Logo Kurt Scheuerer Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Archäologie in Bayern
Ausstellungstexte
Bernsteinperlen & Bronzeschwerter

 
Plakat
Bernsteinperlen &
Bronzeschwerter

Landshut und Niederbayern
im Zeitalter der trojanischen Helden

Ausstellungstexte 1

 


Die Bronzezeit (ca. 2200-750 vor Christus)

Als Bronzezeit wird jener Abschnitt der Urgeschichte bezeichnet, in der die Bronze - eine Legierung aus Kupfer und Zinn (oder auch Arsen oder Antimon) - den Stein als vorherrschenden Werkstoff für Geräte, Waffen und Schmuck ablöste.
Anhand der Grabsitten wird die Bronzezeit in Mitteleuropa in drei Zeitabschnitte unterteilt.
  • Für die Frühbronzezeit (ca. 2200-1500 v. Chr.) sind Körperbestattungen in Flachgräbern typisch.
  • In der Mittelbronzezeit (ca. 1500-1250 v. Chr.) dominieren Bestattungen in Grabhügeln, weshalb sie auch als Hügelgräberbronzezeit bezeichnet wird.
  • In der Spätbronze- oder Urnenfelderzeit (ca. 1250-750 v. Chr.) wird Totenverbrennung mit anschließender Beisetzung in Urnengräbern üblich.
Während es in Süddeutschland bereits ab dem 4. Jahrtausend v. Chr. in beschränktem Maße zur Herstellung von Gegenständen aus Kupfer kam, wurden in der Bronzezeit nun zum ersten Mal größere Mengen an Kupfererz verarbeitet und legiert. Auch Gegenstände aus Gold werden häufiger. Artefakte aus Bronze sind elastisch und hart und von leuchtend goldenem Glanz. Sie bekommen jedoch bald eine grüne Patina, so wie es der meisten der hier ausgestellten Gegenstände zu beobachten ist.
Die Produktion und die Verarbeitung von Bronze erforderten Kenntnisse von Spezialisten, so daß es zur Herausbildung 'neuer' Berufe kam: z.B. "Erzsucher", Bergleute, Gießer und Schmiede.
Mit der Einführung des neuen Metalls wurden die Menschen abhängig von der Rohstoffzufuhr. Regionen mit Erzvorkommen bekamen größere Bedeutung. Wer über Rohstoffe und Handwerker verfügte, konnte reich und mächtig werden.
Die Routen der Verkehrswege, über die Kupfer aus den Alpen nach Norden transportiert wurden, verliefen auch durch Niederbayern. Die damaligen Bewohner des mittleren Isartales hatten als Anrainer dieser Fernverbindungen, die sie wohl eine gewisse Strecke lang auch kontrollierten, Zugang zu Rohmetall. Zusammen mit der besonderen Fruchtbarkeit der Böden dürfte dies für die Fülle bronzezeitlicher Fundstellen in Landshut und Umgebung verantwortlich sein.
Überhaupt hatte Südostbayern als Ganzes durch den Anschluß an das Flußsystem der Donau Anteil an weitreichenden Kulturkontakten, die über die Regionen im Karpatenbecken und auf dem Balkan bis an die Küsten des Schwarzen Meeres und in den Bereich der Hochkulturen des östlichen Mittelmeerraums in Griechenland (Kreta und Mykene) und Anatolien (Hethiter) reichten.

Tod und Jenseits - Gräber als Spiegel des Lebens

Seit jeher verband der Mensch mit dem Tod und der Bestattung vielfältige Vorstellungen. Auch in der Bronzezeit spiegeln sich im Totenritual, also in Grabbau, Grabritus und Grabausstattung, Jenseitsvorstellungen wider. Die Gräber geben uns aber auch Auskunft über die gesellschaftliche Stellung des Verstorbenen.
Zur Grabausstattung gehörten neben Beigaben wie Keramikgefäßen mit Speise und Trank vor allem Trachtschmuck, Waffen und Gerät.

