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Otocinclus "negros" - Zuchtversuche

Erster Versuch - ein völliger Fehlschlag

Ich pflege seit mehr als 4 Jahren ein Otocinclus "negros" - Pärchen. Häufig findet man sie auch unter dem Namen "Kleiner brauner Oto", abgekürzt KBO. Es sind unauffällige, dunkelbraun gefärbte Fische. Sie ist viel größer als er. In Zahlen ausgedrückt, die Länge des Weibchens beträgt 4,2 cm, die des Männchens 3,3 cm. Gattungsmäßig werden sie nicht den Ohrgitterwelsen zugeordnet.

Am 18.12.2001 setzte ich sie aus einem kleinen Becken in mein großes 375 l Gemeinschaftsbecken. Hier fanden sie einen reichhaltigen Pflanzenwuchs und somit eine gute Nahrungsgrundlage.

4 Tage später, also 2 Tage vor Heilig Abend, waren des Morgens an den Glaswänden des Beckens und auf Pflanzenblättern eine große Anzahl von durchsichtigen Punkten zu sehen, zweifelsfrei Fischeier. Ich vermutete, daß sie von den Otos stammten und zählte sie, ich kam auf 62 Stück.

2 Tage später, Heilig Abend, konnte man mit einer 8-fach Lupe in den Eiern an der Glasscheibe schon 2 dunkle Punkte ausmachen, die späteren Augen. Im Ei selbst regte sich etwas, man sah einen rötlichen Punkt sich hin und her bewegen, das Herz, es pumpte offenbar schon. Am 1. Weihnachtstag waren 33 Otos geschlüpft, vielleicht weitere noch an den Pflanzen, das konnte ich aber nicht sehen. War das eine Weihnachtsüberraschung! Am 29.12. war der dicke Dottersack veschwunden, die Jungen 6 mm lang. Am 31.12. waren alle geschlüpften Jungen von den Scheiben weg, wahrscheinlich irgendwo in den Pflanzen, da ich sie auch am Boden nicht sah. Einen Tag später, am Neujahrstag sah ich wiederum keine Jungen mehr - doch, ein paar, die tot auf dem Sand des Bodengrundes lagen. Das war denn auch schon die Geschichte des 1. Laichens meiner Otos.

Ich habe nach der Todesursache geforscht, konnte aber, bis auf einen Wasserwechsel, den ich während der Tage machte, nichts besonderes feststellen. Ich las und fragte nach bei erfahrenen Aquarianern. Die wahrscheinlichste Todesursache, und heute bin ich aus anderer Erfahrung absolut davon überzeugt, sind die Panzerwelse, die ich auch im gleichen Becken halte. Sie werden sich des Nachts über die einfache Beute hergemacht und ein Schlachtfest gefeiert haben.

Zweiter Versuch - dieses Mal mit etwas mehr Erfolg

Dies war denn auch der Grund, die Otos aus dem Gemeinschaftsbecken herauszunehmen und in ein separates Laichbecken zu setzten - ohne Freßfeinde. Denn ich wollte es noch einmal versuchen, da zudem das Weibchen immer mit einem dicken Bauch herumschwamm. Knapp 2 Jahre später nach dem mißlungenen 1. Versuch setzte ich die beiden Otos am 19.11.03 in ein 50 l Laichbecken. Darin befand sich eine Holzwurzel, eine dünne Schicht schwarzen Kunststoffgranulats über der Bodenscheibe, einer Leucocephala und ein Mattenfilter. Mit einem Torfbeutel säuerte ich das Wasser leicht an, pH ~6,6, Leitwert ~ 240 µS/cm. Dann kamen die Otos hinein. Am nächsten Tag senkte ich langsam die Wassertemperatur um 5°C auf 18°C, um sie 2 Tage später wieder auf 23°C heraufzufahren. Dann hieß es warten.

