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Lederherstellung in Ostasien
Ein Problem der Wirtschaftsethik

 
Gerberei in Fez, Marokko. Foto: Horst Riedel
In Deutschland gibt es heute nur noch 13 Spezialgerbereien, ein bestimmter Vorort von Bangkok dagegen beherbergt 137 Betriebe mit 10.000 Arbeitern. Dort gibt es auch zwei Kläranlagen für die stinkende Abflussbrühe. Erst eine dieser Gerbereien hat eine Anlage zur Chrom-Wiederaufbereitung. Die deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit hilft Thailand, diese Umweltbelastungen zu mindern.
Im nordindischen Kanpur wird unter noch übleren Bedingungen bei weniger als halb so hohen Löhnen und mit viel Kinderarbeit produziert. Und nun droht sogar diesen ostasiatischen Produktionszweigen eine neue Konkurrenz in den osteuropäischen Ländern, aus denen das Rohleder für uns bequemer und billiger bezogen werden kann.

Wie wird die Kuh zum Schuh?

Nachdem man dem geschlachteten Rind die Haut abgezogen hat, wird diese enthaart und zwei bis drei Tage in Fässern in Lauge aus Natriumsulfid und anderen Chemikalien gelagert. Dann wird das restliche Fleisch abgeschält und zu Dünger oder Fischfutter verarbeitet.

Nun wird die Haut gespalten, der obere Teil wird zu Leder verarbeitet.
Hierzu werden pro Tonne Haut 80 Kilogramm Chrom zugesetzt, dazu kommen noch Weichmacher und Schmiermittel. Nicht nur mehr als 5 Gewichtsprozent des fertigen Leders bestehen aus Chrom, auch in Leber, Niere und Lunge von Gerberei-Arbeitern findet sich ein Vielfaches an Chrom gegenüber dem Bevölkerungsdurchschnitt.

Der untere Teil der Haut wird im Freien gespannt, getrocknet und gewässert. Dann wird dieser zu Lappen geschnitten, welche zu Kauknochen für Hunde verdreht werden. Auch Gelatine für Nahrungsmittel wird daraus hergestellt.

Kurt Scheuerer 1999
auf der Grundlage eines Artikels von Andreas Bänziger in der Süddeutschen Zeitung vom 02.06.1999, S. 3.


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