Logo KS Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Archäologie in Bayern
Historische Entwicklung des Schmucks

 
Der folgende Text (eine Kurzfassung in Stichpunkten und Zitaten) ist inhaltlich in stark gekürzter Form dem Katalog des Schmuckmuseums Pforzheim von 1980 entnommen.


Anfänge in magischen Vorstellungen. Diese führten zu Amuletten und Talismanen.
Naturprodukte, Steine, Ton, Metall als Träger magischer Kräfte.
Später göttliche Attribute, Schriftzeichen.
Vielfach war der Schmuck nicht Selbstzweck, er stand in Zusammenhang mit Religion und Magie.

Griechen

Dem Schmuck kam zw. dem 11. und 9. Jh. v.Chr. nur geringe Bedeutung zu.
Während des 8. Jhs entwickelte sich vor allem im Norden Bronzeschmuck.
In den folgenden Jahrhunderten intensivierten sich die Kontakte zu den orientalischen Kulturen.
Bedeutende Zentren der Schmuckherstellung seit dem 6. Jh. in Griechenland, den Inseln, Ionien und Großgriechenland.
Ohrringe und Ohrscheiben, Fingerringe, Halsketten und Armreifen.
Tierfiguren treten häufig auf.
Heraklesknoten als unheilabwehrendes und Wunden heilendes Amulett.
Siegeszug des Edelsteins ab dem späten 4. Jh. v.Chr., auch bedingt durch die sich erneut intensivierenden Handelsbeziehungen mit dem Osten. Der Almandin aus Indien war anfänglich am gebräuchlichsten.

Etrusker

8.-3. Jh. v.Chr. in der Toskana.
Granulation: kleine Goldkügelchen werden auf eine goldene Unterlage geschweißt. Das Verfahren stammt ursprünglich aus dem Orient und erlebte bei den Etruskern vom 7. bis 5. Jh. eine Blütezeit.
Seit dem 4. Jh. wird mehr Wert auf auffallende Größe und schillernden Prunk als auf künstlerische und handwerkliche Schönheit gelegt.

Rom

Seit dem 3. Jh. umfaßt die hellenistische Kultur fast den gesamten Mittelmeerraum.
Aus ihr entsteht mit Beginn der Kaiserzeit römischer Schmuck von internationalem Stil. In den östlichen Provinzen war in römischer Zeit der Schmuckaufwand besonders groß.
Zeitweise durften in Rom nur Angehörige des Adels goldene Fingerringe tragen.
Zahlreiche Amulettringe. "Als Vorläufer des Eheringes gilt ein goldener Ringtypus mit ineinander gefalteten Händen, der sogenannten »dextrarum iunctio«."

Byzanz

"Die bereits in Rom und seinen Provinzen verstärkte Verwendung von Edelsteinen zur farbigen Akzentuirung wird im byzantinischen Schmuck, besonders in Gold-Edelsteinketten weiter verfolgt.
Bei Anhängern und Ohrringen wird die schon im römischen Schmuck angewandte »opus interasile«-Durchbruchtechnik benutzt, die den Schmuckstücken eine elegante Leichtigkeit verleiht."
Schon früh wurden christliche Zeichen und Themen einbezogen.

Völkerwanderung

Im 4. und 5. Jh. entwickelten die Germanen aus ihrer eigenen Tradition und den byzantinischen Formen und Techniken eine neue eigenständige Schmuckkunst.
Verwendung von Almandin, Sardonyx und Glaspaste; Granulation.
Fibeln: nordgermanische und ostgotische wurden an den Schultern getragen, alamannische dienten zum Schließen des Rockes.
Goldscheibenfibeln bei den Franken im Rheinland. Filigran, Perlmutt, Glaspaste.

Mittelalter

Das hohe Mittelalter war wenig schmuckfreudig. Nur Fingerringe hatten eine gewisse Bedeutung.
"Sonst stand die Goldschmiedkunst des Mittelalters vornehmlich im Dienste der Kirche; repräsentativer weltlicher Schmuck war nur wenigen hohen und höchsten Persönlichkeiten vorbehalten."
Im späten 14. Jh. blühte in Italien und Burgund eine neue Luxusgesellschaft und mit ihr auch eine neue Schmuckkultur auf.

