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Moostierchen (Plumatella fruticosa)

Ich hatte etwa 9 Monate einen externen Mattenfilter in Betrieb, der in einem größeren Glasbehälter aufgebaut war. Nach Beendigung einer Versuchsreihe räumte ich die Matte aus, ließ jedoch aus technischen Gründen sonst alles unangetastet. Das heißt, der nun leere durchsichtige Glasbehälter blieb im Wasserkreislauf des Beckens.

Bei genauem Ansehen der vorderen Glaswand sah ich auf der Innenseite, also im Wasser; eigenartige Gebilde, so wie sehr dünne Schnüre mit vielen Verzweigungen. Mit einer 8-fach Lupe betrachtete ich das näher. Es schien ein durchsichtiger, bräunlicher Schlauch zu sein mit vielen braunen Punkten darin, siehe Bild 1. Überall gab es kleine Verzweigungen, vergleichbar mit einem Astwerk. An jedem Ast befanden sich in fast regelmäßigen Abständen nach oben gerichtete kleine Fortsätze (oberer Teil des Bildes). Ich tippte zunächst auf irgendwelche Laichschnüre, vielleicht Schnecken oder sonst was. Diese Schnüre klebten an der Glaswand fest. Fische konnten in das Gefäß nicht hinein.

Moostierchen (Handskizze)Bild 1: Moostierchen (Handskizze)

Beim Hin- und Herbetrachten mit der Lupe erwischte ich per Zufall eine Lupenposition, die den Hintergrund plötzlich dunkel erscheinen ließ. Aus der Mikroskopie kennt man den Begriff und nennt ihn Dunkelfeldbeleuchtung. Die zu beobachtenden Gegenstände setzen sich dann in ihren Farben hell gegen den Hintergrund ab. Und plötzlich sah ich etwas Wunderbares:

Diese kleinen Fortsätze an den Ästen hatten am oberen Ende einen weißen Schirm aus lauter kleinen Strahlen (unterer Teil des Bildes). Man muß sich das so vorstellen wie die käuflichen Lampen, die mit einem Büschel wippender Glasfasern bestückt sind, durch die Licht flutet. Diese Strahlenbüschel bewegten sich in der schwachen Wasserströmung hin und her. Für mich waren das Polypen. So klein und so filigran - einfach fantastisch! Ich wälzte nun Bücher und wurde auch fündig. Es handelt sich um eine Gattung der Moostierchen, genauer um die Spezies Plumatella fruticosa. Diese Schnüre sind in Wirklichkeit kleine Röhren aus Chitin, und die braunen Pünktchen sind Dauerkeime. Ja, und dann sind sie keine Polypen, auch wenn sie so aussehen, sondern eben Moostierchen.

Mit den Strahlen fächern sie Plankton aus dem Wasser. Ich wollte nun wissen, wenn sie schon keine Polypen sind, ob sie denn wenigstens wie diese reagieren. Mit einer Hand an der Lupe und mit einem dünnen Draht in der anderen Hand wollte ich beobachten was geschieht, wenn ich die Moostierchen berühre. Als ich Draht und Moostierchen im Blickfeld der Lupe hatte und dann die Berührung kam, passierte genau das gleiche wie bei Polypen: Der Strahlenfächer wurde mit großer Geschwindigkeit in den Fortsatz hineingezogen. So etwas unter der Lupe live zu sehen - unbeschreiblich für mich! Wenn der Drahtkontakt aufhörte, kam kurze Zeit danach der Fächer wieder zum Vorschein. Das war eine große Freude, so etwas in meiner Anlage zu erleben. Das Aquarium ist eben doch eine "Wunderwelt". Die Moostierchen sind übrigens ungefährlich für Fische.

Ein paar Bemerkungen zum Bild. Ich habe versucht, die Moostierchen fotografisch zu erfassen. Trotz Makroobjektiv war da nichts zu machen, die Tierchen waren einfach zu "mikro", nicht "makro" genug. Solche Aufnahmen gelingen nur mit dem Mikroskop und aufgesetzter Kamera, diese Einrichtung steht mir aber nicht zur Verfügung. Ich habe deshalb eine Handzeichnung gemacht, so natürlich wie möglich, und diese eingescannt. Ich hoffe, daß sie auch eine Vorstellung über die Moostierchen gibt.


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