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Sagen aus Manisa, Türkei
Pelops

 
Pelops

Tantalos, ein Sohn des Göttervater Zeus, dessen Schloß am Berg Sipylos - über dem heutigen Manisa - stand, hatte den Göttern seinen eigenen Sohn Pelops als Speise vorgesetzt, um die Allwissenheit der Himmlischen zu prüfen. Die hatten den Frevel erkannt und Klotho, die erste der Schicksalsgöttinnen gebeten, den Jungen wieder zum Leben zu erwecken. Tantalos hingegen hatten sie mit fürchterlichen Qualen bestraft. Nach seiner Verbannung in die Unterwelt hatte Pelops den Thron bestiegen. Hoch oben auf dem Sipylos haben Archäologen ein uraltes, von Menschenhand geschaffenes Artefakt gefunden, das als "Pelops Thron" bezeichnet wird.
Pelops war allerdings - so berichtet die Sage - kein Herrscherglück beschieden. Er verlor in einem Krieg gegen den benachbarten König von Troja sein Land und flüchtete aus Kleinasien nach Griechenland.
Er hörte von der Schönheit der Hippodameia, der Tochter des Königs Oinomaos von Elis. Doch Oinomaos wollte seine Tochter nicht verheiraten, da ihm das Orakel von Delphi geweissagt hatte, er werde von dem Freier, dem Hippodameia ihr Herz schenke, getötet werden. Er ließ durch Herolde verkünden, daß jeder, der seine Tochter zur Gattin begehre mit ihm ein Wagenrennen bis Korinth zu bestreiten habe. Der Sieger erhalte Hippodameia, der Verlierer den Tod. Dabei vertraute der König auf seine beiden Rosse, die schneller liefen als der Wind und von Myrtilos, dem geschicktesten Wagenlenker aller Länder gelenkt wurden. Viele Jünglinge kamen, wurden freundlich empfangen, erhielten sogar ein gutes Viergespann zur Wettfahrt. Der siegessichere Oinomaos ließ jedem Freier eine gute Strecke Vorfahrt, während dieser Zeit opferte er ohne Eile dem Zeus einen Widder, schwang sich dann auf seinen leichten Wagen, raste dem Gegner nach, holte ihn ein und schleuderte ihm seinen Speer in den Rücken. Schon dreizehn edle und mutige Jünglinge hatte er so, grimmig lachend, getötet.

Pelops hörte von all dem. Aber es schreckte ihn nicht. Er kam an des Königs Hof, sah und sprach dessen Tochter und gewann ihre Liebe. Ehe er vor den König trat, eilte er an den Meeresstrand, rief Poseidon, seinen Schutzgott, zu Hilfe und bat ihn um seinen schnellen Wagen. Gnädig hörte Poseidon die Bitte seines Schützlings, hob den Dreizack; das Wasser rauschte auf und gab Pelops den Wagen des Meeresgottes, den vier pfeilschnelle, geflügelte Pferde zogen. Der König erschrak, als er das göttliche Gespann des Meeresgottes erblickte, vertraute aber auf die Schnelligkeit seiner Rosse. Pelops trieb sein Gespann zum Wettlauf an, während Oinomaos wie üblich dem Zeus den Widder opferte. Pelops war dem Ziel schon nahe, da hörte er hinter sich die Rosse des Königs schnauben, sah, wie dieser mit dem Speer zum tödlichen Wurfe ausholte. Doch Poseidon ließ Pelops nicht im Stich. Die Räder des sausenden Königswagens lösten sich, er krachte zu Boden und die rasenden Rosse schleiften den König zu Tode. Pelops, am Ziel angelangt, sah, wie ein Blitz den Palast in Flammen setzte. Voller Sorge um Hippodameia lenkte er sein Flügelgespann zum Schloß, drang durch Rauch und Flammen in ihr Gemach und trug sie hinaus, ehe die Mauern hinter ihnen zusammenstürzten.
Das Volk erkannte ihn als Sieger an und Pelops wurde zum König von Elis ausgerufen. Ihm zu Ehren wurde jener südliche Teil Griechenlands, der eine Halbinsel bildet, Peloponnes genannt. So wurde Pelops aus Manisa in der Fremde berühmt.
Auch seine Schwester Niobe ging in die Ferne, sie aber kehrte - nach ihrem Tod - zum Berg Sipylos zurück.

Die schönsten Sagen des klassischen Altertums
aus der Ingolstädter Partnerstadt Manisa

Von Dr. Treffer, Ingolstadt


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