Logo KS Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Mythologie
Erblühen im Schmuck
Zu den Insignien antiker Göttinnen

 

Hera

In ihrer Eigenschaft als Himmelsgöttin könnte Inanna mit der griechischen Hera verglichen werden.
Hera, die als Schützerin der Ehe keine Nebenbuhlerin duldete und die Eskapaden ihres Gatten Zeus (mit wohl vorgriechischen Göttinnen) rächend verfolgte.
Hera, die es der jüngeren - und auch weitgehend prähellenischen - Artemis nicht erlaubte, in den Kampf vor Troja einzugreifen: "Das Wild auf den Bergen kannst du töten, aber nicht mit Mächtigern streiten!" Darauf nahm sie ihr den Köcher von der Schulter "und schlug sie damit auf beide Wangen, daß die Pfeile zur Erde fielen". (Nach: Moritz, Karl Philipp. Götterlehre, 1791. Frankfurt a.M. 1979, S. 106.)
Hera, deren Milch dem Baby Herakles Unsterblichkeit verlieh.
Hera, der es gelang, in Wiederholung des ersten Brautbetts Zeus in Schlummer zu versetzen, um während dessen ihre eigenen Wünsche für den Verlauf des Streits vor Troja zu verwirklichen:
Also schlummerte dort auf Gargaros´ Höhe der Vater,
Sanft von Schlaf bezwungen und Lieb´, und umarmte die Gattin.
(Ilias 14, 352. Übertragen von Johann Heinrich Voß.)

In Vorbereitung dieser »Heiligen Hochzeit« reinigte und salbte sie sich,
"Hüllte sich drauf ins Gewand, das ambrosische, so ihr Athene
Zart und künstlich gewirkt und reich an Wundergebilde;
Dann mit goldenen Spangen verband sie es über dem Busen,
Schlang dann umher den Gürtel, mit hundert Quasten umbordet.
Und jetzt fügte sie auch die schönen Gehäng´ in die Ohren,
Dreigestirnt, hellspielend; und Anmut leuchtete ringsum.
Auch ein Schleier umhüllte das Haupt der erhabenen Göttin,
Lieblich und neuvollendet; er schimmerte hell wie die Sonne;
Unter die glänzenden Füß´ auch band sie sich stattliche Sohlen.
Als sie nunmehr vollkommen den Schmuck der Glieder geordnet,
Eilte sie aus dem Gemach".
(Ilias 14, 170-188. Übertragen von Johann Heinrich Voß.)

Das reichverzierte Kleid wird offenbar von zwei Fibeln zusammen gehalten. Hier zeigt sich die zeitliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Ereignissen vor Troja gegen Ende des 2. Jt. - unserer Urnenfelderzeit entsprechend - und dem Entstehungstermin der homerischen Ilias, wohl im 7. Jh. v.Chr., welcher in unsere Hallstattzeit fällt. Homer schildert Ereignisse der Vergangenheit mit den Sitten seiner Gegenwart. Aus bronzezeitlichen Gewandnadeln werden so goldene Fibeln.
Der Gürtel ist Symbol der ehelichen Tugend, die dreigegliederten beweglichen Ohrringe erhöhen ihre Anmut. Sonst trägt sie keinen Schmuck, was auch altem griechischen Brauch zu entsprechen scheint. Dem Schmuck kam um die Jahrtausendwende bei den Griechen nur wenig Bedeutung zu, erst durch die orientalischen Einflüsse änderte sich dieses in homerischer Zeit. (Weißbrodt, Werner. Schmuckmuseum Pforzheim. Pforzheim 1980.)
Hera bedarf auch keiner Ringe und keiner Krone, es ist wohl ihr hell schimmernder Schleier, der ihre Würde verkörpert. Aus sich heraus ist sie die Himmelskönigin, die Basileia, gemeinsam weltbeherrschend in ihrer Verbindung mit Zeus. Ihr ist die Familie, das Innere des menschlichen Lebensbereiches anvertraut, Zeus das Äußere, der Bereich der Öffentlichkeit. Diese - immer wieder aufs Neue zu vollziehende - Ehe sorgt für die Aufrechterhaltung der Ordnung in der Welt der Götter und der Menschen. (s.a. Kerényi, Karl. Töchter der Sonne. Zürich 1944. S. 150-165.)

Kurt Scheuerer, Ingolstadt 1998


Aus dem Katalog zur Ausstellung
Das Geheimnis des Bernstein-Colliers
Ingolstadt 1998. S. 85-89.


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