Hügelgrab-Modell
Während in der Frühbronzezeit die Toten in Süddeutschland in Flachgräbern in Hockerlage bestattet wurden, begannen die Menschen um die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr., ihre Toten in monumentalen Grabhügeln beizusetzen. Einzeln oder in Gruppen stellen diese Grabhügel teilweise auch heute noch auffällige Geländepunkte dar, um die sich zuweilen Legenden ranken. Besonders auf den jetzt bewaldeten Höhen am Rande des Isartales haben sich einige Hügelgräber bis heute erhalten. So liegen zum Beispiel in der Nähe von Schatzhofen bei Furth zahlreiche, noch immer gut sichtbare Grabhügel. Manchmal befinden sie sich auch an alten Fernwegen, so etwa zwischen den Tälern von Isar, Vils und Laaber. Im Isartal selbst sind alle oberirdischen Spuren derartiger Totenmonumente in der Regel durch die Landwirtschaft zerstört.
In der nachfolgenden Urnenfelderzeit werden die Toten auf dem Scheiterhaufen verbrannt und ihre Asche in einer Grabgrube oder Urne beigesetzt.

Bernstein

Bernstein ist eine Sammelbezeichnung für fossile Harze von Laub- und Nadelbäumen, besonders von Pinienarten. Sein Name kommt vom altdeutschen Wort "Börnen" = Brennen. Er entstand in der Zeit vor 20 bis 40 Millionen Jahren durch Untergang ganzer Wälder. Bekannte Fundstätten gibt es an der Ostseeküste und im ehemaligen Ostpreußen; kleine lokale Vorkommen finden sich in Spanien, auf Sizilien und in den Alpen.
Das Farbspektrum des Bernsteins reicht von gelblich über bräunlich bis ins Rötliche. Seine glänzende Oberfläche wird an der Luft jedoch schnell stumpf. Aufgrund seiner geringen Härte war er leicht zu bearbeiten. Beim Verbrennen entwickelt sich angenehmer Duft.
Bernstein war in der Bronzezeit ein beliebter Schmuck. Wie heute noch war er wohl bereits damals schon wegen der ihm zugeschriebenen magischen Wirkung begehrt: auch Plinius der Ältere schrieb ihm heilende und unheilabwehrende Kräfte zu. In der antiken Sagenwelt weinten die Heliaden, Töchter des Sonnengottes Helios, um ihren zu Tode gekommenen Bruder Phaethon Tränen aus Bernstein.
Auch in der Bronzezeit waren die wenigen Rohstoffgebiete des Bernsteins in ein System intensiven Gütertausches mit regionalen Märkten und Zwischenstationen auf dem langen Weg nach Süden eingebunden.
Anhand der geographischen Verteilung der Funde lassen sich "Handelsrouten" des Bernsteins, die sogenannten Bernsteinstraßen, erkennen.
Bernstein von der Ostsee gelangte über den Donau-Karpatenraum und den Balkan bis in die Ägäis, wo er unter anderem in Troja und Mykene weiterverarbeitet wurde. Fertigprodukte gelangten von dort wiederum nach Norden.

Vitrine 2
Eine Bernsteinkette kam in einem Grabhügel von Pörndorf zutage (vgl. Vitrine 2), und in der gleichen Nekropole fand man eine mykenische Fayence-Perle.
Diese beiden Stücke belegen eindrucksvoll die weitreichenden internationalen Beziehungen zwischen Nord und Süd.
 

Geschmückt ins Jenseits

Für die süddeutsche Bronzezeit gibt es keine bildlichen Darstellungen oder Beschreibungen von Kleidung und Schmuck der Menschen. Unsere Kenntnisse stützen sich deshalb vorrangig auf Gräber, in denen Toten in ihrer Tracht bestattet wurden. Dabei ist allerdings auch mit spezieller Totentracht zur rechnen.
Textilien oder Lederkleidung sind über die Jahrtausende hinweg meistens vergangen; nur aus Metall oder Bernstein und Bein gefertigte Bestandteile blieben erhalten.
Zudem wurden Gräber sehr häufig später wieder geöffnet und Beigaben entnommen. Heute mag uns dies durchweg als Frevel anmuten; doch dürfte es auch Fälle gegeben haben, in denen das Öffnen der Gräber von der jeweiligen Gesellschaft zur Materialentnahme offiziell geduldet war.
Aus diesen Gründen sind alle Rekonstruktionen, was Lage und Funktion der metallenen Trachtbestandteile (wie Nadeln, Gewandbesatz, Amulett- und Schmuckketten), den Schnitt der Gewänder, das Material und selbst die Farben der Stoffe betrifft, mit Unsicherheiten behaftet.
Auszugehen ist jedoch davon, daß sich auch damals schon die Menschen die Haare färbten, sich tätowierten, schminkten und bunt bestickte und gefärbte Kleidung trugen, was man als Besucher in Museen angesichts der meist stark verblaßten oder patinierten bzw. korrodierten Objekte heute kaum glauben mag.

