Logo Kurt Scheuerer Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Archäologie in Bayern
Ausstellungstexte 2
Bernsteinperlen & Bronzeschwerter

 

Die Spätbronze- oder Urnenfelderzeit

(13. - 8. Jahrhundert v. Chr.)

Die Urnenfelderzeit hat ihren Namen von der nun vorherrschenden Bestattungssitte, die Toten zu verbrennen und ihre Asche in einer Urne auf Friedhöfen, den sogenannten Urnenfeldern, beizusetzen. Daneben gab es immer noch, wenn auch seltener, Körperbestattungen.

Diese Zeit ist gekennzeichnet durch große Veränderungen im wirtschaftlichen, sozialen und religiösen Bereich. Zusätzlich zu einfachen, bäuerlichen Dörfern werden nun auch befestigte Höhensiedlungen, sogenannte "Burgen", von z.T. erheblichen Ausmaßen angelegt. So zum Beispiel auf dem Bogenberg bei Straubing, dem Frauenberg bei Weltenburg und vermutlich auch auf dem Högelberg in Landshut. Die Anlage solcher Höhensiedlungen setzt entsprechendes ökonomisches Potential und komplexe Organisationsformen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich voraus.

Herausragende Bestattungen und organisierte Siedlungsstrukturen lassen erkennen, daß es zur Ausprägung einer politischen, wirtschaftlichen und religiösen Oberschicht kam. Diese bedeutende Bevölkerungsschicht verfügte offenbar über weitreichende Beziehungen, denn sie ist, mit gleichartigen Attributen ausgestattet, in weiten Teilen Europas nachzuweisen.

In diese Jahrhunderte fallen im östlichen Mittelmeerraum späte Blüte und Untergang der mykenischen Kultur und des Hethiterreichs sowie der sagenhafte Krieg um Troja.

Die Urnenfelderzeit wird hierzulande in eine ältere, 13.- 11. Jahrhundert v. Chr., und in eine jüngere Urnenfelderzeit, 10.- 8. Jahrhundert v. Chr., unterteilt.

 


Das Beil in der Bronzezeit

Beile gelangten als Bestandteil der persönlichen Ausrüstung als Beigabe in Männergräber (siehe auch Modell 2), können aber ebenso gehortet und einzeln oder in größeren Mengen bei religiösen Handlungen (siehe Vitrine 3, Prunkaxt) niedergelegt, versenkt oder vergraben worden sein (siehe Vitrine 3, Hortfund Winklsaß). Dem Boden wurden sie aber auch anvertraut als "Vorratslager" von Händlern oder Handwerkern. Oder aber sie wurden aus Furcht vor Raub versteckt.

Funktion:
Die Funktion der unterschiedlichen Formen der Beile ist bislang nicht sicher geklärt. Es darf jedoch angenommen werden, daß lange, dünnere Beilklingen eher als Waffen (z.B. Streitmeißel Nr.3, 4), wuchtigere eher als Werkzeuge, z. B. für Holzbearbeitung, gedient haben dürften. Unabhängig davon war das Beil - insbesondere in seiner Funktion als Waffe - sicherlich auch Statussymbol seines Besitzers.
Zudem dienten Beilklingen auch als eine Form von Rohstoffbarren, die ähnlich wie Ringbarren (Nr.12) und Gusskuchen (Nr.13) Objekte des Gütertausches und von Rohstoffexpeditionen waren.

Beil
Die Schäftung:
Die Rekonstruktion zeigt ein oberständiges Lappenbeil in sog. Knieholmschäftung. Hierbei wurden die Lappen nach dem Guss um den Schaftkopf geschlagen, um einen sicheren Halt der Beilklinge zu gewährleisten. Zusätzlich wurde der Schäftungsbereich mit Lederbändern, Tiersehnen oder Schnüren bandagiert, damit der Schaftkopf nicht reißen konnte. Beilschäfte wurden meist aus Eschen- oder Buchenholz gefertigt, das sehr hart ist, aber trotzdem die nötige Elastizität aufweist.

Datierung:
Zur generellen Datierung der hier ausgestellten Beilklingen läßt sich sagen, daß Randleistenbeile (Nr.2) während der gesamten Frühen und Mittleren Bronzezeit in Gebrauch waren, wobei das hier ausgestellte Stück ein typisches Exemplar der älteren Hügelgräberkultur ist (15. Jh. v. Chr.). Im Verlauf entwickelten Mittel- bzw. Hügelgräberbronzezeit traten die ersten Lappenbeile (Nr.5, 6, 7, 8, 9) in Erscheinung und erst noch später kamen Tüllenbeile (Nr.10, 11) in Gebrauch, um vor allem in der Urnenfelderzeit Verwendung zu finden.
Bei den Streitmeißel (Nr.3, 4) handelt es sich um die ältesten Hiebwaffen dieser Ausstellung. Sie waren schon vor über vor über 3500 Jahren in Gebrauch.

