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Eine ungewöhnliche Hundegeschichte


Darf ich mich vorstellen, Akita ist mein Name, ich bin ein Mädchen und so sehe ich aus


Akita

Bild 1: Akita

Mein Vater war ein Podenco, ein spanischer Jagdhund. Meine Mutter, eine Galga, kam ebenfalls aus Spanien, sie war ein Windhund. Ich, als Mischling, werde besonders in Spanien als schneller und gut zur Jagd geeigneter Hund großgezogen. Ich wurde in Deutschland geboren und bin im Januar 2008 ein Jahr alt geworden. In der nun folgenden Geschichte geht es um mich und um die Sorgen, die ich meinen neuen Besitzern bereitet habe. Diese sind Jörg und Gina mit ihrem Sohn Leon, der 11 Jahre alt ist. Alle 3 wohnen in München. Und nun sollen sie selbst berichten.

Damit Leon als Stadtkind den Kontakt zu Tieren erlernt, sollte ein Hund angeschafft werden. Die räumlichen Gegebenheiten und der notwendige Auslauf für das Tier waren vorhanden. Die Wahl fiel auf Akita. Sie wurde vor etwa 2 Monaten von Gina und Leon mit dem Auto aus NRW geholt.

Akita stellte sich als ein äußerst scheues Tier dar, sie verkroch sich trotz ihrer Größe in die engsten Winkel, scheute und ließ sich nicht anfassen. Nur Gina und Leon brachten es nach ein paar Tagen fertig, daß Akita sie akzeptierte - wenn auch mit größter Vorsicht. Nun ist diese Hunderasse nichts zum Knutschen oder Spielen, aber so scheu zu sein ist sicher auch nicht normal. Möglicherweise spielen hier Erlebnisse in der Jugendzeit mit. Als sich das zögerliche Benehmen nach gut einer Wochen nicht änderte, entschloß man sich, einen Hundepsychologen zu Rate zu ziehen.

Die neue Heimat von Akita war der Athener Platz in München. Der Hundepsychologe wohnte in München am Prinzregentenplatz. In dem nachfolgenden Ausschnitt des Münchener Stadtplans ist die Strecke zwischen den beiden Örtlichkeiten angezeigt.

 



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Bild 2: Ausschnitt Stadtplan München

Punkt A ist der Athener Platz, in Punkt B, dem Prinzregentenplatz, befindet sich der Hundepsychologe. Die kürzeste Straßenentfernung zwischen beiden Stellen beträgt 7,7 km.

An einem Nachmittag im November 07 fuhren Gina und Leon mit Akita im Auto von der Wohnung zum Prinzregentenplatz. Leon stieg mit Akita an der Leine aus dem Auto, während Gina auf Parkplatzsuche fuhr. Akita hatte ein Halsband mit Hundemarke um.

Und dann passierte es ... Als der Hundepsychologe Leon und Akita entgegenkam, auf Akita zuging um sie zu streicheln, hat sie sich vor Furcht vom Halsband losgerissen und jagte die Grillparzerstraße herunter. Offenbar war das Halsband zu locker angelegt worden, und sie konnte mit dem Kopf durch die Schlinge rutschen. Daß sie nach Süden floh lag wohl daran, daß diese Richtung am schnellsten von dem "Schreckverursacher" wegführte. Leon stand da, hatte die Leine noch fest in der Hand, an deren anderem Ende sich das leere Halsband befand.

Bald kam Gina zurück und sah die Bescherung. Da war nichts mehr zu machen. Es folgte nun eine Suche nach Akita in ihrer Fluchtrichtung. Bei der nächsten Straßenkreuzung wurde sie von einem Restaurantbesitzer gesehen. Auf jeden Fall ist sie wohl am Tage noch bis zur stark befahrenen Einsteinstraße gerannt, dann verloren sich aber die Spuren. Da Akita diese Gegend nicht kannte, war es wohl ausgeschlossen, daß sie zurückfinden würde.

 


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Bild 3: Ausschnitt Stadtplan München, Teilrücklaufstrecke

Punkt A kennzeichnet den Prinzregentenplatz von dem aus Akita ausbrach, Punkt B ist die Balanstraße, in der Akita zuletzt gesehen wurde.

Gina benachrichtigte die örtlich zuständige Polizeiinspektion sowie den lokalen Radiosender von dem ausgerissenen Hund und informierte Jörg. Danach ging die Suche bis spät in die Dunkelheit weiter - leider ohne Erfolg. Anzumerken ist, daß für die folgenden Nächte Nachtfrost angesagt wurde.

