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Skulpturengarten in Ingolstadt
Der Blitz in den Künettegraben

 

Das Reduit

Vor den Festungsmauern befand sich der Künettegraben (die Cunette) und davor das Glacis, das freie Schussfeld. Da es im Verteidigungsfall eventuell notwendig sein konnte, einen kleineren Ausfall über den Wassergraben hinweg zu unternehmen, mussten Ausfallpforten eingebaut werden.

Foto: Kurt Scheuerer
Von der Pforte aus (im Foto ganz links) konnte eine Zugbrücke auf einen gegenüber liegenden Vorsprung gelegt werden. Dort konnten dann einige Soldaten raus und wieder zurück laufen.

Foto: Kurt Scheuerer
Foto: Kurt Scheuerer
Links: Die Ausfallpforte, rechts: Standpunkt mit Blickwinkel des Fotografen im Bild oben.

Da die Möglichkeit bestand, dass sich die eigenen Soldaten nicht mehr rechtzeitig über die Brücke zurückziehen konnten, sind einige Schutzunterstände zwischen Glacis und Cunette verborgen worden, sogenannte Reduits.
Die Ausfallpforten befinden sich am Schuttereinlauf und zu beiden Seiten der Fronte 79, dem heutigen Haus der Jugend. In ihrer Nähe sind auf der Feindseite die beiden mit dicken Sand- und Erschichten abgedeckten Reduits versteckt.
Foto: Kurt Scheuerer
Eines beherbergt ein Café, ein anderes die Geräte zur Glacis-Pflege und rund um das nördliche ist das Fasanengehege eines Vereins angegliedert.


Der Blitz

Foto: Kurt Scheuerer
Neben diesem Fasanen-Reduit befindet sich die Plastik "6-teilige Raumform, 1997" im Stil der Konkreten Kunst.
Diese ist eine Schenkung des Künstlers Norbert Thomas und der Fa. Polenz, Lüdinghausen, an die Stadt Ingolstadt.
Sie gleicht einem Blitz aus Edelstahl, welcher in das Glacis einschlägt, wieder aus der Erde herauskommt, ins Wasser schlägt und dann in der gegenüber liegenden Festungsmauer verschwindet.
Foto: Kurt Scheuerer
Foto: Kurt Scheuerer


Kunst soll
zum Denken
anregen

Schon mehrfach hat das Kunstwerk Anlass gegeben, sich in Leserbriefen und im früheren Ingolstädter Bürgerforum negativ zu äußern. Bei einer dieser Diskussionen 2001 schrieb ich den folgenden Beitrag:

Es geht bei der Plastik eher um einen Denkanstoß.

Ein Blitz schlägt ein, kommt einige Meter weiter wieder heraus, springt ins Wasser und drüben in die Wand. Er verbindet das Hüben und das Drüben.
Nun ist das aber ein Festungsgraben. Der war für den Belagerungsfall durch Feinde gedacht.
Sollen sich Menschen feindlich gegenüber stehen?
Soll nicht doch besser eine Verbindung zwischen ihnen geschaffen werden?
Wer soll das tun? Der Blitz? Also eine höhere Macht? ... Eine Frieden stiftende? ...

Zum Glück gab es nie einen Angriff auf diese Festung.
Aber man könnte sich einen Ausfall einiger Soldaten, den feindlichen Beschuss, ihre Flucht ins Reduit (liegt neben der Installation) und weiteren Beschuss vorstellen.
Die Angst dieser Leute, die sich in dem kleinen Gebäude verschanzt haben, die Schrecken eines solchen Krieges.

Angenommen ein Geschichtslehrer würde seine Klasse an Ort und Stelle die Installation zeichnerisch darstellen lassen und anschließend im Klassenzimmer eine entsprechend geleitete Besprechung halten? Ich kann mir vorstellen, dass die Situation eines Krieges im 19. Jh. durchaus eindrucksvoll vermittelt werden könnte.

Kurt Scheuerer, 2002 und 2007


Siehe auch:

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