Medizin: Ionisierende Strahlung und Radioaktivität


Strahlentherapie

Was ist Strahlentherapie?

Die Stralentherapie dient der Behandlung von bösartigen Tumoren und gutartigen Prozessen mit Strahlen.

Prinzip:
Bei der Strahlentherapie nutzt man die Eigenschaft, daß Tumorzellen (entartete Zellen) gegen Strahlen empfindlicher sind als gesunde Zellen.

Die Strahlentherapie wird nicht immer als einzige bzw. alleinige Therapie gegen Tumore angewandt.

Sie arbeitet in Verbindung mit:


Unterschied zwischen Chemo- und Strahlentherapie:
Chemotherapie: Medikamente, die im ganzen Organismus wirken, um Tumorzellen zu schädigen.
Strahlentherapie: lokale Therapie, die gezielt im jeweiligen Bestrahlungsvolumen wirkt.

Verwendete Strahlungsarten

Strahlungsart Erzeugung Anwendung
Elektronenstrahlung: aus Beschleunigern Halbtiefentherapie
Photonenstrahlung: Hochvolt-Röntgenröhre : oberflächliche Tumoren (z. B. Haut)
aus Beschleuniger: tiefliegende Tumoren
Gammastrahlung aus Radionukliden (z. B. Kobalt-60): Halbtiefentherapie

Bei den genannten Therapien erfolgt die Bestrahlung von außen durch die Haut.
Eine weitere Möglichkeit der Bestrahlung bietet das Afterloading (Nachladetechnik).
Beim Afterloading wird zunächst eine Art Schlauch in die zu bestrahlende Region gelegt, in den dann ein radioaktiver Strahler hineinfährt.
Hiermit kann die Strahlung direkt in natürliche Körperhöhlen (z. B. Luftwege), in die offene Operationswunde oder direkt in das Gewebe (z. B. Prostata, weibl. Brust) der betroffenen Tumorregion eingestrahlt werden.

So kann jeder Patient individuell je nach Tumortiefe mit dem geeignetesten Bestrahlungsgerät behandelt werden.



Was wird alles mitbestrahlt?

Leider läßt es sich nicht vermeiden, daß bei der Strahlentherapie auch gesundes Gewebe mitbestrahlt wird.
Jedoch wird durch eine patientenbezogene, dreidimensionale Bestrahlungsplanung am Computer versucht, möglichst genau auf die betroffene Tumorregion einzustrahlen, unter maximal möglicher Schonung von gesundem Gewebe oder Risikoorganen (z. B. Rückenmark oder Augenlinsen.)

Arbeitsschritte zur Erstellung eines Bestrahlungsplanes:




Vergleich der verabreichten Dosis in der Strahlentherapie und im Röntgen:

Im Vergleich zu der Dosis in der Strahlentherapie liegt die Dosis der Röntgendiagnostik in der Größenordnung von 1/1000 der Dosis in der Strahlentherapie. Notwendige Röntgenuntersuchungen bei Strahlentherapiepatienten z. B. Planungs-CT oder Kontrolldurchleuchtung haben deshalb praktisch kaum eine Auswirkung auf die Gesamtdosis.

Der Patient wird durch die Bestrahlung nicht radioaktiv.
Der Patient strahlt nicht !!!

Dosisgrößen:

Die physikalische Dosisgröße in der Strahlentherapie ist die Energiedosis. Sie beschreibt die in einem Material absorbierte Energie, bezogen auf die Masse des Materials.

Energiedosis = absorbierte Energie pro Masse
Einheit: Gray ( Gy )

Für die jeweiligen Tumorerkrankungen gibt es festgelegte Bestrahlungsdosen, die sich vom Grundsatz her in den verschiedenen Kliniken nicht wesentlich unterscheiden.


Strahlenbiologie

Die Strahlenbiologie befaßt sich mit der Wirkung von ionisierender Strahlung auf das menschliche Gewebe. Die Strahlentherapie nutzt wesentliche Grundlagen der Strahlenbiologie:

Die Strahlentherapie ist eine schmerzfreie und effektive Behandlungsmethode, die jedoch auch unerwünschte Nebenwirkungen am gesunden Gewebe hervorrufen kann.
Man unterscheidet hierbei zwischen stochastischen und deterministischen Strahlenschäden:

Stochastische Strahlenschäden:
Entstehung von Schäden im Erbgut und die Erzeugung von Krebs in den Körperzellen. Sie sind zufallsabhängig und unterliegen keinem unteren Dosisschwellenwert.

Deterministische Srahlenschäden:
sichtbare Schäden an Geweben (z.B. Hautrötung, Schleimhautaustrocknung). Sie treten erst oberhalb einer bestimmten Dosis auf.

Bestrahlungsspätfolgen sind heute - dank der modernen Geräte - durch neue Behandlungstechniken, eine ausgefeilte Bestrahlungsplanung und mit einer guten Begleitbehandlung wesentlich seltener geworden. Doch lassen sie sich nicht ganz ausschließen:

Akute Strahlenfolgen:
treten während oder unmittelbar bei der Behandlung auf und bilden sich für gewöhnlich wieder vollständig zurück ( z. B. Hautrötung ).

Chronische Strahlenfolgen:
treten in der Regel erst später auf und können zum Teil unangenehm für den Patienten sein.

Durch Strahlung hervorgerufene Tumoren treten nach heutiger Erkenntnis extrem selten auf. Da bis zum Auftreten eines solchen Tumors 20-30 Jahre vergehen, ist dieses geringe Risiko besonders bei jungen Patienten zu beachten.


Behandlungsziele

Je nach Tumorstadium und Tumorart gibt es zwei verschiedene Behandlungsziele:

Die relativ hohe Strahlenbelastung des Patienten in der Strahlentherapie wird gerechtfertigt durch den hohen Nutzen, den sie für den Patienten bringt.

[zurück] [Nach oben] [Weiter]

Der Inhalt dieser Seite wurde erarbeitet vom MTRA Kurs 1994-1997 der MTRA Schule Ingolstadt am Klinikum Ingolstadt.
Falls jemand Fragen oder Anregungen hat, würden wir uns freuen, wenn er sie an
eike@gamma-kamerad.de mailen würde.
Erstellt am: 12:38 26.04.1997
Letzte Änderung 11.05.2003 19:11 Uhr durch ep