Logo KS Kurt Scheuerer
RÖMISCHE JAHRESSCHRIFT 194
A.D. CLXXXXIIII

 

Inhalt:


Bürgerkrieg Weltnachrichten Regionalberichte
Hofberichte Septimius Severus Julia Domna
Werbung

Bürgerkrieg

Im Vorjahr war unser Kaiser Septimius Severus mit seinen Legionen nach dem Osten aufgebrochen und hatte kürzlich den Gegenkaiser Pescennius Niger in Thrakien geschlagen; dessen Truppen hatten sich nach Byzanz zurückgezogen.
Nun erreichte uns die Eilmeldung, daß Septimius ein entscheidender Erfolg bei Issos gelungen und Niger daraufhin in Richtung Euphrat geflohen sei. Septimius wolle ihm nachsetzen, um ihn hinzurichten und die für ihn eingestellten parthischen Vasallenstaaten zurechtzuweisen.
Wir hoffen, daß unser Kaiser von dieser expeditio Parthica bald zurückkehren möge.


WELTNACHRICHTEN

Parthia:

Der seit drei Jahren regierende Partherkönig Vologases, der fünfte Träger dieses Namens in ununterbrochener Folge - seinen ersten Sohn hat er ebenso genannt - beobachtet mit erkennbarem Vergnügen unsere Bürgerkriege. Nach wie vor betrachtet er das Römische Kaiserreich nur mit Geringschätzung und nennt es einen Kleinstaat an seiner westlichen Reichsgrenze. Wir wollen hoffen, daß uns von dort nicht eine neue Bedrohung erwächst.

China:

Die Bauernaufstände vor zehn Jahren haben das Reich in Bedrängnis gebracht. Es steht zu befürchten, daß das Ende der Han-Dynastie, welche seit vierhundert Jahren regiert, bevorsteht. Wie sich dies auf unsere Handelsbeziehungen mit China auswirken wird, ist noch ungewiß.

Germanien:

Noch ist es ruhig in den nördlichen Gebieten, und eine neue Gefahr ist momentan nicht zu erkennen. Mit Schaudern denken wir zurück an die Einfälle der Markomannen vor über zwanzig Jahren. Unsere tüchtigen Handwerker aus der Legio III Italia concors von Regensburg und der Cohors I Breucorum von Pfünz haben die Schäden nunmehr ausgebessert.

Unterpannonien:

Vom Ufer der Save, dem Heimatland unserer Pfünzer Soldaten, erreichten uns freundliche Grüße der illyrischen Bevölkerung vom Stamme der Breuker. Viele Eltern grüßen ihre Söhne in der Fremde und hoffen auf ein Wiedersehen in Gesundheit.
Mit ihrer Militärrente haben sich schon viele Söhne dieses Landes als Veteranen dort niedergelassen und es zu einem gewissen Wohlstand gebracht.


REGIONAL-BERICHTE

Weißenburg:

Die Türme am Nordtor des Kastells BIRICIANA sind nun fertiggestellt. Sie wurden nach dem Vorbild unseres großen Legionskastells in Regensburg erbaut. Nun sind sowohl die Limesmauer als auch die Kastelle Weißenburg, Pfünz, Kösching, Pförring und Eining aus Stein errichtet worden. Mögen sie zukünftigen Germaneneinfällen standhalten.

Kempten:

Am Nordrand des Ortes CAMBODVNVM hat sich im Verlauf dieses Jahrhunderts ein derart ausgedehnter Tempelbezirk entwickelt, wie er in Raetien seinesgleichen suchen kann. Sollte jemand dorthinkommen, so wird er gebeten, diese Anlage unbedingt aufzusuchen. (Gilt vor allem für die Rekonstruktion des 20. Jhs.)

Faimingen:

Der Tempel des keltischen Heilgottes Apollo-Grannus in FOEBIANA hat sich mittlerweile zu einem überregionalen Kultzentrum entwickelt. Zahlreiche Opfergaben und Votive sind gespendet worden.

Regensburg:

Der Tempel des Merkurius beim großen Legionslager CASTRA REGINA ist kürzlich eingeweiht worden.


HOFBERICHTE

Neuer Aureus

Soeben erreichte uns eine Beschreibung des neuesten Goldstückes aus der Münze in Rom, ein Aureus vom Jahre 946 a.u.c. Auf der Vorderseite ist der Kopf des Kaisers Septimius Severus zu sehen. Mit der Umschrift L. SEPT. SEV. PERT. AVG. IMP. II. erweist der Augustus dem verehrten Pertinax die Ehre, indem er dessen Namen dem seinen anfügt.
Die Rückseite mit DIS. AVSPICIB. zeigt Herkules mit Keule und Löwenfell sowie Bacchus mit Weinkrone, Thryrsusstab und dem Panther; dazu das Datum TR.P. COS.II. P.P. (= 194, nach der Zählung der sich so stark vermehrenden Anhänger des Christus). Unser verehrter Kaiser stellt uns damit die Dii Auspices (die Schutzgötter) seiner Geburtsstadt Leptis Magna in der Provinz Africa, einer phönikischen Gründung, vor.
Leider können wir Ihnen, verehrte Leser, kein Bild dieses so seltenen Aureus zeigen, da er offenbar nur als Geschenk an ausgewählte hochgestellte Personen vergeben wurde.
Diese Prägung soll uns jedoch ein Anlaß sein, den bisherigen Lebenslauf unseres Kaisers hiermit vorzustellen:

