Amun-Tempel, Widderallee. Foto: D. Wildung Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Antike
Naga - Stadt in der Steppe
Geleitwort und Vorwort zur Ausstellung

 

Geleitwort

Die Museen Deutschlands prägen nachhaltig den internationalen kulturellen Dialog, sie schaffen neue Sichten und Einsichten. Als Leihgeber und Leihnehmer setzen sie einen Kulturbegriff um, der keine Grenzen kennt, und greifen in ihrer weltweiten kollegialen Zusammenarbeit einer Entwicklung vor, die auf politischer Ebene oft noch Vision ist.

Als Forschungsinstitute sind die deutschen Museen in ihren Feldforschungsprojekten auf allen Kontinenten aktiv. Die institutionelle Einbindung dieser Unternehmungen spielt dabei in der Außenwirkung der Projekte keine nennenswerte Rolle. Ungeachtet ihrer Finanzierung durch Kommunen, Länder oder aus Bundesmitteln stehen sie für das vielfältige Engagement deutscher Forscher in aller Welt.

Die von Bund und Ländern gemeinsam getragene Stiftung Preußischer Kulturbesitz sieht sich in der föderalistischen Tradition deutscher Kulturpolitik. Ihre Projekte - oft in Zusammenarbeit mit Institutionen der Bundesländer durchgeführt - spiegeln die Vielfalt der Forschung im ganzen Land. Es ist folglich das Bestreben der Stiftung, die Bundesländer am Fortgang und an den Ergebnissen der Stiftungsprojekte teilhaben zu lassen.

Die Ausstellung des Ägyptischen Museums über das Grabungsprojekt im Sudan verwirklicht beispielhaft diese Zielsetzungen. Sie berichtet über ein Unternehmen, das im Gastland Sudan auf offizieller Ebene große Beachtung findet und einen stabilisierenden Faktor in den Beziehungen beider Länder bildet.

Ingolstadt mit seinem Deutschen Medizinhistorischen Museum hat schon mehrfach multidisziplinäre Ägypten-Ausstellungen gezeigt. Die geistesgeschichtliche Bedeutung der einstigen Universitätsstadt (die heute in diese Rolle zurückgekehrt ist) macht sie auf der Achse München - Berlin zu einem idealen Ort für die Präsentation eines Forschungsvorhabens, in das sich über die Stiftung Preußischer Kulturbesitz alle Bundesländer einbezogen wissen dürfen.

Klaus-Dieter Lehmann
Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz


Vorwort

In schöner Eintracht teilten sich Bayern und Preußen den ersten Schatzfund, der aus dem antiken Niltal nach Europa gelangte. Ludwig I. und Friedrich Wilhelm IV. legten 1839 bzw. 1845 mit der Erwerbung je einer Hälfte des Goldschmucks der meroitischen Königin Amanischacheto in München und Berlin den Grundstock für zwei bedeutende Sammlungen antiker Kunst des Sudan. Eineinhalb Jahrhunderte mußten ins Land gehen, bis dieser meroitische Schatz wieder zusammenfand. In einer Sonderausstellung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wurde »Das Gold von Meroe« 1992 anläßlich der Internationalen Meroitistenkonferenz in Berlin erstmalig in seiner Gesamtheit gezeigt, ging dann auf Deutschlandtournee und weiter nach New York, Toronto und Turin.

Einer internationalen Öffentlichkeit wurde durch diese Ausstellung die fast unbekannte Welt des antiken Sudan erschlossen. Die Breitenwirkung der Ausstellung blieb der Altertümerverwaltung des Sudan nicht verborgen, und so entwickelte sich alsbald ein enger, von gegenseitigem Wohlwollen geprägter Kontakt zwischen dem Ägyptischen Museum Berlin und der National Corporation for Antiquities and Museums in Khartum - eine folgenreiche Begegnung. Zur Feldforschung im Sudan eingeladen, stellte das Ägyptische Museum Berlin einen Antrag auf eine Konzession für die größte und interessanteste der zahlreichen noch nicht erforschten archäologischen Stätten im Nordsudan, für die antike Stadt Naga. Bereits Anfang 1994 wurde die Grabungskonzession erteilt.

Seit 1822 bekannt, 1844 von Richard Lepsius im Verlauf der preußischen Niltal-Expedition in seinen sichtbaren Resten dokumentiert, war Naga eineinhalb Jahrhunderte unberührt geblieben. Die Förderung des 1994 begonnenen Projekts durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Unterstützung seitens der Westdeutschen Gipswerke Gebrüder Knauf sowie des Vereins zur Förderung des Ägyptischen Museums Berlin e.V. geben dem Berliner Team die Möglichkeit, sorgfältig mit einem Ökotop umzugehen, in dem Naturlandschaft, Nomadenbevölkerung und antike Stadt eine noch ungestörte Symbiose eingegangen sind und die Lebensbedingungen erahnen lassen, die vor zwei Jahrtausenden in dieser weitab vom Niltal gelegenen Stadt geherrscht haben mögen.

Während die Grabung Anfang 1999 ihre fünfte Kampagne erlebt, werden erste Ergebnisse in einer Sonderausstellung vorgestellt, in der die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Forschungsaktivitäten des Ägyptischen Museums als einer ihrer Institutionen präsentiert. Da nicht vorausgesetzt werden kann, daß das historische und kulturelle Umfeld dieser meroitischen Stadt dem Besucher bekannt ist, schließt sich in der Ausstellung an die Dokumentation über das Naga-Projekt ein Überblick über die Geschichte des antiken Sudan an, der in Originalobjekten zurückführt bis ins 5. Jahrtausend v. Chr.

Die Begleitpublikation nimmt dieses Konzept auf und stellt dem Bericht über die Arbeit in Naga einen historischen Abriß des nubisch-sudanesischen Niltals voran, in dessen Abbildungen auch die Faszination der archäologischen Stätten dieses unbekannten Teils des Niltals einfließt.

Ausstellung und Publikation sind eine Einladung, eine terra incognita der Archäologie zu entdecken.

Dietrich Wildung


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