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Martina Neumeyer:
Ausstellung Ingolstädter Künstler zu Marieluise Fleißer

 

„Worte werden Bilder": Ingolstädter Künstler zu Marieluise Fleißer

Ausstellung im Fleißerhaus, Kupferstraße 18, Ingolstadt
14.10.2007 bis 06.04.2008

„Worte werden Bilder". So würdigten Literaturkritiker von Beginn an Marieluise Fleißers sprachliche Originalität. Bekanntlich formulierte die Schriftstellerin knapp und einfach. Aber für ihre vordergründig schlichten Formulierungen verwendete sie bewusst und kunstfertig Ausdrücke von ebenso konkreter wie vielschichtiger Bildlichkeit. Dadurch brachte sie das Wesentliche von Figuren und Handlungen unmittelbar zum Vorschein.

Fleißers Sprachbilder inspirierten ab den 1960er Jahren Künstler zu kreativen Reaktionen in ihrer individuellen Bildersprache.
  • In ausdrucksstarke und emotionalisierende Illustrationen verdichtete 1968 Knut Schnurer seine holzschnittartigen, realismusgetränkten Tuschezeichnungen um Fleißers Drama Pioniere in Ingolstadt.
  • Sensibel für die auf allgemein Menschliches hinweisende Individualität der Protagonisten verbildlichte 1987 Dorothea Grill mit ihrem Bleistift milieugesättigte Szenen aus der Fleißerschen Erzählprosa und Dramatik.
  • Aquarelle wurden Jitka Berak-Oskar ca. 1989 das Medium, um das von Zärtlichkeit bis Gewalttätigkeit gespannte Gefühlsspektrum der Personen aus Fleißers erzählerischem und dramatischem Werk zu erspüren.
  • Mit Tusche und Feder notierte 1989 Ana Feiner-Zalac auf ihren Blättern Impressionen und Reflexionen, die sich bei ihrer intensiven Beschäftigung mit Fleißers Abenteuer aus dem Englischen Garten einstellten.
  • Wie die charakteristische Ausdruckskunst einer Künstlerpersönlichkeit aus der Eigenart künstlerischer Kreativität erwächst, fing Gerda Wanda Pohley während der 80er und 90er Jahre in farbigen Gemälden und schwarz-weißen Zeichnungen ein.

Die Ausstellung zeigt Werke dieser Künstler in bewusster Auswahl und kombiniert mit Fleißerschen Textpassagen. Dadurch leistet sie, was heute von Museen erwartet wird: die Verbindung von Tradition und Innovation.
  • Ihre Exponate erinnern die eindrucksvolle literarische und bildkünstlerische Kreativität, die in Ingolstadt zuhause ist.
  • Sie vergegenwärtigen aufs Neue grundlegende ästhetische Erfahrungen: sie machen die prinzipielle Verschiedenheit von Wort und Bild erfahrbar, d.h. dass Sachverhalte oder Geschehen von der Literatur nacheinander und von der Malerei gleichzeitig dargestellt werden; sie lassen erfahren, dass Wortkunst und Bildkunst ein gleiches Tun provozieren, nämlich das Verstehen- und Deuten-Wollen.
  • Sie initiieren in Verstand und Phantasie neue Aktivitäten. Denn die kunstvoll gesetzten Worte der Fleißer und die originell kreierten Bildwerke regen an, im dynamischen Vorgang der Betrachtung neuartige intellektuelle und emotionale Wahrnehmungen zu erleben.

G.W. Pohley

Die ausgestellten Bilder und Zeichnungen von Knut Schnurer, Jitka Berak-Oskar, Dorothea Grill, Ana Feiner-Zalac und Gerda Wanda Pohley verkörpern eigenwillige Bezugnahmen auf Fleißers literarisches Schaffen.

Durch ihre subjektiven Einlassungen geben die Künstler aber gleichzeitig den Blick frei auf eine für die Moderne typische Entwicklung der Literaturillustration, nämlich: weg von der äquivalenten Bebilderung eines Textes - hin zu der demonstrativ autonomen Verbildlichung von literarischen In- und Gehalten bzw. von lektürebedingten psychischen Prozessen.

Für die Einführung in die Ausstellung konnte Dr. Siegfried Hofmann, ehemals Kulturreferent der Stadt Ingolstadt, gewonnen werden. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass sich im Stadtmuseum eine Sammlung dieser unterschiedlichen bildkünstlerischen Auseinandersetzungen mit Marieluise Fleißer befindet. Knut Schnurer, Jitka Berak-Oskar, Dorothea Grill, Ana Feiner-Zalac und Gerda Wanda Pohley schufen sie teils aus eigenem Antrieb, teils auf Einladung des Kulturreferats. Hofmanns persönliche Bekanntschaft mit diesen Künstlern und seine kundige Vertrautheit mit ihrem Schaffen lässt bei der Vernissage interessante Einblicke in ihre Ateliers erwarten.

Dr. Martina Neumeyer, Eichstätt, 2007


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