Ich hatte trotz täglicher Kontrolle keine Eier gesehen und war deshalb mehr als überrascht, als ich am 4.12., also 15 Tage später, an einer Glaswand 10 bereits geschlüpfte junge Otos hängen sah. Sie hatten eine Länge von 5 mm und mußten nach meiner Erfahrung vor etwa 4 Tagen als Ei gelegt worden sein. Der Dottersack war noch prall erhalten. Ich entschloß mich am nächsten Tag, aus Gründen der besseren Fütterungsmöglichkeit, die Jungen in einen Netz-Aufzuchtkasten zu verlegen, was auch problemlos klappte. Der Netzkasten hing im gleichen Becken. Ich platzierte ihn so, daß die Umwälzpumpe mit ihrem Strahl auf den Kasten gerichtet war, um immer frisches Wasser im Kasten zu garantieren. In den nächsten Tagen fand ich denn immer wieder mehrere frische Eier, die an den Wandungen des Beckens klebten. Das Weibchen hat also nicht auf einmal seinen Eivorrat abgegeben. Manchmal waren aus einer Serie von Eiern über Nacht mehrere verschwunden. Ich hatte Schnecken in Verdacht, die auch, zusammen mit Garnelen, im Becken lebten. Andererseits hatte ich schon Schnecken an den Eiern vorbeikriechen sehen, ohne daß sie den Eiern zu nahe gekommen waren. Die Garnelen hatten die Eier auf keinen Fall "geklaut". Auch hierfür gab es eine Erklärung: Die über Nacht verschwundenen Eier waren einfach aufgebrochen und die Jungen waren geschlüpft, denn seltsamerweise tauchten am nächsten Tag immer soviele neue junge Otos an den Scheiben auf, wie Eier verschwunden waren.

Einmal habe ich wahrscheinlich den Laichvorgang beobachten können. Beide, Männchen und Weibchen schwammen sehr aufgeregt an der Scheibe hin und her, dabei dicht zusammen. Dann hielt das Weibchen inne, saugte sich an der Glaswand fest und das Männchen legte sich, zu einem "U" gebogen, um das Maul des Weibchens herum. Beide Fische waren sichtlich erregt und zitterten. Das muß wohl die Eiablage und Befruchtung gewesen sein, genau erkennen konnte ich das wegen schlechter Lichtverhältnisse nicht. Aber danach befanden sich Eier an der gleichen Stelle.

Es ist äußerst interessant, die Entwicklung im Ei bis zur Geburt zu verfolgen. Das habe ich mehrfach mit einer Lupe an den Eiern getan, die an der Frontscheibe klebten. Leider konnte ich das nicht fotografieren. Ich habe deshalb Zeichnungen angefertigt, auf denen ich die Entwicklung im Ei dokumentiert habe. Es ist spannend festzustellen, wie bereits etwa 2 Tage nach der Eiablage durch den durchsichtigen Dottersack ein Fleck zu sehen ist, der rhythmisch mal stärker oder schwächer leicht rötlich erscheint. Das ist wohl das schlagende Herz bei seinem Pumpvorgang.


Ei nach AblaichenBild 1: Ei nach dem Ablaichen

Die Eihülle wird fast vollständig von dem Dottersack ausgefüllt. Oben ist der Ansatz des Kopfes zu sehen.


Ei nach 2 TagenBild 2: Ei nach 2 Tagen

Nach 2 Tagen hat sich der Kopf schon deutlicher ausgebildet, schemenhaft sind die Augen zu erkennen. Unter dem Dottersack kommt der Schwanz hervor. Schon jetzt kann man durch den Dottersack hindurch das rote Herz schlagen sehen.


Ei nach 3 TagenBild 3: Ei nach 3 Tagen

Der Schwanz wird länger und schiebt sich zwischen Dottersack und Eihülle entlang. Kurz vor dem Schlüpfen füllt der Dottersack nahezu die gesamte Eihülle aus.


Larve geschlüpftBild 4: Larve ist geschlüpft

Den Vorgang des Schlüpfens habe ich selbst nicht beobachten können, da immer über Nacht geschehen. Aus anderen Berichten weiß ich aber, daß die Eihülle zuerst mit dem Schwanz durchstoßen wird und dann platzt. Zwei Flossenpaare sind auch schon zu sehen. Das Maul konnte ich trotz Lupe noch nicht identifizieren.

Die Maße konnten recht gut bei den an der Innenscheibe haftenden Larven mit einer Meßlupe bestimmt werden.

Ich habe beobachtet, daß die Jungen, nachdem der Dottersack aufgebraucht war, nicht sofort zu fressen begannen; es dauerte noch mehrere Tage, bis sie zum Futter griffen. Das machte mir anfangs Sorge, denn ich hatte ja noch keine Erfahrung mit der Aufzucht. Ich versuchte, ihnen gemörserte Welstabletten zu geben, die sie aber ignorierten. Dann mixte ich einen Futterbrei aus Erbsen, Spinat und Spirulina. Das war wohl auch nicht ihr Geschmack. Von einem Fachmann hörte ich, die jungen Otos brauchten Artemia. Ich konnte mir das zwar nicht vorstellen, wie die kleinen Dinger mit Artemia fertig werden würden, aber Versuch macht klug. Ich setzte die Krebschen an und gab sie den Otos. Meine Zeit, war das eine Pleite! Der Netzkasten hatte ein zu grobes Netz, die Artemia bevölkerten plötzlich das gesamte Aquarium und im Netzkasten waren keine mehr zu finden. Also keine Lösung. Ich nahm deshalb eine Plastikschale, versah sie mit Schwimmern und hängte sie, mit Wasser gefüllt, ins Becken.