 


Ringbarren

Ringbarren, die teilweise auch Ösenhalsringe genannt werden, waren wie Gußkuchen und gelegentlich auch Beilklingen in Form gegossener Rohstoff für die Weiterverarbeitung zu anderen Bronzegegenständen und somit wichtiges "Handelsgut". Derartige Ringe sind im Voralpenland in überaus großer Zahl in jeweils großen Mengen vor allem als Depotfunde zu Vorschein gekommen. Beispielsweise enthielt der Hortfund von Mauthausen (Lkr. Berchtesgaden) 600 vollständige und 207 fragmentarisch erhaltene Ringbarren. Sie treten für den Archäologen meist als Depotfunde in Erscheinung, die vermutlich zum Schutz dieser Ware vor Raub angelegt wurden. Fein ausgearbeitete Ösenhalsringe kommen aber gelegentlich auch als Halsschmuck in Gräbern vor.
Ein Rätsel bleibt, warum sich in der Bronzezeit gerade die offene Ringform mit meist ausgeschmiedeten und eingerollten Enden manifestierte. So könnte das Ausschmieden des Metalls zum einen im Zuge von damaligen Qualitätskontrollen erfolgt sein, zum anderen waren die Ösenringe für den Transport und für ein Zusammenbinden sehr gut geeignet.

Gußkuchen und Bronzebrocken

Als Gusskuchen (auch Gussbrocken) bezeichnet man unregelmäßige Bronzeklumpen, die ebenso wie Ösenhalsringe und Beilklingen eine Barrenform waren und ab der Mittelbronezezeit die Ring- und Spangenbarren als Rohstofform ablösten. Gusskuchen kommen außer in Depotfunden auch in Siedlungen zum Vorschein und werden als Rohstoffvorräte/Werkstattvorräte von Bronzegießern und Werkstätten gedeutet.

Schmelzen und Gießen

Bronze besteht meist aus ca. 90 % Kupfer und ca. 10 % Zinn und hat einen Schmelzpunkt von ca. 900 °C. Der Zinngehalt kann hierbei variieren, was auch den Schmelzpunkt beeinflusst. Durch ein Holzkohlefeuer wurden die Bronzebarren in Gußtiegeln aus Stein, Ton oder Graphit zum Schmelzen gebracht, um es danach in die vorgewärmte Form zu gießen.
Nachgewiesen sind neben Gußformen aus Ton auch Formen aus zwei exakt zugeschliffenen Steinplatten (häufig Sandstein), in die das Gußnegativ eingearbeitet war. Ebenso sind Gußformen aus Bronze bekannt.
Nach dem Guss wurde der erkaltete Gießling der Form entnommen, die Gußzapfen entfernt und durch Schmieden und Schleifen nachgearbeitet.

 


Bronzezeitliche Vogelplastik

Das Vogelmotiv kommt in der Urnenfelderzeit in Süddeutschland relativ häufig vor. Es gehört zusammen mit Sonnen-, Hörner- oder Mondmotiven zu einer Zeichenwelt, die aus dem östlichen Mittelmeergebiet über den Donauraum nach Süddeutschland gelangte. Stilisierte Vogeldarstellungen, in denen in der Regel Wasservögel zu erkennen sind, finden sich vor allem als Teile von Anhängern, auf Bronzeblechgefäßen und auf vierrädrigen Wagen und Wagenmodellen.

Der genaue Sinn dieser Vogelmotive bleibt uns heute weitestgehend verschlossen. Auf jeden Fall handelt es sich dabei wohl um eine Art Heilszeichen: Vögel haben die Fähigkeit, zum Himmel aufzusteigen, und wurden daher als Vermittler zwischen Mensch und Gottheit gesehen. Wasservögel besitzen zudem die Fähigkeit zu schwimmen, zu tauchen, zu fliegen und auf dem Land zu gehen.

Im Griechenland der damaligen Zeit lassen sich Vogeldarstellungen im Rahmen von Fruchtbarkeitskulten dem religiösen Geschehen zuordnen. Auf griechischen Münzen ist ein Kesselwagen mit Vogelaufsätzen im Zusammenhang mit Zeus und einem Regenzauber dargestellt. Der Gott Apoll, der unter anderem auch eine Vegetationsgottheit war, fährt in einem von Schwänen gezogenen Wagen.

