Kurt Scheuerer - Historischer Stammtisch Ingolstadt
Fundort - Satire
Ingolstädter Grabungsfest 1991


Archaische Familienplanung

Exclusivinterview mit dem Einsiedler vom Hohlen Stein

Kipfenberg, 9.000 v.Chr.
Nur unter großen Mühen und einigen Erfrierungen gelang es unserem Reporter, den »Einsamen vom Hohlen Stein« zu einem Gespräch zu bewegen. Am abendlichen Lagerfeuer am oberen Höhleneingang berichtete der ergraute Rentierjäger von seinem Missgeschick, welches ihn in die Einsamkeit getrieben hatte.

Das Übel begann damit, dass die Ehefrau des Jägers, damals im Lager auf den Anhöhen nördlich von Eitensheim, einem von Südosten kommenden Händler ein bisher unbekanntes weibliches Tier abtauschte. Es ähnelte einem Wolf mit verkürzter Schnauze und gab bellende Laute von sich.
Nach einer kurzen Zeit umhegten Schmusens hatte es sich in die Rangordnung der Jägerfamilie eingefügt:

alpha - die Frau, beta - der Mann und gamma - die neue Familienangehörige.

Es ergab sich nun folgende Konstellation:

  • gamma schläft selbstverständlich bei alpha.
  • Nähert sich beta nächtlicherweise in Besuchsabsicht dem Lager von alpha,
  • so beginnt gamma sogleich beta laut anzuknurren
  • und, falls das nichts fruchtet, ihn zu beißen.
  • Da beta dadurch erst seine Stellung innerhalb der Familie so richtig klar geworden ist, zieht er sich frustriert und mit zerbissenen Händen in die Einsamkeit zurück.
  • alpha ist hierüber sehr zufrieden, da sie nun, vom Jagdertrag ihrer beiden Söhne lebend, sich, ohne eine erneute eigene Schwangerschaft fürchten zu müssen, um ihre Enkelkinder kümmern kann.

Die Frage, die sich der abgewiesene Ehemann damals häufig gestellt hatte: »Kann i s´ oder kann i s´ net?«, gibt überdies einen erstaunlichen Hinweis auf die Herkunft des lateinischen Wortes »Canis«.

KS, 1991.


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Durch Sturmfluten von der Elbmündung vertrieben, verwüsteten die Teutonen gegen 110 v.Chr. Gallien, bis sie bei Aquae Sextiae von den Römern vernichtet wurden. Das Schlachtfeld, auf dem unsere Weinstöcke stehen, ist nur durch Regengüsse von der Überzahl der Feinde gereinigt und entsühnt worden, was unserem Wein seine unvergleichliche tiefrote Farbe verleiht. Die Weinberge wurden mit den Gebeinen der Gefallenen umzäunt, eine Fundgrube für Sondengänger.

Eine Amphore nur 5 Asses

KS, 1991


TEMPEL GESCHÄNDET

Abusina, 260 n.Chr.
Von der Höhe des Weinberges aus hat man einen sehr guten Überblick über den ersten Abschnitt des Donaulimes und auf das Kastell an der Mündung der Abens in die Donau. Daher hat die römische Armee dort schon früh einen Wachturm errichtet.
Zu Beginn der Alamannenunruhen wurden ein Unterkunftsgebäude und, diesem gegenüberliegend, ein kleiner Tempel für Mars und Victoria erbaut.
Nun sind erneut Alamannen in unsere Region eingefallen und haben diese drei Gebäude zerstört und den Götterbildern die Köpfe abgeschlagen.