Renaissance

Seit dem späten 14. Jh. ist die Bearbeitung des Diamanten möglich. Von nun an wird er immer häufiger verwendet.
"Das 16. Jh. leitet für die Schmuckkunst Europas eine langanhaltende Blütezeit ein."
"Edel- und Schmucksteine und Email ergeben eine vielfältige und lebendige Farbigkeit."
Neue Zentren bilden sich in Italien, Frankreich, am Prager Hof und in Nürnberg und Augsburg.
Anhänger und broschenartige Agraffen, Halsketten und Schmuckgürtel, in besonderem Maße auch Fingerringe waren im 16. Jh. die gebräuchlichsten Schmucktypen.

Barock und Rokoko

"Während des 17. und 18. Jhs steht die Schmuckgestaltung weiterhin im Zeichen der Edelsteine und - in der ersten Hälfte dieses Zeitraumes - auch noch des Emails.
Auch jetzt spielt der Fingerring, als Liebesring und als Trauerring neben dem Typus des eigentlichen Schmuckringes, eine wichtige Rolle.
Brustagraffen, unterhalb des Dekolletés getragen, werden zum beliebten und begehrten Schmuckstück.
Ohrringe in vielfältiger Gestalt kommen wieder in Mode, begleitet von Perlketten und Perlarmbändern.
Zu Ende des 17. Jhs tritt das Email zugunsten der Edelsteine stärker in den Hintergrund, es bleibt als Material und Technik für Portraitmedaillons jedoch weiterhin beliebt."
Smaragde werden aus Südamerika importiert.
"Der Diamant, dessen Schliff inzwischen verfeinert worden ist, setzt seinen Siegeszug fort, er wird seit der Mitte des 18. Jhs als »Strass« aus Glas für die damalige Zeit überraschend gut nachgeahmt."

Schmuck um 1800

Klassizismus und Empire
In napoleonischer Zeit entstand im Rahmen klassizistischer Wert- und Formvorstellungen ein neuer Schmuckluxus. Einfache und doch wirkungsvolle Formen wurden bevorzugt.
In Italien erlebte die Steinschneidekunst eine neue Blüte.
"Trauer- und Gedenkschmuck, der schon im 18. Jh. in England aufgekommen war, ist jetzt auch in anderen Ländern Europas zu finden."
"Während des Empire, im ersten Jahrzehnt des 19. Jhs, sind Schmuckgruppen aktuell, die aus mehreren aufeinander bezogenen Einzelschmuckstücken bestehen."

19. Jh.

vom Biedermeier zum Historismus
Durch den frühindustriellen Einsatz von Maschinen wie Stanzen und Pressen standen neue Technologien zur Verfügung. Dadurch wurde die Schmuckproduktion rationalisiert und verbilligt. Dies kam dem immer größer werdenden Schmuckkundenkreis zugute.
Pforzheim.
Granatschmuckherstellung in Böhmen.
Mosaikschmuck aus winzigen farbigen Glassteinchen in Italien.
"Gedenk-, Trauer- und Freundschaftsschmuck, oft unter Verwendung menschlichen Haares hergestellt, war während der Biedermeierzeit besonders beliebt."

20. Jh.

vom Jugendstil bis 1942
Zur Jahrhundertwende entwickelte sich der sogenannte Jugendstil als Gegenbewegung zum Historismus. Sein Formenschatz wurde weitgehend aus der Natur abgeleitet.
In Frankreich Art Nouveau genannt; Zentrum Paris. René Lalique.
Art Deco in den 20er Jahren.
Bauhaus um 1930.

Gegenwart
Individuell geschaffene Kunstwerke, bezogen auf den Menschen, seinen Körper und seine Persönlichkeit.


Zitiert nach: Falk, Fritz. Schmuckmuseum Pforzheim. 1980.
von Kurt Scheuerer, Ingolstadt, 1998

s.a.:
Schöner Schein - Schmuck des 19. Jahrhunderts
Ausstellung 2007 des Schmuckmuseums Pforzheim im Stadtmuseum Ingolstadt


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