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Partnerstädte von Ingolstadt
Geschichte von Manisa, Türkei


 
Die schönsten Sagen des klassischen Altertums aus der Ingolstädter Partnerstadt Manisa
Von Dr. Treffer, Ingolstadt

Eine siebenteilige Folge

 

- zur Geschichte Manisas -

Mehrere der "Sagen des klassischen Altertums" spielen in und um Manisa, der türkischen Stadt im alten Lydien, mit der Ingolstadt durch einen Freundschaftsvertrag verbunden ist: die Legenden um den Zeus-Sohn Tantalos, seine Kinder Pelops und Niobe und um Midas und den sprichwörtlich reichen zweiten König der Lyder Kroisos (Krösus).

In einer siebenteiligen Sommer-Ferien-Folge stellen wir diese Sagen vor und berichten, welche Spuren dazu in Manisa verfolgt werden.

Manisa hat in der Tat eine Geschichte, die bis ins Dunkel der Sagenzeit zurückreicht. Ihren Namen hat die Stadt - gemeinsam mit Magnesia am Maiandros - vom Stamm der Magneten, der in Thessalien auf dem griechischen Festland siedelte. Hier wurde erstmals "magnetisches" Eisenerz gefunden und hier wurden die beiden kleinasiatischen Kolonien gegründet. Um die zwei Gründungen zu unterscheiden, wurde das heutige Manisa "Magnesia am Sipylos" genannt. Dieser 517 Meter hohe Berg - heute Manisa Dagi, genannt in der Antike als Sipylos bekannt - überragt die Stadt im Süden.

Kleinasien gehört zu den am frühesten von den Menschen besiedelten Gebieten. Hier gingen die Menschen schon im 7. Jahrtausend vor Christus von der Wirtschaftsform der Jäger und Sammler zum Ackerbau über und wurden seßhaft. Um 1800 v. Chr. errichteten die Hethiter einen Staat, der in Ausläufern bis zur ägäischen Küste reichte und dem es gelang, sich zeitweise bis Babylonien auszudehnen. Manisa lag damals im hethitischen Einflußbereich. Nach dem Zusammenbruch des Hethiterreiches (um 1200 v. Chr.) kam Manisa unter den Einfluß der Phryger, eines wohl indoeuropäischen Volkes, das aus Thrakien stammt. Es gründete um 750 v. Chr. ein Reich mit der Hauptstadt Gordion (wo Alexander später den berühmten gordischen Knoten durchschlug). Das Steppenvolk der Kimmerier zerstörte es nur ein halbes Jahrhundert später. (Ein neu-phrygisches Reich konnte sich dann noch bis zur persischen Eroberung Kleinasiens im Jahr 546 v. Chr. halten).

Zwischenzeitlich wurde Manisa von den Lydern beherrscht - sie hatten eine indogermanische Sprache, ihre Herkunft aber ist unklar. Wohl um 680 v. Chr. drangen sie in phrygisches Gebiet ein und errichteten einen Staat mit der Hauptstadt Sardes - 70 Kilometer von Manisa entfernt - im Tal des Hermos (des heutigen Gediz) in dem Gold gewonnen wurde. Der zweite König dieses Reiches war Kroisos (560 - 546), von dem noch die Rede sein wird. 546 besiegten die Perser unter Kyros dem Großen das Heer des Kroisos und Lydien wurde persisch. Manisa war eine "persische" Stadt.

Das mächtige Perserreich hatte jedoch an seiner westlichen Grenze einen Rivalen. Schon seit 1200 v. Chr. hatte sich hier die von Griechen getragene mykenische Kultur ausgebreitet und nach dem Zusammenbruch des Hethiterreiches hatten die Griechen damit begonnen, an der Küste und auf den vorgelagerten Inseln Kolonien zu gründen. Die Tochterstädte hatten wiederum Niederlassungen gegründet - so soll die Stadt Milet 80 bis 90 "Kolonien" gehabt haben. Unter Führung dieser blühenden und volkreichen Stadt hatte sich um 500 v. Chr. der ionische Städtebund gegründet, dem auch Smyrna (heute Izmir) und Ephesos angehörten. Nach dem mißglückten Aufstand gegen die Perser 494 und der Zerstörung der Städte war es zum Verfall der ionischen Kultur gekommen - die Rivalität zwischen Persern und Griechen aber war geblieben.

