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Dr. Codreanu, Dr. Irlinger
Römische Spuren in Blüte

 

Bodendenkmäler im Luftbild

Viele Bodendenkmäler werden erst unter ganz speziellen Licht-, Temperatur-, und Feuchtigkeitsverhältnissen aus der Luft sichtbar. In humos verfüllten Abgrabungen (Gräben, Vorrats- oder Pfostengruben und Gräber) hält sich die Feuchtigkeit länger und erzeugt dunkle Luftbildmerkmale.
Dies ist der Fall bei der Römerstraße in Irl, wo auf dem Luftbild deutlich die seitlichen Straßengräben als dunkle Linien zu erkennen sind. Verbergen sich unter der Erde Mauern, so kann das Getreide schlechter wurzeln und trocknet im Sommer schneller ab. Dann ist auch in Burgweinting der Grundriss eines römischen Gutshofes für wenige Tage zu sehen.
Die regelmäßigen Befliegungen, die Archivierung und Auswertung dieser Fotos obliegen dem Referat Luftbildarchäologie des Bayer. Landesamtes für Denkmalpflege München.
 

Römischer Gutshof in Burgweinting

Gutshof von Burgweinting
Burgweinting.
Der römische Gutshof
vom Luftbild
über die Geoelektrik
bis hin zur Visualisierung
durch die Bepflanzung.


 


 


 

Zwei sogenannte villae rusticae liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander im Bereich "Mühlfeld" nahe am Aubach. Der westliche Gutshof ist schon seit 1911 durch Ausgrabungen bekannt und erbrachte die Grundrisse zahlreicher von einer Hofmauer umgebener Steinhäuser des 3. und 4. Jahrhunderts n. Chr. Der nunmehr nur noch im Luftbild lokalisierbare Grundriss wurde geoelektrisch vermessen, um einen exakten Plan der Grundmauern zu erhalten. Nun können durch eine gezielte Bepflanzung der Gebäudegrundrisse dieser westlichen villa rustica die sonst im Boden verborgenen römischen Denkmäler während dieses Jahres wieder zum Leben erweckt und dem Besucher auf "blühende" Art anschaulich gemacht werden.
Der benachbarte östliche Gutshof ist erst seit 1977 durch Bewuchsmerkmale im Luftbild bekannt. Im Vorgriff zu geplanten Baumaßnahmen erfolgen auf diesem Areal seit 1994 großflächige archäologische Ausgrabungen, die zunächst vielfältige vorgeschichtliche Befunde erbrachten. Seit 1998 wurden die Untersuchungen in den Bereich der östlichen Villa ausgedehnt. Mittlerweile ist etwa die Hälfte ihrer Fläche ausgegraben.
Neben Resten der Einfriedungsmauer konnten bisher Teile zweier Wirtschaftsgebäude sowie eines kleinen steinernen Kellers freigelegt werden. Dieser wird angesichts seiner besonderen Qualität erhalten und von der geplanten Bebauung ausgespart bleiben. Ferner entdeckte man fünf Grundwasserbrunnen mit steinernem oder holzverschaltem Schacht. Durch die dendrochronologische Bestimmung der Brunnenhölzer konnte ein Brunnen in die Zeit um 150 n. Chr. datiert werden. Angesichts der Fundstücke zeichnet sich die Gründung dieses Gutshofes Ende des 1. Jahrhunderts und eine Laufzeit bis mindestens zum Ende des 3. Jahrhunderts ab.
 

Die Römerstaße in Irl

Römerstraße von Irl
Irl.
Lineare Grabenzüge
der Römerstraße
im Luftbild.


 


 


 

Die Römer sind als Meister der Ingenieurbaukunst bekannt. Dabei kam dem Straßenbau als Verbindungs- und Kommunikationsweg in ihrem riesigen Reich eine wichtige Rolle zu. Gut ausgebaute Straßen gewährleisteten einen reibungslosen Ablauf militärischer und ziviler Transporte und bildeten gleichzeitig das notwendige Gerüst für die ländliche Infrastruktur.
Das römische Legionslager Castra Regina, erbaut 179 n.Chr., war durch eine Fernstraße entlang der von der Donau gebildeten Reichsgrenze mit anderen Militärstützpunkten verbunden. Die einstige Straße nach Straubing dürfte in etwa dem Verlauf der heutigen Bundesstraße entsprechen. Bei Irl zweigte eine Nebenstrecke nach Südosten ab, die zu den Gutshöfen von Harting, Niedertraubling und Mintraching führte. Von ihrer Existenz weiß man durch Luftbilder. Darauf sind die geraden Linien der Straßengräben an ihrer dunklen Verfärbung gut erkennbar, in manchen Teilen sogar der helle Straßendamm.
Die Römerstraße wurde beim Bau des Globus-Baumarktes untersucht: Der 9 m breite Straßenkörper besteht aus einer schichtweise aufgetragenen lehmigen Kiesschüttung, die in der Mitte bis zu 40 cm hoch erhalten war. Die 0,50 m tiefen Straßengräben wiesen eine Breite von 1 - 1,20 m auf.
Durch die Bepflanzung der Trasse soll diese Römerstraße ein allerletztes Mal in ihrem Verlauf sichtbar gemacht werden, bevor sie einem Gewerbegebiet weichen muss.


siehe auch:


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