Zucht-PlastikschaleBild 5: Zucht-Plastikschale

Bild 5 zeigt die schwimmende Zucht-Plastikschale. Vorteil, die Temperatur wurde gehalten und die Artemia konnten nicht mehr entrinnen. Nach dem Einbringen der Jungen machte ich 2 x täglich einen Wasserwechsel wegen des vielen Futters in dem kleinen Behälter. Am nächsten Tag waren 5 der jungen Otos tot. Die noch Lebenden machten einen trägen Eindruck. Bei Berührung mit einem feinen Pinsel reagierten sie kaum, keinesfalls durch Wegschwimmen. Am Boden des Kastens lag eine Schicht von toten Artemia. Ich nehme an, daß diese das Wasser über Nacht verdorben und den Tod der Fische verursacht haben. Ich machte sofort mehrere Wasserwechsel, saugte die toten Artemia ab und beobachtete die Jungen. Nach einer halben Stunde fingen sie langsam an sich wieder zu bewegen und auf Berührung zu reagieren. Ich war mit einem blauen Auge davongekommen, die restlichen Jungen (die Mehrzahl) hatten alles überstanden und wurden fidel und munter.

Die Konsequenz aus diesem "Unfall" war, die Jungen sofort wieder in den Netzaufzuchtkasten umzusetzen. Das klappte auch ohne Störungen. Eine Endlösung war dies jedoch nicht, da die Artemia aus diesem Aufzuchtkasten immer entwichen. Als eine gute Idee empfand ich, die oben genannte Plastikschale mit einer kontinuierlichen Frisch-(Becken-)Wasserzufuhr zu versehen. Ich baute an die Plastikschale einen Luft-Wasser-Heber an (rechts unten in Bild 5) und sorgte dafür, daß die Menge des eingepumpten Wassers aus dem Kasten auch wieder ausfließen konnte. Das war einfach mit einem Syphon zu realisieren (oben in Bild 5). Der Zufall wollte es, daß ich einen weiteren geschlüpften Jungfisch im Becken fand. Nach einem nächtlichen Probelauf der Wasserwechsel-Automatik platzierte ich den Jungfisch am nächsten Tag in die Schale und ließ ihn über Nacht "probewohnen". Das war leider ein Mißerfolg, am nächsten Morgen war auch er tot und das bei laufender Wassererneuerung und ohne Futterrückstände in der Schale. Nach dem Grund des Todes habe ich jetzt nicht mehr geforscht, der Kasten flog raus. Dann bin ich zu einem Gardinengeschäft gefahren und habe in der Kruschkiste nach einem Stoff gesucht, der dichter als ein Damenstrumpf aber dennoch wasserdurchlässig war. Ich bekam soviel Stoff umsonst mit, daß ich jetzt eine "Filterumhüllungsfabrik" bauen könnte.


Ablaichkasten mit Umhüllung Bild 6: Mit Gardinenstoff umspannter Ablaichkasten

Diesen dichteren Stoff spannte ich um den Plastik-Einhänge-Ablaichkasten. Befestigt habe ich den Gardinenstoff, indem ich ihn mit passend zurecht geschnittenem Styropor in die hohlen Schwimmkörper des Kastens einklemmte. Die auf dem Bild (von unten fotografiert) zu sehenden Kunststoffstreifen mit den beiden V4A-Schrauben sollen den Stoff glatt an die Wandung drücken. Diese Art der Umspannung hat den Vorteil, daß die beiden Seitenflächen frei bleiben und man ungehindert in den Kasten einblicken kann. Dann platzierte ich den Ablaichkasten wieder in das Becken und stellte ihn in die Strömung der Umwälzpumpe. Die Fische wurden erneut umgesetzt, und das war die Lösung! Der Wasserdruck der Umwälzpumpe war so groß, daß noch eine Strömung im Ablaichkasten entstand, andererseits war der Stoff so fein, daß keine Artemia mehr durchkamen. Wenn ich die Jungfische jetzt mit den Krebschen fütterte, dann "standen" sie im Futter. Allerdings sollte man aufpassen, daß die in der Wasserströmung transportierten Schmutzteilchen nicht den Stoff zusetzen und damit eine Durchströmung des Ablaichkastens verhindern.

