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Antike Feste im Jahreskreislauf

 
Krapfen beispielsweise gibt es heute das ganze Jahr über. Dadurch haben sie ihre Einmaligkeit verloren. Früher gab es die Krapfen im Fasching, die Kiachln an Kirchweih und erst an Weihnachten gab es Lebkuchen, nicht schon im Oktober.
Der Reiz des Besonderen ist diesen Leckereien mit der ständigen Verfügbarkeit abhanden gekommen. Man freut sich auf das, was selten zu bekommen ist. "Mach dich rar!" rät auch die Mutter der Tochter. Und jeden Nachmittag beim Scaten - wie langweilig muss das sein!
Nur regelmäßiger Wandel bringt Vorfreude.
Der Kreislauf des Jahres schenkt uns diesen Wandel und beflügelt unsere Aktivität.
Sommer und Winter, die Schönheit des Draussen und die Geborgenheit des Drinnen, bestimmen unser Gefühlsleben.

Versetzen wir uns in die Erlebniswelt des vorgeschichtlichen Menschen:

Die Ernte ist eingebracht, die Dankesfeste gefeiert.
Im November beginnt das Winterhalbjahr, die Verstorbenen verlassen ihre dunkle Behausung und an den Gräbern können wir ihre Anwesenheit fühlen.
Nun werden die Nächte länger, die Reifriesen ziehen vorbei und der Winter naht. Die mitternächtliche Jagd der Sturmriesen, der wilden Männer, geht um.
Nun ist man ausgeruht, die Bäume haben festes Holz und können gefällt werden.

Die Dienstboten wechseln den Arbeitsplatz und ausgelassen freut man sich auf das Ende von Schnee und Eis.
Die Lämmer werden geboren, erste Pflänzchen spriesen, die Zeit des Nahrungsmangels ist vorüber.
Man erfreut sich des Grünens und treibt die Tiere auf die Weiden. Die Menschen tanzen durch die Nacht ins beginnende Sommerhalbjahr.
Die warmen Sommertage nahen, das strahlendblaue Leuchten des Himmels verkündet die Getreideernte.

Der in seine Umwelt eingebundene Mensch der Stein- und Bronzezeit nahm wohl allmählich in diesen Wandlungen den Einfluss von Wirksamkeiten einer nichtdinghaften Welt - der Anderswelt - an.
Der Winter wurde zu Uller, dieser ist heute ein Skifahrersymbol. Holle wurde zur Beschützerin des häuslichen Fleißes, besonders an den langen Winterabenden. Nach dem Namen des Frühlingsmonats "ostarun" wurde später das christliche Osterfest benannt.
Für das anmutige Blühen der Natur kennen wir viele Namen: Die Chariten, die Grazien, Venus, Freja. Die beiden letzteren wurden von den Frauen um Kindersegen angerufen.

In unserer süddeutschen Gegend vermischten sich griechische und römische Einflüsse mit keltischen und germanischen Vorstellungen.
Nur der klugen und behutsamen Inkulturation der frühen Christen verdanken wir die Kenntnis vieler früherer Feste. Sie waren in ihren klimatischen und jahreszeitlichen Bezügen beibehalten worden. Nur der religiöse Gehalt hatte sich geändert.
Durch diese einfühlsame Behandlung der Traditionen war es den ersten Missionaren ein Leichtes, die einmal Bekehrten auch beim neuen Glauben zu halten.

Bei einer geführten Wanderung durch die Räume des Stadtmuseums Ingolstadt werden diese Betrachtungen ausführlich erläutert und die damaligen gesamteuropäischen multikulturellen Verflechtungen aufgezeigt.


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