blickfang für die Stände der Marktkaufleute


Im April 2000 errichtete man in Ingolstadt erstmals einen Osterbrunnen:

DONAUKURIER 7.4.2000:
Krone für Osterbrunnen gefertigt

Ingolstadt (lif)
Beim diesjährigen Brunnenfest auf dem Paradeplatz wird erstmals in Ingolstadt ein Osterbrunnen geschmückt. Die Metallkrone für den Osterbrunnen wurde von drei Auszubildenden im Bildungszentrum der Audi AG gefertigt. ...
Die Krone ist ein Geschenk des Bildungszentrums an die Bürger der Stadt Ingolstadt. Bei der Herstellung der Krone verarbeiteten die Azubis laut Trainer Markus Rauscher etwa 60 Meter Armierungseisen. Daraus formten sie innerhalb einer Woche eine drei Meter hohe Krone mit einem Durchmesser von knapp vier Metern. "Die Krone ist eines unserer Ausbildungsprojekte, die Lehrlinge machen hier nur Dinge, die auch produktiv verwendet werden können", sagte Frank Richter, der Leiter des Bildungswesens. ...
DONAUKURIER 7.4.2000, 16:38 © 1999


DONAUKURIER 13.4.2000:
Eine grüne Krone für den Kaiser

Ingolstadt (rg)
Donnerstag, 13.11 Uhr - ein historischer Augenblick: Brigitte Fuchs nimmt das erste bemalte Ei und steckt den Schaschlikspieß, an dem das gelbe Ei befestigt ist, in die mit Thujen- und Buchszweigen geschmückte Strebe der Metallkrone. Zum ersten Mal in seiner Geschichte wird aus dem Brunnen auf dem Paradeplatz ein Osterbrunnen! Da schaut der Kaiser. ...
Seit 8 Uhr morgens wird zu Füßen seiner Majestät gearbeitet. Lehrlinge von Audi bauen die Krone aus verzinktem Baustahl zusammen - sie passt wie angegossen. "Das ist Qualitätsarbeit", lobt Fuchs.
Dann beginnt für sie und ihre 20-köpfige Seniorengruppe die Knochenarbeit: Die ingesamt 60 Meter langen Streben müssen mit Buchs- und Thujenzweigen umwickelt werden. Arbeitsteilung ist angesagt: Zweige zuschneiden, kleine Büschel machen, Büschel mit Blumendraht an den Streben festbinden.
DONAUKURIER 13.4.2000, 22:12 © 1999


Eier - und Ludwig der Bayer?
Da war doch was? - Wem dämmert da noch eine Erinnerung?
(Kleiner Hinweis: Ludwig der Bayer und Ingolstadt - KS)


Osterbrunnen. Foto: Pressestelle Ingolstadt.
Osterbrunnen. Foto: Pressestelle Ingolstadt.
Erfolgreicher Auftakt
zum ersten Brunnenfest

Ingolstadt (woe)
Die halbe Stadt schien auf den Beinen gewesen zu sein, als am Samstagvormittag das erste Ingolstädter Brunnenfest aus der Taufe gehoben wurde. Um 11 Uhr war am Paradeplatz kein Durchkommen mehr.
Im Mittelpunkt des Festes: der mit über 3000 Ostereiern geschmückte Brunnen mit dem Denkmal Kaiser Ludwig des Bayern.

DONAUKURIER 16.4.2000, 20:19 © 1999
Fotos: Pressestelle Ingolstadt


 


Brunnen schmücken
Zur Herkunft dieses Brauchtums

Die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz bringt auf ihrer Seite "Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz" eine ausführliche historische Darstellung: Mündliche Überlieferungen würden den Brauch des Osterbrunnenschmückens dort auf den Anfang des 20. Jahrhunderts datieren.
"Anfang der 50er Jahre setzte ein Rückgang dieses Brauches ein, vermutlich aufgrund der nun überall installierten zentralen Wasserversorgung. In Folge der in den 80er Jahren neu erwachten Heimat- und Brauchtumspflege erfuhr das Osterbrunnenschmücken wieder eine intensive Neubelebung, so dass schon 1986 über 200 Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz gezählt werden konnten."