Vitrine
Typische Bestandteile der zuweilen ausgesprochen reichen Frauentracht in Süddeutschland waren meist ein Paar von Gewandnadeln, ring- und röhrchenförmiger Haar- oder Haubenschmuck, Halsschmuck aus Bronze und Bernstein- oder Glasperlen, Scheiben und kleine Blechhütchen (Tutuli) als Kleiderbesatz, Gürtel verschiedener Form sowie und Arm-, Finger- und Fußringe.

Sicherlich gab es auch Schmuck aus Leder, Federn und Textilien. Er ist aber genauso wie die Kleidung sowie Schminke, Bemalung und Tätowierung nicht erhalten.

Männer trugen im Gegensatz zu Frauen nur eine Gewandnadel. Abgesehen von einem Arm- oder Fingerring wurden ihnen häufig Waffen und Gerät ins Grab mitgegeben: Schwerter, Dolche, Streitbeile oder -meißel und Streitäxte, Rasiermesser und Pinzetten können in voneinander abweichenden Kombinationen enthalten sein.
In der unterschiedlichen Tracht spiegelte sich die Zugehörigkeit zu verschiedenen sozialen Gruppen und Rängen, der Familienstand, die Altersgruppe etc. wider.
Wie auch noch im heutigen traditionellen Brauchtum ließ sich in der Bronzezeit anhand der Tracht die Herkunft erkennen. So ähnelte zur Zeit der Hügelgräberkultur beispielsweise die Tracht niederbayerischer Damen besonders derjenigen von Frauen und Mädchen in der Oberpfalz, West- und Südböhmen sowie Ober- und Niederösterreich. Viele Elemente lassen sich mit der Frauentracht im mittleren Donauraum bis nach Südungarn und Nordjugoslawien hinein verbinden.
Die in Niederbayern getragene "donauländische" Tracht unterschied sich in manchen Bestandteilen hingegen recht deutlich von der Frauentracht auf der Schwäbischen Alb, in der Rheinebene, im Saar-Mosel-Raum, Hessen und Norddeutschland.

Trotz modischen Wandels bleibt die Beigabenausstattung von Frauen und Männern auch in der folgenden Spätbronzezeit im Prinzip gleich. Wie in der Mittelbronzezeit werden Männer mit Schwert, Lanze, Pfeil und Bogen und Frauen mit einem Paar großer Gewandnadeln, Ring- und Halsschmuck bestattet.

Radnadeln

Kleidung
Radnadeln sind in der Regel Bestandteil der Frauentracht und werden paarweise getragen.
Sie haben ein weites Verbreitungsgebiet: man findet sie von Frankreich über Bayern und Österreich bis nach Ungarn, wobei sie besonders häufig in Hessen sind.
Die hier gezeigten, aus einem Grabhügel von Ihrlerstein stammenden Radnadeln zeigen ein doppeltes Speichenkreuz und besitzen eine Öse zur Befestigung eines Fadens, mit dem die Nadel vor dem Herausrutschen aus dem Stoff gesichert werden konnte.
Das Rad war allem Anschein nach kein bloßes Ziermotiv, sondern auch ein Zeichen mit Symbolgehalt aus der Vorstellungswelt von Sonnenrad und Sonnenwagen etc.
 