KS, 1991


Satire

DER ERSTE BAYER - VERSTORBEN

Kipfenberg, 418 n.Chr.
Die Raben sitzen um sein Grab, die Schwanenfrauen haben ihn nach Walhall geholt.
Der von allen Bewohnern des Altmühltales so hochgeschätzte Held ist verstorben.
Noch am Ufer der Elbe geboren, zog er als Kind mit seiner Sippe nach Süden in das von den keltischen Boiern verlassene Land. Als Mann folgte er mit den Seinen dem Ruf der Römer, das von diesen aufgegebene Gebiet zwischen Donau und Altmühl zu besiedeln.
Fast drei Jahrzehnte diente er in der römischen Armee an der Nordgrenze des Reiches. Als hoher Offizier ging er in Pension. Bei Ilbling im Altmühltal fand er seinen Alterssitz, an dem er nunmehr im Greisenalter von 50 Jahren verstorben ist.
Seiner in besonderer Verehrung gedenkend, haben wir seinen Leichnam nicht wie üblich verbrannt, sondern ihn mit allen seinen Waffen bestattet. Er wurde reich mit Liebesgaben seiner Verwandten und Freunde beschenkt.
Auch sein Sturzbecher aus rheinischem Glas wurde ihm beigelegt, um darin würdig den Willkommenstrunk aus den Händen der Walküren zu empfangen.
Mit seinem mächtigen Schwert möge er dereinst die Asen tapfer verteidigen.

1990 wurde das Grab von Dr. Rieder vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege anläßlich eines Straßenbaus aufgedeckt. Der tote Bajuware soll im zukünftigen Museum von Kipfenberg seine letzte Ruhestätte finden.

Nur:

»San mia Bayern iazad Elbgermanen, oiso echte Preißn

Es waren sicherlich nicht so viele germanische Siedler der durch die sog. Friedenhainer Keramik gekennzeichneten Gruppe aus den boiischen Landen herüber gekommen, dass sie mehr als nur einen kleinen Anteil zum damaligen Völkergemisch beitragen konnten, aus dem später die Bewohner des Bayernlandes hervorgingen. Diese von Eichstätt bis Straubing an der Donau entlang siedelnde Gruppe hat aber vermutlich dem Bayernvolk den Namen gegeben.
Und sie haben wohl auch, nach einem niederbayerischen Fund, die klassische Form des bayerischen Bierkruges entwickelt.

KS, 1991/1997


ERNEUT TEMPEL GESCHÄNDET

Abensberg, 1991 n.Chr.
Vor der Ruine des Tempels von Mars und Vitoria auf dem Weinberg beim Römerkastell Abusina bei Eining wurde im Frühjahr 1991 genau auf dem ehemaligen Brandopferplatz von Unbekannten ein Lagerfeuer entzündet und der Abfall - Flaschen, Dosen und Plastikabfälle - in frevlerischer Weise liegengelassen.
Nachdem die Zufahrt zum Heiligtum unverständlicherweise jedermann gestattet ist, muss durchaus mit einer Wiederholung dieser lästerlichen Tat gerechnet werden.

KS, 1991

Jetzt ist endlich eine Schranke angebracht worden, es ist auch viel schöner, den Aussichtsberg zu Fuß zu besteigen. KS, 1997.


Satire

BADENDE FRAUEN GENÖTIGT

Ettling, Ende 5. Jh.
Nach einer durch einen Zeugen aus Plattling überlieferten Aussage soll ein Herr Hagen auf der Suche nach einer Überfahrt ins Bayernland zwei Frauen in einem Quellbrunnen beim Baden beobachten haben. Da er sie als
Schwanenfrauen zu erkennen glaubte, habe er ihnen die Kleider entwendet, um sie zur Preisgabe der zukünftigen Geschickes der Nibelungen zu bewegen. Die Frauen wären jedoch so geschickt gewesen, seine Heldentaten derart zu rühmen, dass er sich sehr geschmeichelt gefühlt und die Kleider zurückgegeben hätte.
Dass sie ihn daraufhin verfluchten, darf niemand wundern.
Die Strafanzeige der beiden Damen musste leider zurückgewiesen werden, da Herr Hagen zwischenzeitlich von den Hunnen ermordet worden war.

KS, 1991/1997


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