Das Schmücken von Brunnen mit Grün scheint bereits um 1300 in Oberfranken zumindest regional im Brauch gewesen zu sein. Frau Claudia Schillinger zitiert in ihrem Buch "Fränkische Osterbrunnen" (Bay. Verlagsanstalt Bamberg, 1997) einen Erlass vom "Jahr 1322 am grindonnerstag" aus einer Familienchronik aus dem oberfränkischen Zettlitz bei Staffelstein: Der "Gutzher Georg Andreas Mahkorn ... gibd kund, dasn wi be altvodr Quell un bron and Oster schmuc en grun sin solln ...".
Es sollen also, wie nach altem Brauch, Quellen und Brunnen an Ostern schmuck und grün sein. Von einem Schmuck mit gefärbten Eiern ist hier aber noch nicht die Rede.

Es sollen jedoch nach dieser Anweisung des Gutsherrn auch Flurprozessionen abgehalten werden, bei denen die Teilnehmer mit "brod, Ey und win am Hag" zu verköstigen seien.
Dabei handelt es sich offenbar um eine sehr noble Geste des Gutsherrn, denn ein Picknick mit Brot, Eiern und Wein stellte in dieser Zeit in jedem Fall etwas ganz Besonderes dar. Besagt doch die Legende, dass 1313 den siegreichen Teilnehmern nach der Schlacht von Gammelsdorf zur Belohnung vom Bayernherzog jeweils ein Ei überreicht worden wäre.

Frau Schillinger führt weiterhin noch einen handschriftlichen Beleg über das österliche Brunnenschmücken aus den Jahren 1845-1858 von Wilhelmine Vogel an:
"In vielen Orten in Oberfranken, namentlich um Bayreuth, herrscht der Brauch, zum Osterfeste, die Brunnen mit Tannen- und Fichtenzweigen, Blumen, Bändern, auch wohl gefärbten Eiern zu verzieren. Woher diese Sitte stammt, ist unbekannt, ...".

Damit kann also doch eine sehr alte Tradition des Brunnenschmückens in den wasserarmen fränkischen Gebieten angenommen werden.
Zunächst liefert das oben Gesagte aber noch keinen Nachweis eines vorchristlichen Brauches. Zwar gibt es eine große Anzahl von Belegen antiker Opfer an gefassten Quellen, jedoch weist auch die Bibel zahlreiche Belege auf, nach denen sich Menschen zu wichtigen Gesprächen an Quellen und Brunnen getroffen haben.

Kurt Scheuerer, Ingolstadt, April 2000

Siehe auch:


DONAUKURIER 26.04.2000:

Schöner Brauch oder "aufg'setzte" Idee?

Ingolstadt (oe)
Dem Paradeplatz, sonst eher eine etwas abgelegene Ecke der Altstadt, hat's gut getan, die ganze Innenstadt hat davon profitiert und die Marktkaufleute sind auch zufrieden. Das erste Ingolstädter Brunnenfest war ein Erfolg, und nächstes Jahr soll's zu Ostern wieder ein derartiges Fest auf dem Paradeplatz geben, sagen Dora Hörmandinger vom Verband der Marktkaufleute und City-Manager Peter Haas.
Es sind aber auch kritische Stimmen zu hören - vom Stadtheimatpfleger zum Beispiel und von der katholischen Kirche. Kein lauter Protest gegen sonntägliches und österliches Remmidemmi, eher nachdenkliche Sätze wie von Pfarrer Hans Eichenseer: "Aus christlicher Sicht kann ich dem nichts abgewinnen".
Und Heimatpfleger Christian Dittmar meint, Brunnenfeste seien ein fränkischer Brauch, im altbayerischen Ingolstadt wirke die Idee "etwas aufg'setzt". Der Brauch, zu Ostern die Brunnen zu schmücken, habe im fränkischen Raum seinen Sinn, betont der Stadtheimatpfleger. Im wasserarmen Franken sei der Brunnen ein besonderes Symbol für Wasser und damit für das Leben. "Aber ein paar Meter von der Donau entfernt einen Brunnen zu schmücken, hat mit der ursprünglichen Symbolik nichts zu tun und ist eigentlich unsinnig", sagt Dittmar.
Ähnlich äußert sich auch Pfarrer Eichenseer. Das Wasser sei eines der Lebenssymbole, die zu Ostern verehrt würden, wie auch das Ei. Der Brauch, Brunnen zu schmücken oder Brunnenfeste zu feiern, sei im altbayerischen Raum nicht verwurzelt. Eichenseer hat aber beobachtet, dass dieser Brauch "allmählich nach Süden wandert". Auch in der südlichen Oberpfalz würden schon Brunnenfeste gefeiert.

DONAUKURIER 26.04.2000


Siehe auch (Links):


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