Auf seinem Kreuzzug gegen der persischen Erbfeind überschritt 332 v. Chr. der Makedonier-König Alexander ("der Große") den Hellespont. Ein Jahr später schlug er - "Drei, Drei, Drei - bei Issos Keilerei" - in der Nähe des heutigen Adona die Entscheidungsschlacht, in der das persische Reichsheer unter Großkönig Dareios III. geschlagen wurde. Der persische Satrap (Statthalter) lieferte Manisa kampflos aus, Manisa wurde zur "griechischen" Stadt und Alexander dehnte sein Herrschaftsgebiet bis zum Indus aus.

Nach dem Tode Alexanders des Großen im Jahr 323 in Babylon stritten seine Feldherren, (die Diadochen) um die eroberten Gebiete - in Kleinasien regierten die Lysimachos, Antijonos und Seleukos - Manisa lag im Bereich des Seleukos.

Durch seinen Reichtum und seine strategische Lage gelangte im 3. Jahrhundert vor Christus das Reich von Pergamon - rund 100 Kilometer nördlich von Manisa - zu Macht und Blüte, ehe es 133 v. Chr. eine Provinz des Römischen Reiches wurde. Manisa war fortan eine "römische Stadt".

Es gehörte zur Provinz "Asia" - unter römischer Herrschaft war Kleinasien in die Provinzen Asia, Cilicia, Lycia und Pamphylia eingeteilt - wie die anderen Städte an der Küste und im Westen erlebte Manisa um die Zeitwende und in den ersten beiden nachchristlichen Jahrhunderten eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte.

Kaiser Konstantin ("der Große") - der das Christentum zur Staatsreligion erhob - wählte 330 das alte Byzantion am Bosporus (Istanbul) zur neuen Hauptstadt. (Das "neue Rom" erhielt nach ihm den Namen Konstantinopel). Nach der Teilung des römischen Reiches (394) erlebte Konstantinopel seine größte Blüte unter Kaiser Justinian (527 - 565) - das Reich erstreckte sich vom westlichen Mittelmeer bis zum Kaukasus, von den Alpen bis Ägypten.

Ende des 7. und Anfang des 8. Jahrhunderts litten die kleinasiatischen Gebiete schwer unter den Einfällen islamischer Araber. Die Grenzen konnten gehalten werden bis das nomadische Reitervolk der Türken unter den seldschukischen Herrschern von Osten her eindrang. Die Byzantiner wurden (im Jahr 1071) geschlagen, Kaiser Romanos IV. Diogenes getötet. Manisa war eine seldschukische Stadt. Die Seldschuken waren ein oghusischer Turkstamm, der sich nach einem seiner Herrscher benannte. In kürzester Zeit waren sie bis zum Mittelmeer vorgedrungen und hatten das Sultanat von Rum (mit den Hauptstädten Konya und Kayseri) errichtet. Dagegen holte "der Westen" zum Gegenschlag aus. 1204 wurde Konstantinopel von christlichen Kreuzfahrern erobert und geplündert. Sie errichteten das "Lateinische Kaiserreich".

Als in Konstantinopel die lateinischen Kaiser herrschten (1204 - 1261) war Manisa eine bedeutende Stadt im byzantinischen Restreich.