Der Kesselwagen von Acholshausen (nach Rieckoff)

 


Die Bronzetasse aus Ergolding

(12. Jahrhundert vor Christus)

Das 1909 im "Mitterfeld" bei Ergolding entdeckte Fragment einer Bronzetasse stellt einen außergewöhnlichen Fund dar. Sie ist mehr als 3000 Jahre alt und gehört zu den ältesten aus Bronzeblech getriebenen Gefäßen nördlich der Alpen.
Den Tassenkörper zieren zwei Buckelreihen. Das obere Ende des bandförmigen Henkels wurde innen, das untere außen angenietet. Im Tasseninneren ist an der Nietstelle zudem ein Verstärkungsplättchen angebracht.
Bronzetassen aus der Spätbronzezeit sind in ganz Mitteleuropa sehr selten. Sie dürften zum Besitz wohlhabender Menschen gehört haben.
Eine Parallele zu der Tasse aus Ergolding gehört zu dem Eimer, Sieb und Tasse umfassenden Bronzegeschirrservice aus dem aufgrund seiner reichen Ausstattung international bekannten Wagengrab von Hart an der Alz, Lkr. Altötting.
Derartige Bronzeservice, die ihren Ursprung im mediterranen Bereich haben, deuten auf eine Übernahme südlicher Trinksitten durch die damals in Bayern ansässige Oberschicht hin.

Die Bronzetasse aus Ergolding (nach Pfauth)

 


Urnenfelderzeitliche Wagengräber

Während der Urnenfelderzeit finden sich in Süddeutschland erstmals Bestattungen mit vierrädrigem Wagen. Der Verstorbene wurde mit dem Wagen auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Erhalten geblieben sind von dem hölzernen Wagen mit bronzenen Beschlägen, Aufsätzen und Achsnägeln deshalb nur die verschmolzenen bronzenen Teile.
Die Wagen in den Gräbern sind dem rituellen Geschehen zuzuordnen. Derartige Wagen fanden bei Prozessionen oder in der Bestattungszeremonie Verwendung. In Griechenland, wo es zur damaligen Zeit auch Bestattungen mit Wagen gab, wurde der Gebrauch von Wagen in der Bestattungszeremonie später auf Vasen des geometrischen Stils bildlich wiedergegeben.

Des weiteren gibt es reiche Gräber wie das von Acholshausen, Lkr. Ochsenfurt, Unterfranken, in dem die Asche des Toten in einem kleinen bronzenen Kesselwagen beigesetzt wurde. Hier wurden dem Verstorbenen zudem weitere reiche Beigaben mitgegeben. Auch diese Art der Bestattung war in Griechenland und im Donauraum weit verbreitet und dürfte von dort übernommen worden sein.

Das Wagengrab von Hader, Lkr. Passau

Wagenteile
Bereits 1851/ 52 wurde in Hader, Gemeinde Ruhstorf a.d. Rott, Lkr. Passau, anläßlich der Rodung eines Birkenwäldchens ein Wagengrab entdeckt. Nähere Angaben über die Fundumstände liegen nicht vor. Das Grab enthielt neben stark verschmolzenen Bronzeteilen eines Wagens Teile von Pferdegeschirr und das Fragment einer Knopfsichel. Eventuell gehören auch noch Teile einer Lanzenspitze zu dem Fund. Bemerkenswert ist der aus Bronze gegossene kleine Vogel, der ursprünglich auf dem Wagenkasten gesessen hat.

Die Gräber mit Wagen gehören zu den reichsten Bestattungen in Mitteleuropa aus dieser Zeit. Was Bayern angeht, so fanden sich ungefähr 100 Jahre nach dem Fund von Hader in Hart an der Alz, Lkr. Altötting, in einem Steinkammergrab außer den Resten eines vierrädrigen Wagens unter anderem auch ein Bronzeschwert und ein Service aus Keramik- und Bronzegefäßen.

Und erst 1986 entdeckte man in Poing, Lkr. München, das Grab eines vornehmen Mannes, dem außer Wagenteilen, Schwert, Rasiermesser, Pfeilspitzen, Bronzesichel und einem reichen Service von Tongefäßen auch Pferdegeschirr ins Grab gefolgt waren.
Der sorgfältig und modern ausgegrabene Fund von Poing erlaubt die Rekonstruktion eines urnenfelderzeitlichen Wagens. Der Wagen aus dem Grab von Hader, dessen Reste hier ausgestellt werden, dürfte ähnlich ausgesehen haben.

Rekonstruktion des Wagens von Poing (nach Winghart)

 


siehe auch:


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