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Martin Schaich
Die villa rustica von Burgweinting

 

Zum Stand der archäologischen Ausgrabungen in Burgweinting, 1999

Die Geschichte des heute zur Stadt Regensburg gehörigen Ortes Burgweinting reicht weit vor dessen erste urkundliche Erwähnung um das Jahr 790 n. Chr. ("Wihmuntinga") zurück.
Die äußerst fruchtbaren Lößböden und die günstige Verkehrslage haben zu allen Zeiten Menschen angelockt, so daß sich heute im Bereich von Burgweinting archäologische Fundstellen aller Zeitperioden in hoher Dichte nachweisen lassen.
Das schnelle Wachstum des modernen Ortes hat gerade in den vergangenen Jahren zu mehreren großflächigen archäologischen Ausgrabungen geführt.

So hatten geplante Baumaßnahmen in der Flur "Sandäcker" östlich von Burgweinting in den Jahren 1986 und 1991-1993 die Untersuchung eines 1,4 Hektar großen Areales zur Folge, welches wiederholt als Siedlungsplatz genutzt worden war.
Neben einzelnen Spuren der Jungsteinzeit, der Urnenfelderzeit und der Römerzeit wurden vor allem die Relikte einer großen Ansiedlung der frühen Bronzezeit freigelegt, die ihrerseits von einem bajuwarischem Gehöft mit zugehörigem Reihengräberfeld (7. Jh. n. Chr.) überlagert wurde (Arch. Jahr Bayern 1986, 139f.; 1993, 52ff.).

Die aktuellen Grabungen im Westen Burgweintings nahmen 1994 mit der geplanten Erweiterung der Grundschule ihren Anfang. Sie galten vor allem einer Siedlung der Urnenfelderzeit (1200-750 v.Chr.), die schon seit längerer Zeit durch entsprechende Oberflächenfunde bekannt war. Gleich in der ersten Kampagne wurden mehrere gut erhaltene Hausgrundrisse von Pfostenbauten und Siedlungsgruben mit reichhaltigen Funden entdeckt.

Innerhalb der Grabungsfläche wurden neben den urnenfelderzeitlichen Siedlungsspuren auch drei Hockerbestattungen der Glockenbecherkultur (sowie vereinzelte Siedlungsgruben der beiden jungsteinzeitlichen Kulturgruppen "Münchshöfen" und "Altheim" (um 3500 v.Chr.), aber auch der späten Hallstattzeit und der Frühlatènezeit (600-400 v.Chr.) freigelegt.

Im Vorgriff auf geplante Baumaßnahmen im Umfeld der Kirche wurde die Grabungsfläche mehrfach erweitert und auch für die kommenden Jahre sind weitere Grabungskampagnen geplant. Für die wissenschaftliche Auswertung liegt mittlerweile mit über 30 Grundrissen unterschiedlicher Haustypen eine der größten zusammenhängend Siedlungsflächen dieser Zeitperiode vor. Da sie zudem mit modernsten Methoden ausgegraben wurden, bieten diese Ausgrabungen vielfältige Möglichkeiten, um neue Ergebnisse zum bislang nur fragmentarisch bekannten Siedlungswesen der Urnenfelderzeit zu erarbeiten.

Bereits jetzt ist absehbar, daß sich aus dem Baubefund einerseits und dem sehr reichhaltigen Fundmaterial andererseits soziologische Fragestellungen ergeben. Gerade im Vergleich zu den Fundstellen der Umgebung, besonders zu den gleichzeitigen Grabinventaren, wird sich zeigen, in wieweit Unterschiede und Gemeinsamkeiten bzw. typische Formen und Zierweisen vorliegen.
Auch können begleitende Untersuchungen von Nachbarwissenschaften neue Erkenntnisse zur Wirtschaftsweise liefern.
Schon jetzt belegen zahlreiche Spinnwirtel und Webgewichte die Herstellung von Textilien in der Burgweintinger Siedlung.
Möglicherweise stehen einige Tonringe ebenfalls mit speziellen Webtechniken in Zusammenhang.
Auch der bisher einmalige Fund von Fragmenten verzierten Wandputzes aus Lehm läßt die Wohnkultur dieser Zeit in einem neuen Licht erscheinen.

Zum typischen Inventar urnenfelderzeitlicher Siedlungen gehören auch die umstrittenen Objekte, die in der Fachliteratur als "Feuerböcke" oder "Mondidole" bezeichnet werden. In Burgweinting fanden sich zahlreiche dieser Fundstücke, die nun erstmals hinsichtlich ihrer Verteilung und Vergesellschaftung mit anderen Funden Regelerscheinungen zeigen könnten.
(s.a.: Feuerbock von Buxheim)

Die augenblicklichen Arbeiten im Süden der Grabungsfläche gelten einer weiteren römischen villa rustica, deren Lage und Ausdehnung schon zuvor durch Luftbilder bekannt war. Bisher wurden Teile der Umfassungsmauer, ein Wirtschaftsgebäude und zwei holzverschalte Brunnen freigelegt. Das eigentliche Wohngebäude des Gutshofes befindet sich bisher noch außerhalb der Grabungfläche.

Die angeführten Beispiele beleuchten schlaglichtartig, in welchem Maß die Untersuchungen in Burgweinting dazu beitragen, unser bisher sehr einseitig anhand der Grabfunde erschlossenes Bild der Urnenfelderzeit zu überprüfen, zu erweitern und zu präzisieren.
Ein dringendes Desiderat bleibt dabei die vollständige Aufdeckung der westlich an das bisherige Grabungsareal anschließenden Flächen, die in den nächsten Jahren ansteht. Hier bietet sich der bayerischen Landesarchäologie die bisher einmalige Gelegenheit zur annähernd vollständigen Erfassung einer weitgehend ungestörten Großsiedlung der ausgehenden Bronzezeit.

Martin Schaich, Arctron - Nachricht hinterlassen: Martin Schaich


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