Septimius Severus

Der heute 48jährige Septimius Severus entstammt einer wohlhabenden phönikischen Familie, welche schon lange das römische Bürgerrecht besitzt. Seine Eltern waren P. Septimius Geta und Fulvia Pia.
Septimius Severus schlug nach seinem Studium die Beamten- und Soldatenlaufbahn ein, er war Legat der Provinz Afrika, Volkstribun, Praetor in Spanien, dann Legionslegat in Syrien, wo er den damaligen Statthalter P. Helvius, genannt Pertinax (der Hartnäckige), kennen und schätzen lernte.
Vor sechs Jahren war er Statthalter der Gallia Lugdunensis, vor drei Jahren wurde er Statthalter von Oberpannonien mit Sitz in Carnuntum und damit kommandierender General der dortigen Truppen.
Am 1. Januar 193, dem Tag nach der Ermordung des unseligen Kaisers und Gladiators Commodus, wurde P. Helvius Pertinax, welcher damals Senator und Präfekt der Stadt Rom und damit Stellvertreter des Kaisers war, von den Mördern zum Imperator ausgerufen. Septimius Severus ließ diesem sofort sein Treuebekenntnis übermitteln.
Pertinax, ein Ehrenmann, sorgte sich um den Senat und die Bevölkerung, erwartete aber auch Disziplin von den Soldaten. Letzteres machte ihn besonders bei den Prätorianern derart unpopulär, daß sie am 28. März 193 den Palast stürmten und Pertinax nach einer Regierung von nur 86 Tagen ermordeten.
Daraufhin versteigerten sie den Kaisertitel an den Meistbietenden; der wohlhabende Senator M. Didius Julianus erhielt den Zuschlag für 25.000 Sesterzen pro Mann.
Drei Gegenkaiser ausgerufen
Die empörte Bevölkerung sandte ein Hilfeersuchen an C. Pescennius Niger, den Statthalter in Syrien, einen verdienten Militär und Consul des Jahres 190. Aber auch Decimus Clodius Septimus Albinus, Statthalter in Britannien, beantwortete den Ruf.
In gleicher Weise wurde Lucius Septimius Severus (der Strenge) von seinen Truppen in Carnuntum am 9. April 193 zum Kaiser proklamiert und von allen Legionen des Donauraumes und am Rhein bestätigt.
Julianus, den die Prätorianer verlassen hatten, wurde vom Senat abgesetzt und am 2. Juni nach einer Regierung von nur 66 Tagen enthauptet.
Septimius Severus hatte Clodius Albinus den Titel Caesar (= Thronfolger) angeboten und konnte, da er Rom am nächsten war, auch ungehindert als erster dort einmarschieren.
Er löste die Prätorianergarde auf und bildete eine neue Leibwache, die großenteils aus altgedienten Legionären bestand; ihr Jahressold wurde auf 500 Danare erhöht.
Pertinax wurde im Vorjahr divinisiert und Septimius nahm dessen Namen an; seine Münzen zeichnete er mit: L.SEPT.SEV.PERT. AVG. IMP.II...
Der Kaiser ist ständig bemüht, Verwaltung und Rechtspflege zu verbessern; hierzu berief er kürzlich die kundigsten Juristen unserer Zeit.


 

"Ich möchte meinen Gatten auch weiterhin beraten!"

