Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Kunst in Ingolstadt
Alf Lechner

 

Alf Lechner erhält Goldene Bürgermedaille

OB zeichnet den Künstler in einer feierlichen Stadtratssitzung aus

Im Rahmen einer feierlichen Sitzung des Stadtrats überreichte Oberbürgermeister Dr. Alfred Lehmann dem Stahlbildhauer Professor Alf Lechner die Goldene Bürgermedaille der Stadt Ingolstadt. Damit wurde der Künstler, der der Stadt auch durch das nach ihm benannte Museum besonders verbunden ist, besonders geehrt. Über der Bürgermedaille kommt nur noch die Ehrenbürgerschaft.
Alf Lechner ist mit einigen Kunstwerken im Ingolstädter Stadtbild vertreten und - wie auch Oberbürgermeister Dr. Alfred Lehmann zugibt - in der Bürgerschaft nicht unumstritten. Aber seine monumentalen Werke tragen zur größeren kulturellen Vielfalt Ingolstadts bei.

Lebenslauf

Alf Lechner wurde am 17. April 1925 in München als einziger Sohn bürgerlicher Eltern geboren. Aufgewachsen in der Mandlstraße in Schwabing, kam er früh mit dem See- und Landschaftsmaler Alf Bachmann in Kontakt, der im gleichen Haus lebte. Bei ihm lernte er während der Jahre 1940 bis 1943 in Ambach am Starnberger See zeichnen und malen. Nach dem Abitur und dem Kriegsdienst bei der Kriegsmarine und anschließender Kriegsgefangenschaft setzte Alf Lechner im Jahre 1946 bei Alf Bachmann das Studium der Malerei fort. 1948 machte er eine Ausbildung als Schlosser und gründete die Firma "Litema, Lichttechnik und Metallverarbeitung". Er entwickelte technische Geräte, unter anderem eine Operationsleuchte für die Anwendung in der Zahnmedizin und arbeitete auch als Gebrauchsgrafiker. 1957 entstand eine erste Skulptur aus Stahl. 1963 zog sich Alf Lechner aus der Firma "Litema" zurück und siedelte 1965 nach Deggendorf in die Nähe des Starnberger Sees um. Während dieser Zeit fertigte er weitere Stahlskulpturen, die 1968 in einer Ausstellung in der Galerie Heseler in München erstmals öffentlich gezeigt wurden. 1972 entstanden erste Kontakte mit der Stahl verarbeitenden Industrie. 1973 begann er mit dem Arbeitsstipendium des Kulturkreises im BDI; dies eröffnete ihm die Möglichkeit, zehn Jahre lang in den Werkshallen der Firma Linde AG große Skulpturen herzustellen. 1974 begann er mit der umfangreichen Werkgruppe "Konjunktionen", gefolgt von der Werkgruppe "Flächenabwicklung" in den Jahren 1976 und 1977. Alf Lechner kaufte 1980 eine Ruine eines Industriegebäudes aus den dreißiger Jahren in Geretsried und baute diese zu einem Wohn- und Werkstättengebäude aus. 1983 unternahm er mehrere Reisen nach Saudi-Arabien und studierte die alte Lehmarchitektur, insbesondere um die Herstellung zweier Skulpturen für die Eingangsbereiche der King Saud University in Riad bewerkstelligen zu können. 1999 wurde die Alf Lechner Stiftung gegründet und am 20. Februar 2000 das Alf Lechner Museum in Ingolstadt eröffnet.

Alf Lechner erhielt zahlreiche Auszeichnungen:

  • den Förderpreis der Stadt München 1972,
  • den Kunstpreis der Akademie der Künste in Berlin 1974,
  • den Ersten Preis beim Wettbewerb für zeitgenössische Skulptur "Dimension 79" der Philip Morris GmbH 1979,
  • den Ersten Preis im Kunstwettbewerb "Zentraler Platz" der Bundesministerien Verkehr/Post, Bonn 1983,
  • den Kunstförderpreis beim Wettbewerb "Stadtbildhauer im Skulpturenpark Schloss Philippsruhe", Hanau 1988,
  • die Medaille "München leuchtet" in Gold durch die Landeshauptstadt München 1990,
  • den "Kritikerpreis 1991 für Bildende Kunst" vom Verband der Deutschen Kritiker e.V., Berlin,
  • den "Piepenbrockpreis für Skulptur" 1992,
  • den "Friedrich-Baur-Preis" der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 2000, sowie
  • das Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 2002.

