Logo KS Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Mythologie
Sonne und Mond - Zeitanzeiger?
Beobachtung - Mythologie - Berechnung

 

Mythische Zyklen

Als Midgard - die Erde - erschaffen wurde, herrschte noch keine Ordnung (Edda, zitiert nach Simrock. Wöluspa 5 und 6):
"Sonne wußte nicht wo sie Sitz hätte,
Mond wußte nicht was er Macht hätte,
Die Sterne wußten nicht wo sie Stätte hatten.

Da gingen die Berater zu den Richterstühlen,
Hochheilge Götter hielten Rat.
Der Nacht und dem Neumond gaben sie Namen,
Hießen Morgen und Mitte des Tags,
Under und Abend, die Zeiten zu ordnen."

Die Götter haben also die Ordnung in die Welt gebracht. Sie haben die Naturabläufe und deren zeitliche Perioden benannt. Sonne und Mond dienen offensichtlich den Göttern und den Menschen zur Zeitbestimmung, sie zeigen den Tag, den Monat und das Jahr an.
Dies zeigt auch das Lied von Wafthrudnir (23); dort heißt es von Mond und Sonne:
"Sie halten täglich am Himmel die Runde
Und bezeichnen die Zeiten des Jahrs."

Dieses Werden und Vergehen, welches rundum in der Natur zu beobachten ist, gab wohl auch Anlass in vielen Kulturen, auf noch länger währende Zyklen zu schließen und neben dem gewollten Schaffen auch ein ungewolltes Vergehen der Welt anzunehmen (Wöluspa 44):
"Viel weiß der Weise, sieht weit voraus
Der Welt Untergang, der Asen Fall."

Die Gestirne markieren wohl auch die Weltzeitalter, denn das gegenwärtige Zeitalter wird dereinst enden (Wöluspa 56):
"Schwarz wird die Sonne, die Erde sinkt ins Meer,
Vom Himmel schwinden die heitern Sterne.
Glutwirbel umwühlen den allnährenden Weltbaum,
Die heiße Lohe beleckt den Himmel."

Hierzu ein Zitat:
"Die Frage stellt sich, wie das altisländische Endzeitszenar sowohl mit dem biblischen übereinstimmen kann als auch offensichtlich mit dem im iranischen und indischen Kulturbereich überlieferten. Die nordischen Vorstellungen zu Schöpfung und Urzeit können dabei beiseite bleiben, da ja nicht 'christentumsverdächtig' ...
Die Antwort wird dann lauten müssen: Es ist mit einem indogermanischen (gemeinsamen) Grundstock eschatologischer Vorstellungen, einem indogermanischen Endzeitszenar zu rechnen, die im germanischen und im iranischen (und indischen) Raum unter je bestimmten historischen Bedingungen aktiviert wurden. Im Zuge der engen kulturellen Berührung Israels mit Persien (Palästina war über 200 Jahre lang Teil des Persischen Großreiches) sind dieselben Vorstellungen, ist dieses selbe Szenar auch Bestandteil der jüdischen und später christlichen Apokalyptik geworden. Die Gemeinsamkeiten zwischen nordgermanischer und christlicher Eschatologie ergäben sich dann aus einer gemeinsamen indogermanischen Quelle, nicht primär aus christlicher Beeinflussung."
(Hasenfratz: Die religiöse Welt der Germanen, 1994, S. 125 f.)


Von der Beobachtung zur Gesetzmäßigkeit

nach: Werner Ekschmitt. Weltmodelle. Griechische Weltbilder von Thales bis Ptolemäus.
(Verlag Philipp von Zabern, Mainz am Rhein, 1989. ISBN 3-8053-1092-7. S. 13-18.)

Herodot (I, 74) berichtet über den Krieg zwischen Lydern und Medern.
Im sechsten Jahr "begab es sich während einer Schlacht, daß der Tag sich plötzlich in Nacht verwandelte. Diese Vertauschung von Tag und Nacht hatte Thales von Milet den Ioniern vorausgesagt und hatte genau das Jahr angegeben, in dem diese Verwandlung dann auch stattfand. Als die Lyder und Meder sahen, daß es nicht mehr Tag, sondern plötzlich Nacht war, ließen sie ab vom Kampf und beeilten sich, Frieden zu schließen."

Wohl war Thales (um 600 v.Chr.) der babylonische Erfahrungszyklus von 223 Monaten (= 18 Jahre und 10 Tage) bekannt geworden. Und vermutlich hatte er dieses Wissen an seine Schüler weiter gegeben. Daher dürfte ihm wohl auch in späterer Zeit, dem damaligen Brauch entsprechend, in ehrender Weise diese große Tat zugeschrieben worden sein.
Dass solche Zuschreibungen üblich waren, zeigt z.B., dass Anaxagoras von Klazomenai (5. Jh. v.Chr.) einen Meteoriteneinschlag vorausgesagt haben solle (Diog. Laert. II 10). Wohl deshalb, weil Anaxagoras - eventuell von dem Einschlag angeregt - die Sonne und die Sterne als glühende Steine beschrieb. Auch bei vielen mathematischen Lehrsätzen handelt es sich um spätere ehrende Zuschreibungen.
Wenn Thales wirklich etwas vorausgesagt hätte, dann wäre es bestenfalls das Jahr der Finsternis gewesen. Der babylonische Zyklus betraf nämlich nur die Mondfinsternisse, die sich mit ihm voraussagen ließen. Da diese aber oftmals von ein oder zwei Sonnenfinsternissen begleitet sind, jene aber lediglich irgendwo an einer begrenzten Stelle der Erde auftreten, müsste eine Voraussage einer Sonnenfinsternis mit damaligen Mittel als reiner Zufall gelten.


Mathematische Vorausberechnung von Naturvorgängen

Nach: Gudrun Wolfschmidt. Planeten, Kometen, Finsternisse. Peter Apian als Astronom und Instrumentenbauer.
(in: Peter Apian. Astronomie, Kosmographie und Mathematik am Beginn der Neuzeit.
Karl Röttel (Hrsg.). Polygon-Verlag Buxheim-Eichstätt, 1995. ISBN 3-928671-12-X. S. 93-106.)

Hauptsache an Apians Buch "Astronomicum Caesareum" sind die drehbaren Scheiben, die die Planetenbewegung veranschaulichen.
Danach folgen "Scheiben zur Ermittlung von Konjunktion und Opposition von Sonne und Mond, die mit dem nächsten zentralen Thema, den Finsternissen (Eklipsen), in Verbindung stehen.
Finsternisse wurden auch in den regelmäßig erscheinenden Kalendern abgedruckt. Doch Apian erörterte ausführlich und reich illustriert die graphisch-mechanische Vorausbestimmung von Finsternissen. Dann stellte Apian Verbindungen her zwischen Mondfinsternissen und historischen Ereignissen."
Zur Beobachtung von Sonnenfinsternissen empfahl Apian, farbige oder geschwärzte Gläser zu verwenden, meist eine Kombination von zwei Farben. Scheiner und Fabricius taten dies.

Kurt Scheuerer, geschrieben am 11.08.1999, dem Tag der Sonnenfinsternis in Bayern ;-)


siehe auch:


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