Interview mit der Kaiserin Julia Domna
Nachdem seine erste Gattin Paccia Marciana kinderlos verstorben war, heiratete Septimius Severus 185 die Syrerin Iulia Domna.
RÖMER-KURIER (RK): "Was können Sie uns über Ihre Familie erzählen?"
Julia: "Ich stamme aus der Priesterfamilie von Emesa in Syrien. Wir haben dort sehr großen Einfluß. Ich denke, von meiner Schwester Julia Maesa werden wir noch einiges hören."
RK: "Wie gefällt es Ihnen in Rom?"
Julia: "Ich war bereits als junges Mädchen hier und habe da meinen Mann kennengelernt. Ich war hier immer sehr zufrieden."
RK: "Welches war Ihr syrischer Name?"
Julia: "Mein heimischer Name war Martha, dieser besagt dasselbe wie Domna, also Gebieterin.
RK: "Stimmt es, daß der Kaiser an Astrologie glaubt?"
Julia: "Ja, er läßt sich auch bei wichtigen Entscheidungen davon beeinflussen. Er ist, obwohl römischer Bürger, schließlich phönikischer Herkunft. Und die Astrologie kommt ja auch aus dem Orient."
RK: "Man sagt, der Kaiser solle Sie zur Gemahlin gewählt haben, weil ihm Ihr Horoskop für seine Berufschancen günstig erschienen ist?"
Julia, amüsiert lächelnd: "Geben Sie nicht soviel auf den Hofklatsch, ich habe das etwas anders in Erinnerung."
RK: "Sie sind eine beneidenswert hübsche Frau und außerdem sehr gebildet. Das wird wohl der Heiratsgrund gewesen sein."
Julia: "Ich denke dieses auch und bedanke mich für Ihr Kompliment. Sie haben recht, ich umgebe mich gerne mit Wissenschaftlern, Literaten und Philosophen. Ich glaube, ich kann da auch recht gut mithalten."
RK: "Welche Göttin ist Ihnen sympathisch?"
Julia: "Natürlich Juno, und dann auch die kleinasiatische Große Mutter Kybele."


RK: "Erzählen Sie, bitte, unseren Leserinnen etwas über Ihre beiden Söhne?"
Julia: "Septimius Bassianus, unser ältester, wurde am 4. April 188 in Lugdunum geboren. Jetzt mit sechs Jahren trägt er immer noch gerne die lange gallische Tunica, und nach dieser nennen wir ihn auch Caracalla. Er ist etwas eigensinnig; er will unbedingt einmal Kaiser werden.
Der jüngere, P. Septimius Geta, ist am 27. Mai 189 zur Welt gekommen und ist ein eher ruhiger und bescheidener Knabe.
Hoffentlich vertragen sich die beiden später, wenn sie groß sind!"

RK: "Wie stehen Sie zum Mitregenten Ihres Gatten, dem Caesar Clodius Albinus in Britannien?"
Julia: "Wir haben ein gutes Verhältnis zu ihm und haben ihm auch erlaubt, in Rom Münzen zu prägen. Erst kürzlich haben wir auch eine seiner Münzenrückseiten übernommen, auf welcher er seinen heimatlichen Baal Hammon gepriesen hat. Clodius stammt ja aus der Stadt Hadrumetum in Afrika."
RK: "Wie wird es weitergehen?"
Julia: "Erst muß Pescennius Niger besiegt sein, dann sehen wir weiter."
RK: "Zum Militär hat Ihr Mann ja ein sehr gutes Verhältnis."
Julia: "Das lassen wir uns auch etwas kosten. Das Donativum, das Dankesgeschenk für die Ausrufung zum Imperator, haben 12 Legionen erhalten.
Im vorigen Jahr hatten wir dann auch bereits unsere 1. Liberalität gegenüber den Soldaten, 10.000 Sestertien pro Mann!
Wenn der teure Bürgerkrieg vorbei ist, dann werden wir uns die nächste Freigiebigkeit leisten können, und die wird dann bestimmt nicht geringer ausfallen."
RK: "Den ermordeten Pertinax hat Ihr Mann wohl sehr verehrt?"
Julia: "Ja, seit er ihn damals in Syrien kennengelernt hatte. Pertinax war ein aufrechter Römer und wir haben ihn ja auch vor einem Jahr zum Gott erklärt.
Nachträglich hatten wir da ein prachtvolles symbolisches Begräbnis veranstaltet und seinen Leichnam in Wachs nachmodellieren lassen. Mein Mann hat auch dessen Namen dem seinen angefügt. Sie sehen, wir haben ganz legal die rechtmäßige Nachfolge angetreten."



VERKÄUFE


Silberschmiede Biriciana


Unsere Silberschmiede stellt preiswert Votivfiguren aller Art her.
Insbesondere bieten wir getriebene Votivbleche aus Silber an, welche Ihre keltischen Gottheiten in römischer Interpretation zeigen.
Unser beliebtestes Motiv ist eine Trias aus Minerva, Apollo und Merkurius. Durch die Tiere Eule, Rabe und Hahn, sowie die Attribute Waffen, Leier und Geldbeutel sind die drei römischen Götter unverkennbar zu identifizieren. Auch die Haupteigenschaften des einheimischen Gottes - Schutz, soziales Leben und Wohlstand - sind eindeutig erkennbar.
Die Bleche sind auf kurzen Stäben montiert und können ohne Mühe im jeweiligen Heiligtum aufgestellt werden.
Besuchen sie uns, wir liefern in jeder Preislage.
Wir haben auch kleine Bronzeplastiken auf Lager.

Silberschmiede Biriciana


Kurt Scheuerer, Ingolstadt, 1994


Impressum - Nachricht hinterlassen: Kurt Scheuerer, D 85049 Ingolstadt
Zurück zur Auswahl Antike
Zurück zur Homepage Kurt Scheuerer