Ich füttere die Jungen mehrmals täglich mit Artemia. Wie wild wuselten sie auf dem Boden des Kastens herum, wenn ich mit einer 10 ml Spritze eine Ladung Artemia langsam in den Kasten spritzte. Die jungen Otos fangen keine Artemia und verfolgen auch keine. Sie fressen offenbar, wenn ein Berührungsreiz durch die Artemia am Maul entsteht. Ich nehme an, daß sie aus diesem Grund auch im schnellen Zick-Zack-Kurs über den Boden gleiten, um viel Kontaktmöglichkeit mit den Krebschen zu bekommen. Wenn es "geklingelt" hatte, blieben sie stehen und verharrten in dieser Stellung für viele Sekunden. Offenbar waren sie dann am Fressen. Leider kann man dies nicht sehen, auch nicht mit einer Lupe. Inzwischen waren Jungfische aller Größen in dem Laichkasten. Die Laichzeit vom Weibchen hat sich immerhin über 2 1/2 Wochen hingezogen. Als Folge der regelmäßigen Fütterung mit Artemia stellten sich plötzlich Hydra ein. Sie waren letztendlich überall, im Ablaichkasten, außen am Ablaichkasten, an den Glaswänden des Beckens und an allen Dekoteilen. Eine Beseitigung erschien mir nicht möglich, folglich blieben sie da, wo sie waren. Ich habe durch diese Invasion keinen Fischverlust erlitten, also alles nur halb so schlimm mit Hydra?

Am 26.12. kam dann die Nagelprobe. Ich verreiste für 4 Tage, und es gab keine Möglichkeit, die Jungen zu füttern oder nach der Technik zu schauen. Ich überlegte, alle Fischlein in das Becken zu setzen und es einfach drauf ankommen zu lassen. Dort würden sie wahrscheinlich am Holz oder auf dem Boden irgendetwas Freßbares finden. Dann bekam ich einen Züchter-Ratschlag, getrocknete Brennnesseln einzubringen. Auf den Blättern würde sich ein Bakterien/Algenrasen bilden, den die jungen Otos abweiden. Brennnesseln deshalb, weil sie keinen Bakteriengau hervorrufen, so wie z. B. Gurken oder Paprika. Ich habe mich entschlossen, diesem Rat zu folgen.

Als ich nach 4 Tagen zurück kam, war mein erster Gang zu den Kleinen. 26 junge Otos hatte ich in das Becken platziert, wiedergefunden habe ich letztendlich nur 5 Stück. Und dabei blieb es auch. Ich nehme an, daß die restlichen 21 Otos verhungert sind. Sie waren wohl doch noch zu klein, um sich selbst Nahrung beschaffen zu können. Die 5 habe ich dann wieder aus dem Becken gefangen und in den mit Gardine umhüllten Aufzuchtkasten gesetzt. Hier bekamen sie 2-3 mal täglich frische Artemia und zwischendurch Spirulina bzw. gemörserte Welstabletten. Das hat ihnen offenbar gut getan, denn sie wuchsen und waren pudelmunter.

Am 11.01. war der größte von ihnen 23 mm lang, das hatte er in gut 5 Wochen seit Geburt geschafft. 4 Tage später, am 15.01. betrug seine Länge 24 mm, die andern 4 waren so um die 17 mm lang. 10 Tage später entschloß ich mich, alle 5 Jungen in ein großes Gemeinschaftsbecken umzusetzen. Ich stellte nämlich fest, daß ihr Appetit auf Artemia nachgelassen hatte; sie standen zwar noch im Futter aber fraßen nicht mehr davon. Offenbar verlangten sie jetzt statt Babynahrung eine handfeste Brotzeit. Hier im neuen Becken gab es genug Algen an den Scheiben und an Blättern, so daß ein Verhungern nicht wahrscheinlich war. Dennoch bekam ich Angst beim Umsetzen. Die im gleiche Becken beheimateten Kakadus und Kaisersalmler setzten sofort zum Angriff auf die Otos an. Offenbar aber erfolglos, denn eine Woche später konnte ich zufällig alle 5 jungen Otos an den Scheiben Algen raspeln sehen.

Dieser Teilerfolg der Zucht hat mir Mut gemacht, ich werde es auf jeden Fall wieder versuchen, dann aber mit mehr Vorkenntnissen.


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