Die Lady aus LA

Lady
Rekonstruierte Tracht- und Schmuckausstattung einer Frau der Hügelgräberkultur Niederbayerns
Die Dame trägt ein Kleid und ein Schultertuch. Beides wurde zwar nach in nordischen Baumsärgen erhaltenen Vorbildern rekonstruiert, doch ist davon auszugehen, daß auch hier ähnliche Kleidung getragen wurde.
Ihr Haar schmückte die Dame mit spiralig gerollten Ringen ("Lockenringen"). Um den Hals trug sie eine Bernsteinkette. Das Schultertuch steckte sie mit zwei Radnadeln an dem mit Tutuli (Bronzeblechhütchen) besetzten Gewand fest. Gerippte Armringe zierten ihre Handgelenke. Fingerringe vervollständigten das Tracht- und Schmuckensemble.
Die metallenen Trachtbestandteile sind aus Grabhügeln von Ihrlerstein, dem Hienheimer Forst und Pörndorf zusammengestellt und stellen eine ideale Rekonstruktion nach vollständig überlieferten Funden dar.
 

Hortfunde: Gaben an die Götter, in Notzeiten Verstecktes oder Schrott?

Das Phänomen der Deponierungen und Hortniederlegungen gab es zwar fast zu allen Zeiten in unterschiedlicher Häufigkeit, aber besonders charakteristisch ist es für die Früh- und Spätbronzezeit.

Vitrine 1
In Horten werden ganz verschiedene Gegenstände in unterschiedlicher Zahl und Kombination gefunden. Typisch sind Niederlegungen von Rohmaterial und Gußformen (vgl. Vitrine 1), aber auch von vollständigen und (absichtlich?) zerbrochenen Gegenständen wie Schmuck, Waffen, handwerklichem Gerät, Gefäßen und Zeremonialgegenständen wie der Prunkaxt in dieser Vitrine.

Für manche Deponierungen wählten Menschen offenbar besondere Orte aus, die als naturheilige Orte angesehen wurden. So werden viele Depots heute an topographisch herausragenden Plätzen wie Bergspornen, Felsspalten und Höhlen oder auch in Gewässern (z.B. Flüssen, Seen, Mooren und Quellen) entdeckt.
Doch warum verbargen oder opferten die Menschen für sie so wertvolle Gegenstände?
Die Gründe für diese Deponierungen, die uns zuweilen als Schatz- oder Hortfunde erscheinen, bleiben uns verschlossen.
Aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung und der Niederlegungsorte könnten die Motive kultischer, aber auch profaner Art gewesen sein: wir denken an Weihegaben oder Opfer für die Götter, einfache Warendepots oder Verstecke wertvoller Gegenstände, die auf der Flucht vor Feinden oder Räubern - dabei kann es sich durchaus auch um die Nachbarn gehandelt haben - verborgen wurden und von ihren ursprünglichen Eigentümern niemals wieder gefunden wurden.
Zu solchen Deponierungen in lebensbedrohenden Situationen kam es bis in die jüngste Vergangenheit, in Deutschland zuletzt gegen Ende des 2. Weltkrieges.

"Kultaxt" aus Krottenthal (Lkr. Dingolfing)

Als "Kultäxte" werden solche Äxte bezeichnet, die sich deutlich in Form, Qualität und Größe von den gewöhnlichen Beilen dieser Zeit unterscheiden. Ihre Funktion ist im Bereich von Prunk, Repräsentation und Zeremonien zu suchen.
Auffällig an der Kultaxt von Krottenthal ist ihre singuläre Form mit der geschweiften Schneide, ihr geringer Gebrauchswert und die Ornamente (Dreiecke, Punktreihen, Buckel), hinter denen sich Symbole (möglicherweise astrale Motive) verbergen dürften, wie auch die Axt selbst Symbol war. Vergleichbare Äxte mit weit ausladenden Schneiden findet man häufig auf nordeuropäischen Felsbildern, auf denen offenbar Zeremonien dargestellt wurden, bei denen man diese Äxte für Opferhandlungen benutzte.

Gezackte Nadel (süddeutsch-nordschweizerischer Typ)