Auf Grund der Radiomeldung hatte sich am nächsten Morgen jemand gemeldet, der einen großen schwarzen Hund ohne Halsband in der Balanstraße gesehen hatte, die Hunderasse war aber nicht bekannt. Da die Balanstraße vom Ostbahnhof Richtung Süden nach Harlaching verläuft, hätte es gut sein können, daß es sich dabei um Akita gehandelt hat. Folglich ist Jörg am nächsten Tag nachmittags die ganze Balanstraße abgelaufen, Akita hat er aber nicht gefunden. Zusätzlich hatte Gina auf diesen Strecken Handzettel verteilt bzw. angeschlagen, die auf den Verlust von Akita hinwiesen.

Es blieb aber dabei, Akita war verschwunden. Entsprechend war die Stimmung in der Familie, gedrückt und sehr traurig. Der Abend kam und es war gegen 22 Uhr, als Gina eine innerliche Unruhe bekam und meinte, sie müsse noch einmal vor die Haustür gehen. Sie öffnete die Tür - und da saß Akita im Dunklen auf den Steinstufen. Die Gefühle und die Freude, die in diesem Augenblick in Gina aufkamen, kann man nicht beschreiben, sie lassen sich nur selbst erleben. Die scheue Akita ließ sich ins Haus und in die Wohnung führen. Sie schien an einem Hinterlauf eine Verletzung zu haben, denn sie humpelte etwas. Der nächste Tag beim Tierarzt brachte aber Gott sei Dank als Diagnose nur eine Schwellung, die inzwischen wieder geheilt ist.

Akita war wieder zu Hause und die Freude war überschwänglich!

Akita ist nach wie vor sehr scheu, Fremden weicht sie aus und verkriecht sich in die engsten Ecken. Nur Gina und Leon haben einen Kontakt zu ihr, auch Jörg ist noch nicht akzeptiert. Woher diese Angst kommt, ist hier in Deutschland nicht nachzuvollziehen. In Spanien werden diese Hunde, wenn sie nicht mehr für die Jagd tauglich sind, auf bestialische Weise getötet, sie werden erhängt. Ich habe inzwischen viele Bilder von solchen getöteten Tieren gefunden - grauenvoll! Ob diese Vorkommnisse mit der Scheu zusammenhängen, ich weiß es nicht.

Das war die Geschichte von der entlaufenen Akita und ihrer glücklichen Heimkehr. Was mich jetzt, hinterher, beschäftigt ist die Tatsache, daß und wie Akita wieder zurückgefunden hat. Sie lebte erst ca. eine Woche am Athenerplatz und war während dieser Zeit nur vor der Haustür und in einer gegenüberliegenden kleinen parkähnlichen Anlage gewesen. Sie ist nie, weder zu Fuß noch mit dem Auto, in die Stadt mitgenommen worden. Der Weg zum Hundepsychologen erfolgte im Auto. Wie bringt es ein Hund fertig ohne Spuren zu hinterlassen, aus 7,7 km Entfernung (möglicherweise noch länger, da dies die kürzeste Entfernung ist) während der Tages-und Nachtzeit seine "Heimat" wiederzufinden? Optische Orientierung ist bestimmt auszuschließen. Mond, Sterne und Sonne fallen sicher auch unter diese Kategorie. GPS ist ein Fremdwort für Hunde, ebenso wohl die Orientierung nach magnetischen Feldlinien. Blieb der Geruch übrig. Daß Hunde Spuren verfolgen können, ist hinreichend bekannt. Aber die Nase in den Wind zu halten und zu warten, bis der Heimatduft aus dem 7,7 km entfernten Athenerplatz kommt, wenn denn einer kommt, halte ich für eine Spekulation. Was für eine Spur könnte es sonst sein? Akita ist mit dem Auto befördert worden. Das Auto könnte Reifenriechspuren hinterlassen haben, aber die hätten doch höchstens nach Continental oder Michelin usw. gerochen ;-) Daß Personen oder Tiere aus dem Auto heraus Duftmarken auf die Straße setzen können - ich glaube es nicht.

Galgo-Podencos werden in Spanien als Jagdhunde eingesetzt. Sie werden als Rudel mit dem LKW in ein ihnen nichtbekanntes Jagdrevier transportiert und dann freigelassen. Sie durchkämmen dann selbständig das Gebiet und kommen mit Beute an ihren Ausgangsort zurück. Offenbar haben sie von Natur aus schon im fremden Gelände ein gutes Orientierungsvermögen. Allerdings helfen ihnen hier die von ihnen selbst erzeugten Spuren erheblich, was bei Akita in München nicht der Fall war.

Andererseits hat es schon öfter Meldungen über zurückgekehrte Tiere gegeben, speziell auch bei Katzen. Es wird wohl ein Geheimnis der Tierwelt sein (bleiben), wie diese Kreaturen nach Verirrungen an ihren Stammplatz zurückfinden können.



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