An der Akademie der Bildenden Künste in München war Alf Lechner während der Jahre 1990 und 1991 Gastprofessor, sowie 1993 Honorarprofessor. In diesem Jahr war er auch im Lehrauftrag für die Bildhauerklasse der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst, Salzburg tätig. Zudem war Alf Lechner 1994 zwei Monate lang Ehrengast der Accademia Tedesca, Villa Massimo, Rom und ist seit 1995 als ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München tätig.

 

Alf Lechner Museum Ingolstadt

Das Projekt Alf Lechner Museum Ingolstadt konnte am 20. Februar 2000 mit seiner Eröffnung verwirklicht werden: Untergebracht in einer ehemaligen alten Fabrikhalle von Audi, welche unter Bewahrung der Gebäudestruktur in ein Licht durchflutetes funktionales Museum umgebaut wurde, widmet sich diese Stätte dem Werk Alf Lechners, dem bedeutendsten Stahlbildhauer der Gegenwart. Rund 2.200 qm Ausstellungsfläche auf zwei Etagen bieten seither Alf Lechner die Möglichkeit, seine Sammlung mit verschiedenen Großplastiken aus seinem Bestand von über 250 Exemplaren im Wechsel zu präsentieren.

An großen Ausstellungen im Alf Lechner Museum dürfen genannt werden:
  • "Eisenmeer-Blau" 2002,
  • "Versinkende" 2003, sowie
  • "Schuler/Lechner" 2004.

Mit der Aufstellung verschiedener Skulpturen von Alf Lechner im öffentlichen Stadtbild wurden auch Kontroversen und Diskussionen ausgelöst. Diese Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst ist jedoch besonders wertvoll, denn dadurch wurden die Kunstobjekte von Alf Lechner Thema in vielen Gesprächen. Seine Kunst trägt dazu bei, Brücken zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu schlagen. Was seine Skulpturen verlangen, die kein anderes konkretes Thema als sich selbst und den einsehbaren Prozess ihrer Entstehung haben, ist Reflexion und der "Zwang" zum Nachdenken über die Kunst.

Das Alf Lechner Museum bot seit seiner Eröffnung die Plattform für viele Künstler auch des Musikbereiches; so beispielsweise
  • der Komponist Franz Hummel, ein Hoffnungsträger der Avantgarde,
  • die Ingolstädter Formation "C´est si bon" mit Tanzmusik aus Swing und Jazz,
  • Werke zeitgenössischer Komponisten und venezianischer Schlagzeuger wie Nicola Cisternino, Enrico Cocco, Aldo Brizzi, Ernst Helmuth Flammer, Horatiu Radulescu und Gerhard Kaufmann,
  • das Georgische Kammerorchester oder
  • die Musiker Carlo Kleiber, Markus Poschner oder Jörg Handstein.

Auch beim jungen Publikum findet das Alf Lechner Museum großen Anklang; so galt es, bei einer Vielzahl an Museumsfesten knifflige Rätsel im Rahmen von "Museums-Rallyes" zu lösen. Bei diesen verschiedenen Kinderfesten konnten auch die erwachsenen Besucher lernen, dass sich der Umgang der Kinder mit den Kunstwerken oft sehr viel unverkrampfter gestaltet, als ihr eigenes Erleben. Alf Lechner ist bei solchen Ereignissen oft selbst im Museum anwesend, um die Fragen des jungen Publikums zu beantworten; dies ist auch Ausdruck seiner Wertschätzung.

Mit Alf Lechner konnte der bedeutendste Bildhauer Deutschlands und einer der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen Bildhauerei weltweit als Repräsentant für Ingolstadt gewonnen werden. Seine zeitgenössische und moderne, konkrete Kunst ist eine Bereicherung für die Stadt Ingolstadt, denn es ist dadurch einmal mehr möglich geworden, sich neben aller wirtschaftlichen Dynamik, auch als eine Kultur- und Museumsstadt von außerordentlichem Rang darzustellen. Ingolstadt ist dadurch mittlerweile zu einem international renommierten Zentrum für diese Kunstrichtung geworden. Die Wertschätzung der Stadt Ingolstadt für sein verdienstvolles Wirken erfährt mit der Verleihung dieser kommunalen Auszeichnung eine gebührende äußere Anerkennung und Würdigung.

IN Newsletter vom 01.12.2005


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