Die gezackten Nadeln, auch Trompetenkopfnadeln genannt, bestehen aus mehreren Einzelteilen: einem Schaft mit ausschwingendem Kopf und mehreren gruppenweise angeordneten Spulen, die manchmal beweglich sind.
Bei der hier gezeigten Nadel aus Altdorf (Lkr. Landshut) handelt es sich um das östlichste Stück dieser auffälligen Nadelform, die von Süddeutschland bis in die Nordschweiz reicht. Vergleichbare Nadeln gibt es auch in Südfrankreich und bis zum westlichen Mittelmeer.
Als die Nadel von Altdorf vor über 140 Jahren entdeckt wurde, glaubte man, daß es sich wegen ihrer Länge nur um ein Schwert handeln könne. Im Hinblick auf die möglichen Funktionen ist dieser erste Eindruck nicht abwegig, wie bei dem griechischen Geschichtsschreiber Herodot zu lesen ist:
Nach einer Niederlage kehrte nur ein einziger überlebender Krieger in die Heimat zurück. "Aber die Frauen der Krieger, die gegen Ägina gezogen waren, gerieten in solche Aufregung darüber, daß er alleine gerettet worden sei, daß sie ihn umringten, auf ihn von allen Seiten mit ihren Kleidernadeln einstachen und dabei nacheinander fragten, wo ihr Mann geblieben sei. Auf diese Weise kam er zu Tode." (Herodot, Historien V, 87)

Helm

Helm
In Süddeutschland sind Metallhelme erstmals seit der Spätbronzezeit nachgewiesen. Vom Orient aus breitete sich diese Innovation im letzten Drittel des 2. Jahrtausends über den spätmykenischen Kulturbereich und Italien bis nach Mittel- und Nordeuropa aus. Nach ihrer Form werden Kappen-, Glocken- und Kammhelme unterschieden.
Ein solcher Kammhelm ist der hier gezeigte von der Pockinger Haid (Lkr. Griesbach). Er besteht aus zwei getriebenen Blechhälften, die sich unten an der Stirn- und Nackenseite überlappen und hier mit großen Kegelnieten verbunden sind. Oben laufen die Bleche zu einem Kamm aus, an dessen Rand das eine über das andere geschlagen ist.
Der Helm ist sicher nicht nur beim Kampf getragen worden, sondern ebenso bei zeremoniellen Anlässen als Würdezeichen eines hohen Herrn. Darauf weisen unter anderem die merkwürdigen Fundumstände aller vergleichbaren Helme in ihrem Verbreitungsgebiet von Norditalien bis Norddeutschland hin, die niemals in den Gräbern ihrer Träger, sondern stets in Horten oder Gewässern deponiert wurden. Auch der Helm von Haid wurde in ehemals sumpfigem Gelände entdeckt.

Schwerter

Schwerter
Die ältesten Langschwerter in Süddeutschland stammen aus dem 15. Jahrhundert v. Chr und haben ihre direkten Vorbilder im Donau-Karpatenraum, die ihrerseits auf Vorbilder aus dem kretisch-mykenischen und dem hethitischen Kulturbereich zurückgehen. Kurzschwerter oder Langdolche begegnen uns bereits seit dem 16. Jahrhundert v. Chr.
Waren Dolche und Schwerter zunächst meist schlanke Stichwaffen, so wurde gegen Ende der Bronzezeit das Gewicht zur Spitze hin verlagert. Dies deutet auf eine Nutzung als Hiebwaffen hin.

Das Schwert war auch ein Symbol für Macht und Würde. Als repräsentative Waffe folgte es dem vornehmen Krieger mit ins Grab.
Neben der Kriegergräbern wurden Schwerter bisweilen in der Erde und auch in Gewässern deponiert.
Bei den hier ausgestellten Schwertern handelt es sich um ein Achtkantschwert, zwei Riegseeschwerter und ein Rundknaufschwert (von unten nach oben). Der Griff des Achtkantschwertes ist mit Horizontallinien und Kreisen verziert, die als ornamental verwendete Sonnensymbole angesehen werden dürfen.
Die beiden Schwerter in der Mitte werden als Riegseeschwerter bezeichnet. Dieser Name leitet sich von dem Ort Riegsee (Lkr. Weilheim) her, wo in einer bekannten Grabhügelgruppe reiche Funde der späten Bronzezeit gemacht wurden.
Das Rundknaufschwert trägt eine Elfenbeinplatte auf dem Knauf. In den Griff sind Eiseneinlagen eingearbeitet, die mit ihrer silbrig-schwarzen Farbe stark gegen die früher goldgelbe Bronze abstachen. Eisen war zu dieser Zeit noch sehr selten und stellte eine "exotische" Kostbarkeit dar. Es wurde nur in geringen Mengen verarbeitet, beispielsweise als Ziermaterial in Bronzegegenständen.