Erst 1313 fiel es wieder in die Hände der Seldschuken. Seit geraumer Zeit aber hatten schon Mongolen durch ihren Vorstoß nach Kleinasien zur Erschütterung des Seldschuken-Reiches beigetragen. Wie die Seldschuken benannten sich die Osmanen nicht nach einem Volk, sondern nach einem Herrscher, dem Begründer einer Dynastie. Der von den Mongolen zerschlagene Seldschuken-Staat bot kleinen Stammesgruppen die Möglichkeit, neue Emirate (Fürstentümer) zu schaffen. Ertogrul Gazi (der Führer im Glaubenskrieg genannt wurde), hatte sich so einen Machtbereich geschaffen, den sein Nachfolger Osman auf Kosten von Byzanz erheblich erweiterte. Unter Osmans Nachfolgern Orhan und Süleyman gehörten schon Teile des westlichen Kleinasiens (und Thrakien auf dem europäischen Festland) zu ihrem Reich. Murat I drang weiter auf dem Balkan vor und schlug 1389 auf dem Amselfeld die Serben. Sein Sohn Beyzit I. eroberte Griechenland und bereitete sich auf die Eroberung Konstantinopels vor (als jedoch der Mongole Timur in Kleinasien einfiel, mußte Beyazit eine vernichtende Niederlage - bei Ankara - hinnehmen und starb 1403 in mongolischer Gefangenschaft). Ungeachtet dieser Rückschläge wurde Manisa 1410 eine "osmanische Stadt" und es gelang Sultan Mehmet II., Konstantinopel, das Bollwerk des byzantinischen Reiches, 1453 zu erobern. Konstantinopel wurde zur Hauptstadt des Osmanen-Staates, der sich fortan unaufhaltsam ausbreitet: durch seinen Sieg über den persischen Schah Ismail sichert Sultan Selim I. die osmanische Herrschaft über Ostanatolien, 1517 dehnt sich das osmanische Reich über Syrien und Ägypten aus, umfaßt die heiligen Städte des Islam Mekka und Medina. Der Sultan wird als Kalif geistliches Oberhaupt aller Muslime. Süleyman II. (in Europa "der Prächtige", in der Türkei der "Gesetzgeber" genannt) dringt 1529 bis vor Wien vor. In seiner Zeit beherrschte die osmanische Flotte das Mittelmeer, Nordafrika bis Algerien ist "türkisch". Auf dem Höhepunkt der osmanischen Macht marschiert ein Türkenheer zum zweiten Mal gegen Wien. König Franz I. von Frankreich, der große Renaissance-Herrscher François I. schließt gar ein Militärbündnis mit dem "Prachtvollen" - die Christenheit ist erschüttert: der Allerchristlichste König von Frankreich, der ältesten Tochter der Kirche arrangiert sich mit den Ungläubigen - gegen den Kaiser des Deutschen-Römischen-Reiches Karl V., in dessen Reich (fortan) die Sonne nicht mehr untergeht. Franz I. räumt den Türken gar einen Truppenstützpunkt zu Toulon ("auf christlichem Boden") ein. Das Reich der Osmanen steht im Zenit seiner Macht und Manisa ist eine seiner bedeutendsten Städte.

Es ist Residenz der osmanischen Prinzen, die sich hier ihre Verwaltungspraxis aneignen. Manisa ist der Ort, an dem der Thronfolger des Sultan sich seine ersten Spoten in der Verwaltung des Reiches verdienen soll, wobei aufgrund der rüden Nachfolgesitten im osmanischen Reich - ein Sultanssohn muß tunlichst all seine Brüder beseitigen, um Erbfolgestreitigkeiten auszuschließen - keineswegs sicher ist, daß der in Manisa residierende "Dauphin" auch Sultan wird. Deshalb spielt Manisa in dem in jüngster Zeit vielbeachteten Roman von Colin Falconer "Die Sultanin" eine Rolle.

Kein Wunder, daß eine Stadt mit einer solch reichen Geschichte den Nährboden für Legenden bildet. Aber: Manisa bietet Sagen, die hinausgehen über Geschichten von Königen und Pagen, von Königinnen und Verehrern, von schmachtender Liebe und Troubadouren, die sie besangen. Hier geht es um die Ur-Mythen. Die "alten Griechen" lokalisierten "hier" Ereignisse, die zur Mythologie des Abendlandes gehören.


Siehe auch:
Antike Sagen aus Manisa


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