Sichel

In der Landwirtschaft setzte sich ab dem 16./15. Jahrhundert v. Chr. der Gebrauch von metallenen Sicheln als Erntegerät durch.
Zuvor besaßen Sicheln eine Schneide aus Feuersteinklingen.
Angebaut wurden neben Kohl, Linsen, Erbsen, Rüben und Ackerbohnen hauptsächlich Weizen, Gerste, Emmer, Einkorn, Hirse und Hafer.
Neben ihrer praktischen Funktion als Erntegerät waren Sicheln als Wertobjekte von Bedeutung.
Ab der Mitte des 2. Jahrtausends treten sie ganz oder zerbrochen in Horten auf. Nur knapp drei Prozent aller Sicheln stammen aus Gräbern.
Landwirtschaft bildete die Lebensgrundlage des bronzezeitlichen Menschen. Sicheln könnten in diesem Zusammenhang mit Fruchtbarkeit, reicher Ernte und Erntedank in Verbindung gebracht werden.

Händlerversteck oder Totenschatz? - Der Hortfund von Winklsaß

Dass er einen Goldschatz gefunden hätte, das dachte ein Waldarbeiter, als er 1911 beim Roden in der Nähe der Ortschaft Winklsaß (Lkr. Landshut) auf über 100 Schmuckstücke, Messer und Waffen stieß, die größtenteils verbogen oder unbrauchbar gemacht worden waren und zusammen über 13 Kilo wogen. Hauptlehrer Pollinger verzeichnete, "... er [der Arbeiter] füllte alles in seinen Schurz und erklärte, jetzt arbeite er nicht mehr, denn alles sei Gold. Er eilte mit seinem Fund nach Neufahrn ins Wirtshaus und trank und trank. Er war von seiner Meinung, Gold zu haben, nur schwer abzubringen und hütete den Schatz und bedrohte jeden, der ihm ein Stück nehmen wollte." (zeitgenössische handschriftliche Aufzeichnungen des damaligen Vorsitzenden des Historischen Vereins von Niederbayern, Hauptlehrer Johann Pollinger. Ortsakten Bayer. Landesamt für Denkmalpflege Landshut).

Schatzfund
Auf den ersten Blick könnte man bei dem Hort von Winklsaß an ein Händlerversteck denken. Dafür spricht seine Zusammensetzung: der Hort besteht größtenteils aus Altmetall, also defekten Stücken (z.B. zerbrochenen Nadeln etc.) und Gußabfällen. Möglicherweise versteckte also ein Händler in Zeiten der Gefahr Bronzeabfälle, die eingeschmolzen werden sollten, im Boden, um sie später wieder zu heben.

Vielleicht handelt es sich bei dem Hortfund von Winklsaß aber auch um einen Totenschatz. Denn er enthält Gegenstände, die einem Krieger gehört haben könnten: einen Brustpanzer, Beinschienen, Lanzenspitzen, ein Stück einer Schwertklinge sowie Beile, Messer und ein Rasiermesser. Möglicherweise wurden diese Gegenstände als Teile der individuellen Ausstattung eines Kriegers unbrauchbar gemacht und der Erde anvertraut, um nicht mehr gehoben zu werden.

"... bestaunte Exoten...":
Beinschienen und ein Brustpanzer im Hort von Winklsaß (Vitrine 3)

Im Hort von Winklsaß finden sich zwei zunächst unscheinbar aussehende, doch auf den zweiten Blick außergewöhnliche Gegenstände. Es handelt sich hierbei um Bruchstücke einer Beinschiene und um das Fragment eines Brustpanzers.
In der Ägäis sind Beinschienen, wie auch die ältesten bekannten Brustpanzer, bereits im 15. Jahrhundert v. Chr. belegt, im Raum nördlich der Alpen in der Zeit nach 1300 v. Chr. Diese Funde zeugen von überregionalen Beziehungen zwischen der Ägäis, Italien und den Donauländern.
Ebenso wie Beinschienen und Bronzehelme besitzen die frühen Bronzepanzer in Mittel- und Westeuropa trotz ihrer Seltenheit eine weite Verbreitung. Die meisten stammen nicht aus Gräbern, sondern, wie erwähnt, aus Hortfunden.

 


siehe auch:


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